Modern Anlegen: Die Revolut-Motivation

Das britische Fintech Revolut rät jungen Leuten, für ihre Zukunft am Aktienmarkt zu sparen - aber auf vernünftige Weise, ohne Ordergebühren und mit einem Sparplan. Die Idee ist bestechend und dürfte viele Anhänger finden.

Die Betreiber des Fintechs ermahnen die Millennials (ab 2000 Geborene), auf konventionelle Weise, aber mit hoher Rendite zu sparen. Es sei vollkommen klar, so die britische (typisch sehr werbelastige) Motivationsrede auf der Revolut-Homepage, dass die jungen Leute einen vollkommen anderen Lebensstil als ältere Generationen (vor allem ihre Eltern) pflegen würden. Dennoch sollten sie dringend ans Sparen denken - ganz "Old School". Damit ist gemeint, dass Menschen prinzipiell jeden Monat etwas beiseitelegen sollten. Da sich auch in Großbritannien Festgeldanlagen längst nicht mehr lohnen, raten die Revolut-Betreiber zu einem Aktiensparplan.

 

Ist das nicht ein bisschen simpel?

So erscheint es zunächst, aber die Fintech-Spezialisten verweisen vollkommen zu Recht darauf, dass der Zugang zum Aktienmarkt nach wie vor teuer und zudem komplex ist. Ordergebühren selbst bei Discount-Brokern bewegen sich auch in Deutschland selten unter sechs bis sieben Euro, in Großbritannien sollen es mindestens fünf Pfund sein. Wer nun in einen Aktiensparplan investiert, muss dadurch überdurchschnittlich hohe Ordergebühren bezahlen. Schließlich geht es darum, in einen gut laufenden Wert - etwa eine Tech-Firma wie Amazon - jeden Monat ein klein wenig zu investieren und dabei langfristig von den enormen Kurssteigerungen des Papiers zu profitieren. Es ist bei solchen Anlagen aber immer auch ein Stopploss für Einzelpositionen nötig, denn ein Crash ist niemals auszuschließen. Also wären pro Position zwei Gebühren einzurechnen. Wer also 50 Pfund investiert und mit zweimal fünf Pfund Ordergebühr (Einstieg und Ausstieg) rechnen muss, hätte 20 % seiner Anlage schon für die Gebühren verbraucht. Es geht zwar in der Praxis auch anders, weil zum Beispiel beim Stopploss mehrere Positionen zusammengefasst werden können, doch zumindest die Einstiegsgebühr ist pro Position immer zu entrichten - im beschriebenen Beispiel zehn Prozent. Das ist zu teuer.

 

Welche Lösung bietet Revolut an?

Das Fintech hat offenbar Broker gefunden, die eine gebührenfreie Investition in bestimmte Papiere ermöglichen. Solche Angebote gibt es auch von deutschen Discount-Brokern vereinzelt. Viele CFDs werden ohnehin generell gebührenfrei gehandelt. Der gebührenfreie Handel bedeutet nicht, dass der Emittent und der Broker gar nichts verdienen. Sie erheben nach wie vor einen Spread, beim gebührenfreien Handel teilen sich der Broker und der Emittent den Spread. Dann gibt es noch in seltenen Fällen spreadlose Papiere, doch Vorsicht: Sie sind nur beim Kauf spreadlos. Wenn der Anleger sie wieder verkaufen will, ist in der Regel plötzlich ein Spread entstanden. Trotzdem haben Anleger gute Chancen, auf diese Weise Geld hoch verzinst zu sparen. Als Fintech ist Revolut nun in der Lage, mit so ausgereiften technischen Strukturen zu arbeiten, dass Kommissionen dauerhaft entfallen. Darüber hinaus geben die Betreiber den Anlegern Empfehlungen zu diversifizierten Portfolios. Sie halten eine monatliche Anlage von etwa 100 £ (aktuell um 111 €) für vernünftig und plädieren für Geduld, um die Entwicklung der Anlage abzuwarten. Die Strategie könnte aufgehen. Natürlich können sich die Anleger auch selbst ihr Portfolio zusammenstellen.