Luxus geht immer, vor allem zu Weihnachten
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2021-11-12

Luxus geht immer, vor allem zu Weihnachten

Luxusgüter sind ein echter Wachstumsmarkt. Das war vor der Corona-Krise so und ist jetzt erst recht wieder so – und nun steht das Weihnachtsgeschäft an. Wo Experten noch Chancen sehen, von welchen Trends die Konzerne profitieren und welche Risiken es gibt.

Edler Schmuck, teure Handtaschen, ausgewählte Accessoires ­­– Luxus geht immer. Selbst in Krisenzeit scheint der Wunsch nach exklusiven Dingen groß und die Nachfrage bleibt stabil. Die Corona-Krise war da keine Ausnahme. Die bekannten Luxuskonzerne erholten sich besonders schnell von den Umsatzeinbußen im Lockdown. Ein Grund dafür: Nachdem das öffentliche und gesellschaftliche Leben monatelang nahezu still stand, haben viele Verbraucher mehr Geld im Portemonnaie. „Davon profitiert auch der Luxusgüter-Markt, zumal gerade in herausfordernden Zeiten viele Menschen sich selbst oder ihren Liebsten etwas Besonderes schenken möchten“, ist Nermin Aliti, Leiter Fonds Advisory und Produktmanagement bei Laureus Privat Finanz, überzeugt.


Luxus wächst schneller als das weltweite BIP

Überhaupt ist die Branche sehr robust, denn sie hat eine höhere Preissetzungsmacht als andere. Das führt zu deutlich überdurchschnittlichen Margen. „Generell ist der Markt für Luxusgüter seit 1995 doppelt so stark gewachsen wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt“, sagt Hagen Ernst, stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement bei DJE Kapital. Vor allem die Nachfrage aus Asien hat sich mit zunehmendem Wohlstand gut entwickelt und macht heute oft knapp die Hälfte des Umsatzes der Konzerne aus. Caroline Reyl, Fondsmanagerin des Pictet-Premium Brands, sieht zudem zwei weitere unterstützende Trends: „Weg von Fast Fashion“ sowie die Investition in langfristige Werte durch Luxusgüter.



All das lässt die Umsätze und Gewinne sprudeln und die Aktienkurse steigen. „Weltweit bekannte Marken sowie Skaleneffekte sind gerade im Luxussektor wichtig und führen dazu, dass große weltweit bekannte Häuser wie LVMH oder Hermès sich tendenziell am besten entwickeln“, betont Ernst. Mit Blick auf die Charts stellt sich allerdings die Frage, ob ein Einstieg – auch in der Hoffnung auf ein gutes Weihnachtsgeschäft – noch lohnt. Aliti gibt einen positiven Ausblick. „Der globale Wirtschaftsmotor hat wieder an Dynamik gewonnen – und auch die langfristigen Aussichten machen Mut“, sagt der Experte. „Vor allem von den mittel- und langfristigen Wachstumsaussichten in den Schwellenstaaten – allen voran in China – könnte die Luxusgüter-Branche profitieren, neigen viele Chinesen doch dazu gerne zu zeigen, was sie erreicht haben.“ In einem ausgewogenen und global aufgestellten Portfolio sei sicherlich auch Platz für Investments aus dem Luxusgüter-Segment.


Von der Preissetzungsmacht profitieren

Auch Reyl sieht immer noch Chancen für Investoren. „Die hohe Preissetzungsmacht und die Qualität der Premium-Marken bieten Anlegern, die steigende Zinsen und Inflation befürchten, einen relativen Schutz“, so die Pictet-Fondsmanagerin. „Es wird erwartet, dass die Bewertungen nach oben korrigiert werden, da die Premium-Marken weiterhin die Konsensschätzungen übertreffen und wir uns auf das vierte Quartal zubewegen, welches naturgemäß eine Hochsaison für den Konsum darstellt.“ Interessant seien für Investoren ausgewählte Luxusmarken, Kosmetika, Lebensmittel und Getränke, die alle von der Wiedereröffnung profitieren. „Zudem gibt es in diesen Bereichen relativ wenige Einschränkungen in den Lieferketten im Gegensatz zu Sportartikeln und Segmenten, die auf das typischerweise stabilere, obere Ende des Verbraucherspektrums ausgerichtet sind“, erklärt Reyl.

