Mittelabflüsse setzen Fondsgesellschaften unter Druck

Die gesamte europäische Fondsbranche steht unter Druck. Insbesondere die Regulierungen sowie die günstige Konkurrenz durch ETFs sorgen für einen Margendruck. Bisher hatte die Branche jedoch den Vorteil, dass loyale Kunden das Geschäft absicherten, doch diese Zeit scheint nun – ähnlich wie in Amerika, vorbei zu sein.

Seit einigen Monaten hat sich das Stimmungsbild der Anleger grundlegend geändert. Wie die DWS in der vergangenen Woche bekannt gab, wird das Ziel der Nettomittelzuflüsse nach nur zwei Quartalen mit anhaltenden Mittelabflüssen nicht erreicht. Innerhalb eines Halbjahres verzeichnete die DWS Mittelabflüsse in Höhe von 13 Milliarden Euro. Das Ziel des Unternehmens war eine Steigerung der verwalteten Investmentbeträge in Höhe von drei Prozent.

 

Konsolidierung des Marktes unausweichlich

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg mitteilte, ist die DWS nicht die einzige betroffene Vermögensverwaltung. Demnach beklagt auch die Gesellschaft Jupiter hohe Rücknahmen des eigenen Rentenfonds. Auch Schroders, eine britische Gesellschaft, blieb hinter den hohen Erwartungen zurück. Bei Jupiter wurden im ersten Halbjahr rund 2,3 Milliarden Pfund abgezogen, während das verwaltete Vermögen bei Schroders stagnierte.

Insbesondere der Handelskonflikt, steigende Zinsen und ein hohes Maß an Volatilität würden dafür sorgen, dass die Kunden eine zurückhaltende Position einnehmen. Demnach sollte der Blick nicht nur auf die Quartalsentwicklungen, sondern das langfristige Wachstum gerichtet werden. Auch der generelle Druck zur Konsolidierung des Gesamtmarktes sei unausweichlich.

Auch die anderen europäischen Anbieter werden in den nächsten Tagen einen Einblick in die Entwicklungen gewähren. Auch wenn es zu hohen Zuflüssen kommt, so sind diese kritischer zu betrachten. Hier könnte etwa die Übernahme von Pioneer Investments einen Einfluss auf die kurzfristige Entwicklung haben. Auch die aktuellen Turbulenzen in Italien tragen zu den Mittelabflüssen bei, sodass sich die Analysten bereits die Frage über die Aufrechterhaltung des aktuellen Wachstumstempos stellen.
 

DWS – Harte Zeiten in Sicht
 

Mit Standard Life Aberdeen folgt am 7. August der nächste Branchenriese. Bis vor einem Jahr handelte es sich noch um die Unternehmen Standard Life und Aberdeen Asset Management, die sich zusammenschlossen, um eine stärkere Wettbewerbsposition zu erlangen. Die Expansion von Lloyds sorgte jedoch dafür, dass diese Ziel wieder in weite Ferne rückte.

Bisher am stärksten Beeinflusst von der negativen Entwicklung ist die DWS. Ein Mittelabfluss von 13 Milliarden Euro realisierte bisher noch keine europäische Vermögensverwaltung. Auch der Aktienkurs des Börsenneulings verdeutlicht diese Entwicklung. Für viele Anleger steht der Aktienkurs der Deutschen Bank im Vordergrund, doch die Entwicklung der DWS fällt wesentlich schlechter aus. Seit dem Börsengang im März verlor das Unternehmen 16 Prozent des Börsenwertes. Der Emissionspreis lag bei 33,08 Euro und fiel bis auf 27,30 Euro. Dies entspricht einem Verlust von 17 Prozent im Vergleich zum Emissionspreis. Dahingegen fiel der Preis der Deutschen Bank lediglich um sechs Prozent. Dies lässt sich allerdings auf die Aufholjagd des Monats Juli zurückführen.