Mehr als Vermögensmanagement: Mit dem Family Office Wohltätigkeit und Philanthropie fördern

Family Offices melden einen größer werdenden Beratungsbedarf aus nicht-finanziellen Bereichen, etwa die Umsetzung von gemeinnützigen Projekten.

Das Family Office ist Schnittstelle zwischen Familie und Asset Management, Kontrollinstanz für Vermögensverwaltungsdienstleistungen, ausgelagerte Finanzabteilung, Vehikel für Transaktionen und Direktinvestment und Basis für das Beraternetzwerk aus Steuern, Recht, Wirtschaftsprüfung und Strategie. So weit, so gut. Aber das Family Office ist mehr als das, in den vergangenen Jahren hat sich ein größer werdender Beratungsbedarf aus anderen Bereichen herausgestellt.

Dafür hat der Düsseldorfer Berater Dr. Jörg Eickhoff den Begriff des „LifeConsulting“ eingeführt und fasst darunter die drei großen thematischen Blöcke „Arbeit und Freizeit“, „Gesellschaft und Familie“ und „Sinn und Gesundheit“. Sein Ansatz: Menschen Orientierung für ihr Leben und für die im Augenblick in ihrem Leben zentralen Fragestellungen zu liefern und sie intensiv dabei zu begleiten. Als Kernaspekt sei dabei die Frage entscheidend: was hilft dem Kunden, ein besseres Leben zu führen? Besser meint laut Jörg Eickhoff übrigens „glücklicher, leichter, erfüllter, harmonischer, wissender, ausgeglichener“.


Persönliche Veränderungsprozesse begleiten

Wie Eickhoff in einem Aufsatz zum Thema „LifeConsulting“ im Sammelband „Family Office Management – Finanzdienstleistung und ganzheitliche Beratung im Generationenverbund“ schreibt, habe diese Beratungsidee die Aufgabe, „Kunden im professionellen, methodisch geführten Gespräch dabei zu unterstützen, ihre eigene Wahlfreiheit in ihren Möglichkeiten wahrzunehmen und zu gestalten. Das stellt besondere Anforderungen an den Berater und dessen Persönlichkeit. Es geht nicht nur um den quasi allwissenden Experten mit einem Werkzeugkoffer immer passender Methoden; sondern der Berater wird immer wieder neu gefordert, gemeinsam mit dem Kunden im partnerschaftlichen Dialog ein zielgerichtetes Gespräch auf Augenhöhe zu führen und gemeinsam Schritte und Lösungen zu entwickeln. Der LifeConsulting-Berater ist ein professioneller Begleiter für die Veränderungsprozesse seines Kunden.“ Dabei stehen für Jörg Eickhoff die Schlagworte „Ermutigung“, „Veränderung“ und „Entwicklung“ im Fokus, um die Lebensqualität des Vermögensinhabers zu verbessern – weit über finanzielle, rechtliche und steuerliche Themen hinaus.

Um solche Begrifflichkeiten wie Veränderung und Entwicklung geht es auch bei einem Thema, das seit einigen Jahren gerade auch in Deutschland mehr und mehr an Bedeutung zulegt, nämlich Wohltätigkeit und Philanthropie. Oftmals werden solche Vorhaben über eine gemeinnützige Stiftung durchgeführt. Die Stiftung von Bill und Melinda Gates als eines der bekanntesten Beispiele gab dem „Global Philanthropy Report“ zufolge in den Jahren 2013 bis 2015 allein für Entwicklungshilfe fast so viel Geld aus wie alle anderen 142 für die Studie untersuchten Organisationen zusammen.


Philanthropie als Herausforderung

Dabei können auch Family Office für vermögende Familien, die sich wohltätig beziehungsweise philanthropisch engagieren wollen, eine beratende Funktion übernehmen. Wie der Family Office-Advisor Foss aus der Schweiz sagt, können diese Einheiten beispielsweise nachverfolgen, ob die gespendeten Gelder tatsächlich ihren ursprünglichen Bestimmungszweck erfüllen, oder auch dabei beraten, eine gemeinnützige Stiftung zu gründen. Die Experten betonen auch, dass gerade die Philanthropie durchaus eine Herausforderung sein könne und dass Family Offices über entsprechende Erfahrung verfügen sollten, um diese Projekte sinnvoll zu begleiten. Es sei etwas völlig anderes, ein Anlageportfolio zu betreuen als zum Beispiel in einem Land der Dritten Welt ein nachhaltig erfolgreiches philanthropisches Projekt aufzubauen. Das Family Office müsse in diesem Kontext beispielsweise in der Lage sein, eine langfristige Geberstrategie aufstellen zu können, interessante Projekte vorzustellen oder auch operativ zu unterstützen.

Kurzum bedeutet das laut Foss: Wenn das Family Office bei der Verwaltung und Überwachung der Projekte beziehungsweise bei der Suche nach einem passenden und vor allem vertrauenswürdigen philanthropischen Betätigungsfeld behilflich sein könne, sei das ein großer Vorteil für Vermögensinhaber.


Richtige Auswahl von Projekten

Die Weitläufig- und Vielfältigkeit des gemeinnützigen Marktes wird auch von Schomerus – Beratung für gesellschaftliches Engagement betont. „Es gibt unzählige Projekte von Organisationen im In- und Ausland. Die richtige Auswahl von Projekten oder die Entwicklung von eigenen Projekten erfordert einen umfangreichen Blick auf diesen Dritten Sektor.“ Philanthropie sei für viele vermögende Personen und Familien selbstverständlich, und jede Person, jede Familie und jeder Unternehmer habe individuelle Vorstellungen und Erwartungen an das gesellschaftliche Engagement. Daher müsse im Rahmen der Philanthropieberatung gemeinsam mit Privatpersonen, Unternehmen oder dem Family Office eine individuelle Strategie für das gesellschaftliche Engagement entwickelt werden.