Mit Gold gegen den Klimawandel?
4 Min.
12.10.2021
Jessica Schwarzer
Journalistin, Moderatorin, BuchautorinNachricht senden

Mit Gold gegen den Klimawandel?

Bei Investments in Minenaktien oder Gold denken wohl die wenigsten zuerst an Nachhaltigkeit. Eine Studie des World Gold Council kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass Gold die Anfälligkeit des Portfolios für Risiken des Klimawandels verringern kann und das Depot sogar dekarbonisiert. Wieso das so ist und ob Gold überhaupt ein nachhaltiges Investment ist.

Gold hat eine „bedeutende Rolle“ bei der Portfolio-Performance, auch und vor allem unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels. Davon ist John Mulligan, Direktor Climate Change Lead des World Gold Councils (WGC), überzeugt. „Gold erzielt in der Regel die beste Performance, wenn die Märkte unter Druck stehen, und klimabedingte Risiken werden die Märkte immer häufiger und stärker herausfordern“, sagt er. Das Diversifizierungspotenzial von Gold werde zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die strategischen Vorteile als Anlage zur Risikominderung würden die Ergebnisse der jüngsten Studie des WGC mit dem Titel „Gold and climate change: Decarbonising investment portfolios“ unterstreichen. „Anleger müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Bestände zur Dekarbonisierung der Weltwirtschaft beitragen können und dass ihre Portfolios zunehmend auf Netto-Null-Pfade ausgerichtet sind“, betont Mulligan. „Unsere Analyse macht deutlich, dass Gold eine Stütze dieser Transformation sein kann.“


Gold als Klima- und Inflationsschützer?

Grundlage der Studie bildet ein globales Multi-Asset-Portfolio mit einer Aktienquote von 70 Prozent und einer Anleihequote von 30 Prozent, verteilt über mehrere regionale Indizes. Untersucht wurde die Veränderung der klimabedingten Performance der vergangenen fünf Jahre mit Gold als Beimischung, wobei der entsprechende Gold-Anteil die Aktien- und Anleiheanteile gleichmäßig reduziert. Die Ergebnisse: Eine Gold-Allokation von zehn Prozent senkt die Emissionsintensität um sieben Prozent, eine Allokation von 20 Prozent sogar um 17 Prozent. Das implizierte Erwärmungspotenzial des Portfolios bis 2100 verringert sich um 40 Prozent Goldbei einer Beimischung von 50 Prozent Gold. Das Fazit des WGC: „Eine Gold-Allokation führt zu einer höheren Übereinstimmung des Portfolios mit Klimazielen.“ Und: „Durch Gold verringert sich die Anfälligkeit des Portfolios für Risiken des Klimawandels, wie beispielsweise einer Kohlenstoffsteuer.“ Die Studie gebe Hinweise darauf, dass eine Goldallokation die Performance und das Risikoprofil des Portfolios zusätzlich verbessere.


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Gold als Schutz gegen klimabedingte Risiken? Experten sind nicht völlig überzeugt. Für diese These gelte wohl ein „Jain“, sagt etwa Michael Ott, Rohstoffexperte im Asset Management der Commerzbank. Wenn die Märkte unter Druck stehen, dann hat dies in der Regel einen zunächst disinflationären Effekt beziehungsweise der Grund für die Marktkrise wirkt disinflationär und auch Gold wird davon in Mitleidenschaft gezogen – beispielsweise zu Beginn der Corona-Krise und der Finanzkrise. Anschließend kommt es jedoch in der Regel zu einer inflationären Entwicklung, da die Geld- und Fiskalpolitik expansiver werden und sich die Nachfrage erholt. „Klimabedingte Risiken in Form von Naturereignissen beziehungsweise Veränderungen dürften ebenso wie die politischen und wirtschaftlichen Reaktionen auf den Klimawandel per saldo inflationär wirken“, so Ott. „Sie können zunächst aber ebenso einen disinflationären Effekt haben, wenn dadurch das Wirtschaftswachstum stark beeinträchtigt wird.“ Deshalb sollte die These umformuliert werden: „Gold erzielt dann seine beste und nachhaltigste Performance, wenn die Notenbanken unter Handlungsdruck stehen die Wirtschaft zu stützen und dies auch tun“, sagt Ott. Denn dann verliert das Notenbankgeld an Kaufkraft und Gold bleibt kaufkraftstabil.


