Mehr Nachfrage nach Private Markets: Attraktive Chancen abseits der Börsen
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25.06.2021

Mehr Nachfrage nach Private Markets: Attraktive Chancen abseits der Börsen

Ob Infrastruktur, Immobilien, Private Debt oder Private Equity – das Produktangebot an interessanten außerbörslichen Vermögenswerten wächst stark. Neben institutionellen sollen jetzt auch verstärkt private Investoren Zugang zu den Private Markets bekommen.

Nun also auch BlackRock. Der weltgrößte Vermögensverwalter hat angekündigt, sein Engagement im Bereich der Private Markets deutlich auszubauen. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen würden sich immer mehr Investoren nach alternativen Renditequellen umschauen, begründet BlackRock sein Vorhaben und listet dabei folgende außerbörsliche Investments auf: Private Equity, Immobilien, Hedgefonds sowie Risikokapital.

Laut BlackRock ist der weltweite Markt für nicht-börsennotierte Anlagen, die damit auch nicht öffentlich für jedermann zugänglich sind, aktuell rund 10,7 Billionen Dollar groß, Tendenz stark steigend. Kein Wunder also, dass auch weitere große Player wie Schroders, Fidelity oder JP Morgan Asset Management in den vergangenen Wochen und Monaten vermeldeten, sich verstärkt im Private-Market-Segment engagieren zu wollen und dazu Kooperationen eingehen oder wie im Fall Schroders sogar eine neue Marke gründen.

„Private-Market-Investments in Immobilien, Infrastruktur, Private Equity und Private Debt haben in den vergangenen Jahren vor allem bei institutionellen Investoren stark an Bedeutung gewonnen“, merkt auch Michael Busack an, geschäftsführender Gesellschafter der Absolut Research GmbH in Hamburg und Herausgeber einer Vielzahl von Fachpublikationen für institutionelle Investoren. 


Weniger schwankungsanfällig

Für den Marktexperten liegen die Gründe für das gestiegene Interesse vor allem am anhaltenden Niedrigzinsumfeld sowie der hohen Volatilität der sogenannten Public Markets. „Die seit Jahren bis ins negative laufende Verzinsung aller Anleihen zwingen die Investoren zu anderen Investments, die zum einen eine positive Rendite, aber auch eine geringe Marktschwankung aufweisen. Das bieten die Anlagen in den Private Markets, weshalb der Trend sich verstärkt hat“, erläutert Busack. Zudem könnten hier große Volumen investiert werden, was für institutionelle Investoren ebenfalls wichtig sei.

Und nicht zuletzt sorgen auch strengere regulatorische Vorgaben dazu, dass Risiko-Assets wie Aktien insbesondere für Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen zunehmend unattraktiver werden. Sie suchen deshalb abseits der Börsen nach Strategien und Produkte, die bei vergleichbaren Chance-Rendite-Profilen einen attraktiven Mehrwert liefern.


Überdurchschnittliche Rendite als Ziel

Diesen Shift weg von den Listed Markets hin zu den Privatmärkten unterstreicht eine aktuelle Studie von Adams Street. Demnach planen 85 Prozent der befragten institutionellen Anleger, ihre Investments im außerbörslichen Bereich im laufenden Jahr auszuweiten, 70 Prozent wollen zusätzliche Manger engagieren. Grund seien die guten Diversifikationseffekte, die geringe Volatilität sowie die Erwartung, dass private Märkte in der Lage sind, im Vergleich zu öffentlichen Märkten überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte der Bundesverband Alternative Investments (BAI) in seiner Investor Survey 2020 veröffentlicht, dass Private-Markets-Strategien zum Mainstream werden. Konkret zeigte sich in der Befragung von Versicherern, Pensionskassen, Versorgungswerken, dass der Großteil ihr Engagement in Real Estate, Private Equity, Infrastruktur oder Private Debt ausgebaut hat und dies auch weiter ausbauen will.

Auch Busack hat auf den starken Trend reagiert und sein Analyseangebot für institutionelle Anleger um „Absolut Private“ erweitert. Dahinter verbirgt sich zum einen eine neue Fachpublikation, zum anderen eine unabhängige Produkt- und Datenplattform für Private-Market-Investments. „Institutionelle Investoren benötigen mehr Transparenz für die Auswahl von Asset-Managern und Produkten im Bereich Private Markets“, begründet Busack die Lancierung der Datenplattform.


Private Anleger zunehmend im Fokus

Uneins sind sich die Experten jedoch darüber, ob sich die Privatmärkte auch für private Investoren eignen. Hohe Mindestanlagesummen, Lock-up-Perioden, die von den Fonds verlangt werden, sowie die Illiquidität von Privatmarkt-Investitionen generell waren in der Vergangenheit eine Einstiegshürde für Privatanleger. Während Vermögensverwalter wie BlackRock und Fidelity Produkte aus den Private Markets zunehmend interessant und sinnvoll für Privatanleger halten, ist Busack vorsichtig. „Private Investoren werden sicher auch angesprochen werden, jedoch nur zu wesentlich höheren Kosten, was entweder die Rendite verringern wird, oder höhere Risiken in Kauf genommen werden müssen. Ich bin skeptisch, was diese Entwicklung angeht.“

Immerhin hat die Europäische Union bereits 2015 mit dem sogenannten europäischen langfristige Investmentfonds, kurz ELTIF, einen Investitionsrahmen geschaffen. Mit Hilfe von European Long-Term Investment Funds sollen illiquide und nicht börsennotierte Kapitalanlagen für Privatanleger zugänglich werden, zum Beispiel Infrastruktur, Private Debt oder auch Sachwerte wie Windkraftanlagen. Bislang ist das Angebot allerdings trotz klarer Rahmenbedingungen überschaubar.

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