MasterCard: "The undisruptable" auf dem Payment-Markt

Seit einigen Wochen berichten wir nun bereits auf CAPinside über die großen Player auf dem Payment Markt. In unserem ersten Artikel aus dieser Beitragsreihe sind wir bereits darauf eingegangen, warum mit MasterCard und Visa zwei Unternehmen auf diesem Markt als kaum "disruptable" gelten.

Heute möchten wir Ihnen mit MasterCard einen Portfoliowert des Digital Leaders Fund (DLF) näher vorstellen.

 

Die Historie von MasterCard

Die Ursprünge des Unternehmens gehen zurück auf die Interbank Card Association, welche 1966 von kalifornischen Banken gegründet wurde als Antwort auf Visa (damals BankAmericard) der Bank of America.

Das Netzwerk wurde zügig auch international erweitert und kümmerte sich damals schon um übergreifende Aufgaben wie Autorisierung, Abwicklung, Sicherheit, der Festlegung von Standards und auch der Vermarktung der Kreditkarte.

Das Kreditkartenschema mit den beteiligten Parteien hat bis heute Bestand.

Nur die zugrundeliegende Technologie wurde stets erweitert.

Den Bankern war damals schon klar, dass man möglichst viele Banken und möglichst viele Händler gewinnen musste, um ein dauerhaft lukratives Geschäft aufzubauen.

Wenn also die Welt dieser Tage immer mehr über Plattformen und Netzwerkeffekte redet, dann waren MasterCard und Visa schon lange ihrer Zeit voraus.

Denn beide Unternehmen “plattformen” schon seit über 60 Jahren.

Wenige Unternehmen waren so gut vorbereitet für das Internet und die mobilen Endgeräte wie diese beiden.

 

Die Erfolgsstory von MasterCard nach dem IPO

Mit dem Börsengang im Jahr 2006 wurde MasterCard aus dem kollektiven Besitz von Banken in die Unabhängigkeit entlassen.

Der Initialpreis lag damals bei 3,90 USD (eigentlich 39 USD, doch 2014 gab es einen 10 zu 1 Aktiensplit) und somit kam das Unternehmen auf einen Börsenwert von circa 5 Milliarden USD.

Heute ist das Unternehmen 230 Milliarden USD wert.

Eine Zeichnung von MasterCard-Aktien war sogar gewinnbringender als zwei Jahre zuvor in Google investiert zu haben.

In der gleichen Zeit hat das Unternehmen den Umsatz um Faktor 4 und den Gewinn um Faktor 17 steigern können. Der enorme Anstieg seit IPO zeigt sich auch im Chart der MasterCard Aktie seit 2006:

 

Seit IPO im Jahr 2006 ist die MasterCard Aktie um das 46-fache gestiegen (die Alphabet Aktie seit IPO im Vergleich "nur" um das 31-fache).

 

MasterCard und Visa verdienen immer dann Geld, wenn Zahlungen über Kreditkarten erfolgen.

Zinsänderungsrisiken und Bonitätsrisiken spielen für das Unternehmen keine Rolle (im Unterschied zu Banken und auch American Express).

Das Unternehmen hat ein maximal skalierbares Geschäftsmodell und benötigt als global Player nur circa 17.000 Mitarbeiter.

Zum Vergleich dazu beschäftigt der IT-Dienstleister und Digitalisierungsgewinner Accenture 460.000 Mitarbeiter.

Und da die Kosten überschaubar sind, erwirtschaftet das Unternehmen eine operative Marge von über 55 Prozent.

Dadurch können 40 Prozent des Umsatzes als frei werdender Cash-flow investiert oder an die Aktionäre zurückgegeben werden.

Und das geschah in den vergangenen Jahren immer mehr in Form des Rückkaufs eigener Aktien.

Mit einem KGV von circa 40 (bezogen auf die Gewinne 2018) ist das Unternehmen natürlich alles andere als preiswert.

Doch der größte Konkurrent ist laut eigener Angabe immer noch Bargeld. Kann man sich ein besseres Umfeld wünschen?

 

Disruption bei MasterCard und Visa?

Unweigerlich zwingt sich die Frage auf: Wie kann es sein, dass Finanzdienstleister und die “alten” Technologieunternehmen (IBM, Oracle und Co.) in den letzten Jahren massiv verdrängt wurden, aber ausgerechnet nicht die zwei Unternehmen, die eine Mixtur aus beidem sind.

Die Antwortet darauf lautet: Moat and Wall.

Warren Buffet hat den Terminus economic moat (“wirtschaftlicher Wallgraben”) geprägt.

Und der Wallgraben von MasterCard ist die schier unglaubliche Anzahl von über 47 Millionen Unternehmen weltweit, die die Karte als Bezahlmedium akzeptieren.

MasterCard ist in 210 Ländern akzeptiert. Das ist eine größere regionale Durchdringung als Coca Cola es vorweisen kann.

 

Unglaubliche Marktdurchdringung: MasterCard ist praktisch in jeder Hosentasche vertreten

 

Issuing als Verteidigungsmauer von MasterCard

Eine Armada von Finanzinstituten weltweit kümmert sich um die Gewinnung von Endkunden und dabei verdienen alle kräftig mit.

Dazu kommt ein komplexes Netzwerk an Regeln und Standards, die von den Kartenunternehmen kontrolliert werden.

Um MasterCard zu disrupten, muss ein Herausforderer beide Verteidigungslinien nehmen können; ein nahezu unmögliches Unterfangen.

Amazon, Google, Apple, alle nutzen die bestehende Infrastruktur der Kreditkartenunternehmen.

Mancher mag in der Kooperationsbereitschaft der IT-Riesen trojanische Pferde erkennen, doch Amazon beispielsweise müsste eine ähnliche Anzahl von Händlern und Endkunden gewinnen, um MasterCard und Visa den Kampf anzusagen.

Regional hat es Alibaba in China vorgemacht.

Wir halten das allerdings global derzeit für utopisch.

Zudem gelingt es MasterCard sehr geschickt, die neuen Herausforderer mit großzügiger Incentivierung zu umklammern.

Ob Square, Stripe, Paypal oder die Tochter Venmo, alle kooperieren mit MasterCard.

Kriege führen mögen andere, MasterCard umgarnt lieber.

Dabei hat man auch manches den Paytech-Unternehmen abkupfern können.

So zum Beispiel, dass Technologie nicht alles ist, sondern manchmal die Nutzererfahrung entscheidet. Diese Lektion hat Paypal MasterCard erteilt.

Mit Masterpass - der digitalen Bezahllösung von Mastercard - kann der Kunde nun auch schlicht mit Email-Adresse und Passwort zahlen. Anstatt mit einer Zahlenreihe, die sich kein Mensch merken kann.

 

Fazit

Der Kreditkartenmarkt ist einer der großen Gewinner des Onlinehandels und des Trends zum bargeldlosen Bezahlen.

Banken, Acquirer, Digital Giants und Fintechs leisten sich dabei einen unerbittlichen Kampf um Marktanteile.

Nur das Duopol MasterCard und Visa verdient immer mit.

Die größten Konkurrenten sind Bargeld und Regulierung.

Ersteres leidet unter Schwundsucht, letzterem mangelt es an globaler Durchgriffsmacht.

Diese einzigartige Ausgangslage rechtfertigt immer noch die hohe Bewertung von MasterCard.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet der Valuepapst Warren Buffet ein Fan der MasterCard Aktie ist.

MasterCard ist seit Start im Portfolio des Digital Leaders Fund und wir halten die Bewertung für weiterhin attraktiv.