Wie nachhaltig können Gold-Investments wirklich sein?

Aber kann Gold überhaupt eine nachhaltige Anlage sein? Bisher hat die Menschheit etwa 177.000 Tonnen Gold geschürft. Laut Schätzungen liegen 17 Prozent davon bei Zentralbanken, 48 Prozent sind in Schmuck und 20 Prozent als Anlagegold vorhanden und 15 Prozent werden in Industrie und Kunst verwendet. Gold gilt als sicherstes Wertaufbewahrungsmittel der Welt und hat in den vergangenen Jahren als Anlageklasse an Bedeutung gewonnen. „Aus ethischer Perspektive gilt jedoch zu berücksichtigen, dass die Anlage in Gold ökonomisch nicht produktiv ist, da Gold mehrheitlich ein Luxusgut ist und die Gewinnung von Gold mit erheblichen ökologischen und sozialen Problemen behaftet ist“, sagt Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG).

Commerzbank-Experte Ott hält vor allem die Produktion von Gold für problematisch. Sie belastet die Umwelt durch den Energieverbrauch, den Einsatz von Chemikalien und den Landverbrauch häufig sehr stark. „Auch sind Kinderarbeit, Landraub und Vertreibung, unfaire Löhne und gefährliche Arbeitsbedingungen, besonders im unregulierten und Kleinstbergbau, Themen, welche die Nachhaltigkeit von Goldanlagen infrage stellen“, so Ott. Für Kapitalgesellschaften und größere Minenunternehmen werden die sozialen und Umweltstandards, also die ESG-Kriterien aber immer wichtiger. „Zum einen haben diese zunehmenden Einfluss auf deren Bewertung und zum anderen können sie für Versäumnisse haftbar gemacht werden“, ergänzt er. „Wichtig dabei ist aber, dass die jeweiligen Regierungen die Standards auch kontrollieren und für die Durchsetzung sorgen. Unter anderem wegen Korruption ist dies nicht immer der Fall.“



Die Kapitalmärkte wissen aber selten inwieweit vor Ort – beispielsweise in Papua-Neuguinea oder im Amazonas – ESG-Kriterien eingehalten werden. „Deswegen ist es entscheidend den Druck nicht nur auf Unternehmen zu erhöhen, Nachhaltigkeitsstandards einzuhalten, sondern vor allem auf Staaten“, fordert der Rohstoff-Experte. Doch auch ihm ist natürlich klar: „Letztendlich wird es eine Minengesellschaft schwer haben, nachhaltig zu fördern, aber es gibt sicherlich noch viele Möglichkeiten dies zu optimieren.“ Kapitalgesellschaften sind in der Regel wohl besser zu kontrollieren und nachhaltiger als Kleinstminenbetreiber. In den vergangenen Jahren hat sich aufgrund des Drucks der Zivilgesellschaft vieles getan, was die problematischen Zustände bei Gold produzierenden Unternehmen verbessert, ergänzt FNG-Vorstand Weber. „Wirklich nachhaltige, große und börsennotierte Bergbauunternehmen konnten bisher jedoch nach wie vor nicht identifiziert werden“, sagt er. „Es gibt natürlich Ausnahmen und Unternehmen, die auf einem guten Weg sind dazu zählt das kanadische Unternehmen B2Gold Corporation.“ Die umsichtige Geschäftspolitik von BTO versuche, die Belastungen entlang der ganzen Wertschöpfungskette in Grenzen zu halten. Weber nennt einige Stichpunkte: Einsatz erneuerbarer Energie, strikte Chemikalienkontrolle, Biodiversität, Renaturierung.

Wie nachhaltig kann das gelbe Edelmetall also sein? „Gold ist, wenn es erst einmal produziert wurde, emissionsfrei“, sagt Commerzbank-Experte Ott. „Höchstens für den Transport und die Lagerung fallen minimale Emissionen an. Deswegen ist es ein Asset, das in einem Portfolio den C02-Abdruck verringert.“ Ob ein Investment auch vor Risiken des Klimawandels schützt wird die Zeit zeigen, denn noch fehlen die mittel- bis langfristigen Erfahrungswerte.


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