Matratzen-Hype vorbei? Bei vielen Start-ups herrsche bereits eine „Endzeitstimmung“

Ihre Namen sind Emma, Eve, Felix, Paul oder Casper und ihr Versprechen sind revolutionäre Matratzen. Schon seit mehreren Jahren erleben Schlafunterlagen aus dem World Wide Web, die auf Basis des One-size-fits-all-Konzepts funktionieren, einen enormen Boom. In weiterer Folge wurden in Berlin mehrere Start-ups gegründet - so etwa Bruno, Muun, Smood oder Snooze-Project. Das Vorbild? Casper. Das amerikanische Unternehmen hat nicht nur prominente Unterstützer, sondern auch Risikokapitalgeber, die bereits über 250.000 US-Dollar investiert haben. Die Folge? Casper-Klone, die der Meinung waren, Matratzen brauche nur einen lustigen Vornamen.

Der Hype scheint nun aber wieder Geschichte zu sein. So meldete Muun beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz an. Selbst die Unterstützung von Mister Spex, dem Online-Brillenhändler, hat nicht dafür gesorgt, dass das Geschäft so läuft, wie man sich das von Anfang an vorgestellt hat. „Die Wettbewerbslage ist intensiv. Es geht jetzt um die strategische Neuausrichtung“, so die Gründer des Start-ups. Nachdem es mit Partnern aus der Industrie zu keiner Kooperation kam, sind nun andere Gespräche mit Investoren geplant. „Man kann schon von einer Endzeitstimmung reden“, so das Fachportal „Deutsche Startups“, die zuerst von der Insolvenz des Start-ups Muun berichteten. Auch der britische Anbieter Eve, der von Ex-Zalando und Ex-Rocket Internet-Manager ins Leben gerufen wurde, nimmt für Deutschland keine Bestellungen mehr entgegen. Ging das Start-up im letzten Jahr noch an die Börse, so folgte im Frühjahr der Absturz von über 120 Pfund auf 20 Pfund. Sind Eve und Muun nur zwei Sonderfälle oder kann wirklich vom Ende des Matratzen-Hypes gesprochen werden?

 

Unverhältnismäßige Marketingausgaben sind wohl der Grund für die finanziellen Schwierigkeiten

Experten sind der Meinung, die Marketingausgaben der Start-ups seien unverhältnismäßig. Man sei „von einer übertriebenen Hoffnung“ getrieben, „zur großen Markenbekanntheit“ zu werden. Eve kann hier als bestes Beispiel herangezogen werden - im letzten Jahr gab das Start-up - im Durchschnitt - um die 27 Euro für jeden Kunden aus. Eine durchaus enorme Investition, vor allem wenn man den Hintergrund bedenkt, dass durchschnittlich nur alle acht Jahre eine Matratze für das Bett gekauft wird. Ein Grund, warum Start-ups immer mehr Zusatzprodukte anbieten - so gibt es Schlafanzüge, Betten und auch Kissen. Auch Bruno erweiterte die Produktpalette - wie hoch der Anteil der Zusatzangebote aber bezüglich des Umsatzes ist, darüber will man keine Auskunft erteilen.


Bett1 scheint alles richtig zu machen

Während Snooze-Project im letzten Jahr einen Umsatz von unter einer Million Euro verbuchen musste, kletterte Bruno auf einen Umsatz von 5 Millionen Euro. Trotz des enormen Unterschiedes gaben beide Unternehmen an, sie würden - zumindest nach eigenen Angaben - profitabel wirtschaften. Das könnte man auch von Bett1 behaupten - hier lag der Umsatz im letzten Jahr bei über 120 Millionen Euro. Somit konnten die Einnahmen verdreifacht werden. „Wir profitieren von der Tatsache, dass wir laut Stiftung Wahrentest die beste Matratze im Sortiment haben“, so Adam Szpyt, der Gründer des Start-ups. Zudem wird extrem viel Geld in Werbemaßnahmen gesteckt - 2017 waren es 20 Millionen Euro, die in TV-Spots gesteckt wurden. Die meisten Spots wurden während der Fußball-Weltmeisterschaft geschaltet.