„Mister Makro“

In den vergangenen zwei Jahrzehnten erwarb sich Talib Sheikh den Ruf, einer der besten Multi-Asset-Manager zu sein. Im Februar 2018 wechselte er nach fast 20 Jahren von JP Morgan zu Jupiter Asset Management. Hier verrät er, warum er wechselte, was einen guten Multi-Asset-Manager auszeichnet und wie ein professioneller Investor mit schwierigen Situationen am Markt klar kommt.

Wenn es um erfolgreiche Geldanlage geht, belegen Studien immer wieder, dass es auf die Asset Allocation ankommt, also darauf im richtigen Moment in den richtigen Anlageklassen investiert zu sein. Eine Aufgabe, die Investmentexperte Talib Sheikh seit rund zwei Jahrzehnten übernimmt. Bevor er zu Jupiter wechselte, war er bei JP Morgan Asset Management maßgeblich am Aufbau und Wachstum des 2004 gegründeten Multi-Asset Solutions Teams beteiligt und verantwortete die Asset Allocation verschiedener Produkte wie Multi-Asset Income, Target Return und flexible, ausgewogene Mischfonds.

Das heißt, er legte dort auf Basis seiner volkswirtschaftlichen Prognosen die Portfolioaufteilung fest. Eine Aufgabe, die er so erfolgreich erledigte, dass er hausintern den Spitznamen „Mister Makro“ bekam. Dabei analysiert der Experte zunächst, worüber sich der Markt sorgt und welche langfristigen und zyklischen Trends die Weltwirtschaft antreiben. „Für mich verhält sich der Markt immer ein wenig wie ein kleines Kind“, erläutert Sheikh. „Er konzentriert sich immer eine Zeit lang auf ein oder zwei Themen, bald aber wird es ihm langweilig und dann geht er zum nächsten Thema über.“

 

Talib Sheikh, Head of Strategy, Multi-Asset

 

Die große Kunst: Das tägliche Rauschen von echten „Game Changern“ zu unterscheiden

Diese Themen und deren Einfluss auf die Konjunktur und schließlich auf die Anlageklassen und deren Preisentwicklung zu identifizieren, darin besteht seine Aufgabe. „Dabei achte ich aber nicht nur auf traditionelle Einflussfaktoren wie die Geldpolitik, sondern auch auf Trends wie die Digitalisierung“, erklärt er. Die eigentliche Kunst dabei sei es, das tägliche Rauschen an den Märkten von den wirklich beeinflussenden Faktoren zu unterscheiden. „Wissen Sie, ich muss ja sehr nahe am Markt sein, aber nicht jede kurzfristige Entwicklung hat langfristige Auswirkungen“, so Sheikh weiter.

Sein Erfolg ist umso bemerkenswerter, da er eigentlich aus einem ganz anderen Bereich kommt „Ursprünglich habe ist Agrarwissenschaften studiert“, erzählt er, „was nicht viel mit den Finanz- und Kapitalmärkten zu tun hat.“ Doch das Interesse entwickelte sich schon kurz danach, als er seinen Master in Internationalem Marketing und seinen Chartered Financial Analyst (CFA) machte. „Da  reifte bei mir die Idee, im Rohstoffhandel zu arbeiten“, so Sheikh. Schließlich brachte er als ausgebildeter Agrarwissenschaftler wichtige Grundlagen für den Handel mit Getreide und anderen Agrargütern mit.

 

Neue Herausforderung nach zwei Jahrzehnten

Und so begann er seine berufliche Karriere in den 1990ern in den Handelsräumen von Salomon Brothers, ehe er zwei Jahre später zu JP Morgan Asset Management wechselte. Dort managte er zunächst ein Anleihe-Portfolio, bevor er den Multi-Asset-Bereich mit aufbaute, in dem er bis 2018 arbeitete. „Das war eine sehr spannende Zeit für mich, aber irgendwann kommt ja immer der Punkt, an dem man über neue Herausforderungen nachdenkt“, sagt Sheikh.

Diese Chance tat sich bei Jupiter Asset Management auf. Auch dort ist es zwar seine Aufgabe, den Bereich Multi-Asset voranzubringen und weiterzuentwickeln und ihn mit seinen makrogetriebenen Prozessen zu unterstützen. „Ich bin aber der Ansicht, dass Jupiter als kleinerer Anbieter flexibler und dynamischer ist, und dass ich mit meinen Fähigkeiten und Kenntnissen, die ich durch meine mehr als 20 Jahre Berufserfahrung habe, einen höheren Zusatznutzen für die Kunden erzielen kann“, ist der Anlageexperte überzeugt.

Dass er über einen reichen Erfahrungsschatz verfügt, erklärt sich dabei fast von selbst. Schließlich hat er etliche Extremsituation an den Märkten mitgemacht. „Am besten ist mir natürlich die Finanzkrise in Erinnerung“, erzählt er. „Das ist schon ein extremer Augenblick, wenn das globale Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs kommt und alle Märkte massiv einbrechen.“ Spätestens da aber war ihm klar, dass Panik ein schlechter Ratgeber ist.

 

„Das Asset Management ist granularer geworden“

„Es ist besser sich an der alten, aber stets aktuellen Weisheit von Warren Buffett zu orientieren“, rät er, „also ängstlich zu sein, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Genau das beherzigte er. „Irgendwie gelang es mir damals ruhig zu bleiben und danach dann zum Beispiel viele extrem günstig bewertete Hochzinsanleihen einzusammeln, die sich nachher wirklich sehr gut entwickelten.“

Seine Erfahrung hilft ihm aber auch im aktuellen Umfeld. „Ich denke zwar nicht wie viele andere, dass es heute viel schwieriger ist als früher, die Entwicklung der Märkte zu prognostizieren“, so Sheikh. Eines aber habe sich schon verändert. „Früher ging es vor allem um die Entscheidung Anleihen oder Aktien. Heute ist alles granularer geworden, das heißt, wir haben es mit mehr Assetklassen zu tun und es geht auch viel stärker um Branchen und Regionen.“

Das bedeutet aber auch, dass das Management von Multi-Asset-Strategien zunehmend komplexer und aufwändiger wird. Und dass es heute vielleicht noch mehr als früher darauf ankommt, die richtigen Experten zu haben, die die jeweils passende Asset Allocation vorgeben. Schließlich hat diese eben entscheidenden Einfluss auf den Anlageerfolg bei Multi-Asset-Portfolios.