Machtverlust: Elon Musk ist nicht länger Präsident von Tesla

Der Hersteller von Elektrofahrzeugen Tesla und die US-Börsenaufsicht SEC haben am 29. September 2018 ihren Streit über die Tweets von Elon Musk beigelegt. Das Unternehmen Tesla und sein Präsident Elon Musk zahlten im Rahmen eines Vergleichs mit der US-Börsenaufsicht beide jeweils 20 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig tritt Musk als Präsident von Tesla zurück, zunächst allerdings nur für die kommenden drei Jahre. Den Vorstandsvorsitz und die Geschäftsführung, beide Positionen vereint ein CEO in den USA, behält Musk aber noch bei. 

Die Einreichung der Klage wegen Wertpapierbetrugs war nur zwei Tage zuvor am 29. September erfolgt. Daraufhin brach die Tesla-Aktie sofort um etwa zwölf Prozent ein. Die Rechtsgültigkeit des Vergleichs muss allerdings noch gerichtlich bestätigt werden. Sie ist zudem mit bestimmten Reformen bei Tesla verknüpft. Die „Washington Post“ und der Sender CNBC berichteten, dass das Unternehmen Tesla nun unter anderem zwei unabhängige Direktoren in den Verwaltungsrat berufen muss. 

 

Warum war Musks Tweet 20 Millionen wert?

Der Vorwurf der Anklage der SEC vor dem US-Bundesgericht Manhattan in Bezug auf Musks Tweet von Anfang August zielte in die Richtung, dass Musk irreführende und falsche Twitter-Nachrichten über einen geplanten Rückzug von der Börse veröffentlicht habe. Musks sehr überraschende Ankündigung per Mediendenst lautete, dass er Tesla wahrscheinlich von der Börse nehmen möchte, und zwar bei einem Kurs von 420 Dollar pro Anteilsschein. 

Börsennotierte Unternehmen verbreiten ihre Nachrichten, die eigentlich immer mit Auswirkungen auf den Aktienkurs verbunden sind, als Pflichtmitteilungen außerhalb der Handelszeiten. Diese sogenannten „regulatory filings“ sind an gewisse Regeln gebunden. Musks Tweet-Ankündigung hat daher für ordentlich Wirbel gesorgt, sodass der Handel der Tesla-Aktien an der New Yorker Börse zeitweise ausgesetzt werden musste. Dann ruderte Musk nach 14 Tagen zurück und revidierte seine Aussage. Musk schien wohl wirklich ziemlich verblüfft zu sein über die Klage, gerade weil er davon ausgeht, stets im Sinne von Transparenz, der Wahrheit und auch der Investoren zu agieren. 

So schmerzlich die Strafe auch zu sein scheint, eigentlich kommt Elon Musk in dieser Sache mit einem blauen Auge davon. Tatsächlich stand für Musk viel mehr auf dem Spiel. Anleger in die Irre zu führen, ist kein Kavaliersdelikt, schon gar nicht in den USA. Daher wollte die Börsenaufsicht zunächst durchsetzen, dass Musk lebenslänglich aus den Chefetagen von börsennotierten US-Unternehmen verbannt wird. Schließlich kam die SEC zu dem Ergebnis, dass Musk sehr wohl mit potenziellen Investoren über einen Börsenrückzug gesprochen habe, aber diese Gespräche seien noch sehr unkonkret gewesen. Von dem Anteilspreis bei 420 Dollar war absolut keine Rede gewesen. 

Dennoch interpretierten viele Anleger Musks Tweets als beschlossene Sache und orderten daraufhin Tesla-Aktien zu überhöhten Kursen. Dies komme nach Ansicht der SEC einem Betrug der Anleger gleich. Die insgesamt 40 Millionen Dollar Strafe sollen nun den „geprellten“ Anlegern zugutekommen. Die SEC sieht ihre Aufgabe offenbar darin, das mit dem Aktienhandel schon immer verbundene Risiko abzuschaffen. Musk und das Unternehmen Tesla gaben die Vorwürfe jedenfalls nicht zu, wiesen sie aber auch nicht zurück. Auf jeden Fall ist die Klage durch die erzielte Einigung erst einmal vom Tisch. 

 

Noch nicht das Ende 

Musks Einfluss bei Tesla ist durch den Vorfall sicherlich geschwächt worden. Der Verwaltungsrat des Unternehmens stand bislang fest hinter Musk, obwohl der Milliardär für seine ziemlich waghalsigen Projekte bekannt ist. Nun wird Musk im Verwaltungsrat erst mal durch einen unabhängigen Vorsitzenden ersetzt, außerdem wird das Gremium durch zwei neue unabhängige Mitglieder, die ausdrücklich nicht von Großaktionären gestellt werden, erweitert. Die Kommunikation von Musk mit den Investoren wird auf Anordnung der SEC zukünftig mehr überwacht werden. 

Trotz allem können sich für Musk noch weitere unangenehme Folgen seiner Tweets ergeben. Glaubt man einigen Zeitungsberichten, führt das amerikanische Justizministerium zurzeit eigene Untersuchungen durch, deren Ergebnisse zur Eröffnung eines Strafermittlungsverfahrens führen können. Irgendwie scheint der Wurm drin zu sein bei Tesla, denn gerade Anfang September haben gleich mehrere Topmanager, so zum Beispiel die Kommunikationschefin Sarah O'Brien, das Unternehmen verlassen.