Man spielt nicht mit dem Essen!

Aktien von Nahrungsmittelunternehmen spalten die Anlegerschaft. Für die einen gelten die globalen Konzerne als dividendenstarke Geldanlage. Für die anderen sind sie ein rotes Tuch und der Inbegriff von Ausbeutung. Wo liegt die Wahrheit? Und wie können sich Anleger positionieren?

Es sind wunderbare Kindheitserinnerungen, wie das Fotoalbum beweist: mit beiden Händen in den Nudelteller zu greifen oder aus Käsewürfeln wackelige Konstrukte aufzutürmen. Eltern quittieren das für gewöhnlich, dass „mit dem Essen nicht gespielt wird“. Gut so, denn diese Ernsthaftigkeit findet sich auch später in der Vermögensanlage wieder. Es geht um Aktien von Nahrungsmittelunternehmen.

Das Businessmodell der Nahrungsmittel-Konzerne reicht von der Herstellung, Produktion bis zum Vertrieb. Getreu dem Motto „Gegessen und getrunken wird immer“ eilt Ihnen der Ruf voraus, dass sie ein ideales Investment für defensive Anleger sind, deren Kursverlauf stabil und Dividendenrendite zuverlässig hoch ist. Der französische Nahrungsmittelgigant Danone ist ein exemplarisches Beispiel dafür. Außerdem erschließt sich das Geschäftsmodell von Nahrungsmittelherstellern auch Aktienlaien. Mit ihren Marken (Brands) erreichen Nahrungsmittel einen hohen Bekanntheitsgrad und eine starke Durchdringung. Ich behaupte, dass jeder von uns schon einmal eines der zahlreichen Milchprodukte von Danone gegessen hat.

Auf der anderen Seite gibt es auch große Vorbehalte. Die Hauptkritik an den Konzernen richtet sich an deren Marktmacht, die sie besitzen und die sie zu nutzen wissen. Der Skandal um die Wasserquellen im französischen Ort Vittel, die von Nestlé gezapft werden, ist ein Beispiel. Als anderes Beispiel gilt die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen oder der Überzuckerung von Produkten.

Wie bei jeder Investmententscheidung muss sich jeder Anleger fragen, welches Anlageziel er verfolgen möchte oder was ihm besonders wichtig und lohnenswert erscheint. Am Ende geht es um eine nachhaltige Sicherung Ihres Vermögens, in den allermeisten Fällen ist sie ein Teil der eigenen Altersvorsorge. Glücklicherweise bietet ihm der Bereich der Lebensmittel-Produzenten auch zukunftsweisende Alternativen und Anlagemöglichkeiten, wie das junge Unternehmen Beyond Meat beweist. Das kalifornische Unternehmen stellt vegane Fleischersatzprodukte her und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung unserer Klimabilanz. Die fleischlose Variante wird mit 99% weniger Wasser und 90% weniger CO2 produziert als echtes Rindfleisch (Quelle: FAZ, 13.06.2019). Zudem gibt es zahlreiche Investmentfonds, die einzelne, marktbeherrschende Unternehmen aus dem Lebensmittelsektor als Investment ausschließen, den Sektor nur ganz gezielt besetzen und von Agrarspekulationen ganz generell Abstand nehmen. Denn wie gesagt, mit Essen spielt man nicht.