„Man bräuchte auf Nachhaltigkeit spezialisierte ETF-Anbieter“

Mirko Hajek, Portfoliomanager bei RP Rheinische Portfolio Management, spricht über neue Trends in der nachhaltigen Geldanlage, warnt vor Marketing-Fallen und erklärt, was er von einem nachhaltigen Fonds erwartet.

Hat sich das Thema Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage etabliert?
Mirko Hajek: Es gibt mittlerweile eine breite Durchdringung. Heute beschäftigt sich so gut wie jede Fondsgesellschaft mit Nachhaltigkeit. Größere Gesellschaften haben sich häufig sogar schon eigene spezialisierte Teams und Abteilungen zugelegt. Gerade in den letzten Monaten scheint das Thema aber nochmal an Dynamik gewonnen zu haben. Ich erinnere mich an eine Vertriebsveranstaltung in der ersten Jahreshälfte. Dort waren wir die einzigen, die über Nachhaltigkeit sprachen, andere Asset Manager stellten eher klassische Strategien vor. Jetzt haben einige davon ebenfalls das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund gerückt. Das zeigt, dass sich viel bewegt. Aber man sollte als Anleger auch genau hinschauen.

 

Worauf müssen Anleger schauen?
Hajek: Man muss die Produkte und ihre Strategie unter die Lupe nehmen. Nachhaltigkeit hat sich zu einem beliebten Marketinginstrument entwickelt. Nicht überall wo Nachhaltigkeit draufsteht, ist auch wirklich Nachhaltigkeit drin. Viele machen sich zunächst einmal erste Gedanken, schreiben ein Rahmenwerk, wie sie sich verhalten wollen. Eine tatsächliche Umsetzung ist aber häufig noch gar nicht erkennbar. Es reicht nicht, wenn eine Gesellschaft ein Nachhaltigkeitskonzept hat, dies aber in keinem Produkt voll umsetzt.

 

Was treibt den Nachhaltigkeitstrend an?
Hajek: Zum einen kommt von der Regulierungsseite mehr Druck, sowohl für Unternehmen als auch für Asset Manager und institutionelle Investoren. Zum anderen schaffen Initiativen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion ein hohes Klima-Bewusstsein in der Bevölkerung. Darüber hinaus geben immer mehr Großanleger bekannt, dass sie zum Beispiel verstärkt ESG-Kriterien berücksichtigen oder sich komplett von Investments in fossilen Energieträgern verabschieden. Das regt dann wiederum andere an, über eine ähnliche Vorgehensweise nachzudenken.

 

Der Trend zur Nachhaltigkeit besteht ja schon etwas länger. Beobachten Sie Trends im Trend?
Hajek: Der kriterienbasierte ESG-Ansatz hat sich weitgehend etabliert. Mehrere spezialisierte Research-Unternehmen bieten entsprechende Daten und Bewertungen von Unternehmen an, die auf einer Vielzahl von ökologischen, sozialen und Governance-Kriterien basieren. Asset Manager nutzen diese gern als Basis für ihre Strategien. Ein neuer, gerade erst aufkommender Trend in der nachhaltigen Kapitalanlage sind die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die sogenannten SDGs. Erste Fonds beginnen, sich daran zu orientieren. Diese Entwicklung ist grundsätzlich zu begrüßen, aber auch diese „neue Mode“ ist nur mit angemessener  Vorsicht zu genießen.

 

Ebenfalls ein gefundenes Fressen fürs Marketing?
Hajek: Ja, das Kürzel ESG wirkt durch die mediale Omnipräsenz manchmal schon etwas abgenutzt. SDG klingt da erst einmal neuer und frischer, das macht noch nicht jeder. Hinzu kommt, dass es leicht umsetzbar ist, weil zum Teil nur geschaut wird, ob der Geschäftszweck eines Unternehmens einem der 17 Nachhaltigkeitsziele zugeordnet werden kann. Die viel aufwändigere ESG-Betrachtung des gesamten Unternehmens fällt dann schnell unter den Tisch. Nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Das kommt so manchem Fondsanbieter sicherlich entgegen, hat aber unseres Erachtens teilweise nicht mehr viel mit nachhaltiger Geldanlage zu tun.

 

RP bietet zwei fondsbasierte nachhaltige Strategien an. Was ist Ihnen bei der Fondsauswahl hinsichtlich des Nachhaltigkeitsaspekts wichtig?
Hajek: Bei unserer offensiven Strategie investieren wir ausschließlich in nachhaltige, global aufgestellte Aktien-ETFs. Wir bieten diese Strategie seit August auch als Dachfonds an. Mit dem Kölner Nachhaltigkeitsfonds haben wir ein wirklich nachhaltiges Basisinvestment im Aktienbereich geschaffen. Den ETFs liegen in der Regel Indizes zugrunde, die Unternehmen mit guten ESG-Bewertungen vereinen. Indizes, die nur ein paar Ausschlusskriterien umsetzen, würden uns nicht als Grundlage für die Auswahl eines ETFs genügen.
Bei unserer flexiblen Strategie setzen wir auf aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds, sowohl mit Aktien- als auch vermögensverwaltendem Ansatz. Hier reicht es uns nicht, wenn sich ein Fonds einfach nur die ESG-Scores externer Datenlieferanten einkauft. Wir erwarten glaubhafte Bemühungen der Gesellschaft, das Thema Nachhaltigkeit aktiv umzusetzen, etwa eigene Bewertungsmodelle oder eine spezielle Anlagephilosophie. Sonst könnte man ja auch einfach einen kostengünstigeren ETF wählen. Zudem ist uns wichtig, dass die Fondsmanager aktives Engagement betreiben, sich also mit den Unternehmen und ihrem Management auseinandersetzen und wenn es unschöne Entwicklungen gibt, auf Veränderungen pochen.

 

Sehen Sie auch Engagement-Ansätze bei ETF-Anbietern?
Hajek: Hier gibt es einige sehr spannende Entwicklungen zu beobachten. Zwar ist der Markt für nachhaltige ETFs noch sehr klein, er macht vielleicht zwei bis drei Prozent des ETF-Gesamtmarkts aus. Große Unternehmen dürfte es kaum schocken, wenn sie aus einem ESG-ETF fliegen, weil sie bestimmte Ansprüche nicht erfüllen. Zudem haben gerade große ETF-Anbieter einen Interessenskonflikt. So müssten sie auf einer Hauptversammlung, wenn sie die ESG-Brille aufhaben, eventuell gegen eine bestimmte Maßnahme stimmen, die für die Mehrheit der nichtnachhaltigen Investoren wirtschaftlich attraktiv ist  Auf der anderen Seite hat sich mit BlackRock der größte Anbieter von ETFs und aktiven Fonds dafür entschieden, Unternehmen verstärkt für einen besseren Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken zu sensibilisieren. Diese moderate Form des Engagements ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber natürlich nicht ausreichend. Was man zusätzlich bräuchte, wären unabhängige, auf Nachhaltigkeit spezialisierte ETF-Anbieter, die mit ihren stark wachsenden Fonds konsequent Einfluss nehmen, wie wir das aus dem aktiven Bereich kennen. Das sehen wir im ETF-Markt aber bisher leider noch nicht.

 

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