DJE-Experte nennt konkrete Beispiele aus dem Segment der besonders gefragten Lederwaren. Hermès sei eine der angesehensten Marken in diesem Segment. „Das französische Familienunternehmen ist in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 12,5 Prozent beim Umsatz beziehungsweise 15 Prozent beim Gewinn gewachsen“, sagt Ernst. Auch von der Corona-Krise konnte sich der Luxusgüter-Anbieter schnell erholen. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2021 sei um 77 Prozent gestiegen und habe damit 33 Prozent höher als im Vorkrisenjahr 2019 gelegen. „Aber nicht nur die Produkte des Luxuslabels sind besonders hochpreisig, sondern auch die Aktie ist mit einer PE von 63 für das laufende Jahr recht hoch bewertet, genoss aber historisch immer eine hohe Prämie im Sektor und unterstreicht somit den Stellenwert von Marken im Luxussegment“, ergänzt der DJE-Experte. Auch beim französischen Luxusgüter-Konzern LVMH entwickelt sich das Lederwarensegment sehr gut, vor allem die Marken Louis Vuitton und Christian Dior werden weiter stark nachgefragt. „Wesentliches Merkmal von Hermès und LVMH ist, dass beide ihre Waren fast ausschließlich über eigene Verkaufskanäle vertreiben“, so Ernst. „So hat man zu jeder Zeit eine hundertprozentige Kontrolle über den Preis und kann auch in Krisenzeiten sicherstellen, dass die Marken durch Rabatte keinen Reputationsschaden erleiden.“


Diversifizierung durch Marken-Übernahmen

Auch die Schmucknachfrage ist weiterhin stark. Hier ist Cartier mit einem Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro der mit Abstand größte Anbieter. „Produkte wie das ‚Love Bracelet‘ oder der ‚Trinity‘-Ring haben Kultstatus und verkaufen sich weltweit so gut, dass Cartier mittlerweile fast doppelt so viel Umsatz generiert wie Tiffany, die vor 20 Jahren noch gleichauf lagen“, sagt der DJE-Experte. „Zusammen mit Van Cleefs & Arpels macht Schmuck mittlerweile nahezu den gesamten Gewinn im Richemont-Konzern aus.“ Der Umsatz sei im jüngsten Quartal um 142 Prozent zum Vorjahr gestiegen und habe 35 Prozent über dem Vorkrisenjahr 2019 gelegen. Auch LVMH hat Schmuck für sich entdeckt und kaufte in diesem Segment 2011 Bulgari für 4,3 Milliarden Euro sowie 2019 Tiffany für 15,8 Milliarden US-Dollar. Die Swatch-Gruppe erwarb 2013 den US-Edeljuwelier Harry Winston für eine Milliarden US-Dollar.

„Neben den genannten Luxusmarken aus den Bereichen Lederwaren, Schmuck und Uhren gibt es einige kleinere interessante Markenanbieter, die sich meist auf ein bestimmtes Produkt oder Segment fokussiert haben. Diese sind vor allem als möglicher Übernahmekandidat interessant“, so Ernst. „Immer mal wieder kam es zum Beispiel zu Übernahmespekulationen bezüglich Burberry.“ Außerdem nennt er Moncler, mit hoher Nachfrage an hochwertigen Daunenjacken und Burberry, bekannt für seine Schals mit dem markanten Muster.


Luxusnachfrage relativ stabil

Eine spannende Branche, aber natürlich nicht ohne Risiken. „Verliert die globale Wirtschaft wieder an Schwung, dürften sich auch viele Verbraucher mit ihren Ausgaben wieder zurückhalten und somit auch die Nachfrage nach Luxusgütern schrumpfen lassen“, sagt Laureus-Experte Aliti. „Wie sehr eine an Fahrt verlierende Weltwirtschaft den Luxusgüter-Markt belasten würde, ist aber von zahlreichen weiteren Parametern abhängig – wie etwa die Entwicklung des Geldvermögens der besser betuchten Bevölkerungsschichten – und daher nicht seriös zu prognostizieren.“ Der Luxussektor hat sich dank stetig steigender Nachfrage aus Asien in den letzten Jahren überdurchschnittlich gut entwickelt. „Hier bleibt abzuwarten, inwiefern sich die jüngsten stärkeren regulatorischen Eingriffe seitens der chinesischen Regierung sowie das nachlassende Wachstum negativ auf den Markt für Luxusgüter auswirken“, gibt DJE-Experte Ernst zu bedenken. „In der Regel ist die Nachfrage nach Luxusartikeln relativ unelastisch, daher dürfte dies erst bei härteren Maßnahmen wie etwa der Einführung einer Luxussteuer zum Tragen kommen.“ Er ist überzeugt: Langfristig werden sich die erfolgreich wachsenden Luxuskonzerne mit ihren weltweit gut etablierten und renommierten Marken auf dem Markt behaupten.

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