Monsanto und Bayer können Glyphosat-Urteil nicht kippen

Es ist zu einem gewaltigen Rückschlag für Bayer im Verfahren um den Wirkstoff „Glyphosat“ gekommen. Das Unternehmen hatte einen Antrag zur Neuverhandlung des gesamten Sachverhalts gestellt. Doch die zuständige Richterin wies diesen nun ab. Jedoch wurde gleichzeitig die Strafe, welche der Konzern entrichten muss, reduziert. Selbstverständlich legten die Anwälte umgehend Berufung ein, doch an den Aktienmärkten sorgte diese Nachricht für Verstimmungen. Ein Einbruch beim Wert der Anteilsscheine war die Folge.

Die Ausgangslage für den deutschen Pharma- und Chemieriesen hat sich deutlich verschlechtert. Betroffen war dabei nicht Bayer direkt, sondern Monsanto. Das Unternehmen wurde von den Leverkusenern aufgekauft und damit wurden auch die rechtlichen Schwierigkeiten übernommen. Der Konzern hatte auf einen neuen Prozess bestanden. Die für diesen Fall zuständige Richterin Suzanne Ramos Bolanos prüfte die Revision und wies den Antrag zurück. Aber die Strafzahlungen, die Monsanto an den Staat überweisen muss, wurden deutlich herabgesetzt. Es kam dabei zu einer Reduzierung von 289 Millionen Dollar auf 78 Millionen Dollar. Deutlich ins Gewicht fiel die Herabsetzung beim Strafschadensersatz. Dieser beläuft sich statt auf 250 Millionen Dollar nur noch auf 39 Millionen Dollar. Gibt sich der Kläger mit der nun reduzierten Entschädigungssumme zufrieden, dann ist das Urteil rechtskräftig. Nur ein Ausschlagen der Gelder und die Spekulation auf eine höhere Entschädigung wären ein Grund für eine neue Verhandlung.


Die Reaktion an den Finanzmärkten und die Kernfrage der Verhandlung

An der Börse kam es zu starken Verlusten, mit einem Minus von mehr als acht Prozent. Das liegt daran, dass das Urteil einen Präzedenzfall darstellt, an dem sich andere Kläger und Richter orientieren können. Die Chancen, dass diese ihren Prozess gewinnen und weitere Zahlungen fällig werden sind daher groß. Befürchtungen, dass der Betrieb jede Menge Geld verliert und sich zusätzlich sein Image verschlechtert, vermehren sich somit. Die Ängste der Anleger sind begründet, da es sich hier um die erste gerichtliche Auseinandersetzung handelt und noch zahlreiche Verfahren anhängig sind.


Die Kernfrage ist, ob Glyphosat krebserregend ist. Kommen die Geschworenen nach Sichtung aller Beweise und Gutachten zu diesem Schluss, dann sind damit für Bayer und Monsanto weitere Risiken verbunden. Sogar eine Einstellung der Produktion und des Verkaufs ist möglich. Starke Verluste wären dann die Folge. Auch andere Märkte sind davon betroffen. So prüft die EU, ob eine weitere Nutzung erlaubt bleibt. Derzeit gibt es nur eine überbrückende Entscheidung, bis ein endgültiges Urteil feststeht. Die Entscheidung in den USA ist ein weiteres Beweismittel für die Verbotsanhänger.


Bayer will den Schiedsspruch anfechten

Die Manager spekulieren, dass der Einsatz von weiteren Geldern noch immer erfolgsversprechender ist als die Annahme des Richterspruchs. Deshalb setzen sie den juristischen Kampf fort. Auch geringste Erfolgschancen sind für sie attraktiver als eine Aufgabe. Zusätzlich sehen sie Punkte, die in ihren Augen, für eine Fortsetzung sprechen. Die Reduzierung der Strafschadensersatzzahlung ist dabei ein wichtiger Gesichtspunkt. Sie denken, dass dies ein Indiz dafür ist, dass eine Neuverhandlung mit einem Freispruch endet und die Justizbehörde damit rechnet, dass es zur Annahme der geringen Strafe kommt, weshalb der ganze Vorgang beendet ist.


Bayer und Monsanto heben hervor, dass die von ihnen vorgelegten Beweise und Gutachten in krassem Gegensatz zum Urteil stehen. Deshalb kommt es zu einem Berufungsantrag. Über diesen und die damit verbundenen Schritte entscheidet dann der California Court of Appeal.


Warum ist Bayer von diesem Konflikt betroffen?

Monsanto gehört nun zum deutschen Konzern, da dieser den amerikanischen Anbieter für 63 Milliarden Dollar übernahm. Dabei ging es speziell um ein Patent. Die neue Firmentochter besitzt die geistigen Eigentumsrechte für Glyphosat. Dieser Wirkstoff ist besonders zur Unkrautbekämpfung geeignet und ein Verkaufsschlager. Er ist günstig in der Herstellung, weshalb man diesen zu besten Konditionen verkaufen kann. Daher setzen Landwirte und Privatpersonen beispielsweise „Roundup“ weltweit gerne ein. Folgerichtig lassen sich hohe Gewinne erzielen. Zusätzlich besteht eine marktbeherrschende Position im Bereich der Unkrautvernichter.


Doch im August hatte eine Jury in San Francisco entschieden, dass Monsanto an einen Kläger 289 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen muss, da dieser glaubwürdig beweisen konnte, dass sein Lymphdrüsenkrebs durch Glyphosat verursacht wurde. Dewayne „Lee“ Johnson war früher an einer Schule in Kalifornien Platzwart. Er musste sich dort auch um die Grünflächen kümmern. Zur Unkrautbekämpfung kam dort das Produkt von Monsanto zum Einsatz. Bis zu 30 Mal in einem Jahr war er dem Pestizid ungeschützt ausgesetzt, da es keine ausreichenden Hinweise auf dessen Gefährlichkeit gab.


Die Geschworenen kamen nach der Abwägung aller Beweise und Argumente zu dem Schluss, dass Johnson eine Entschädigung für das erlittene Leid, die Verschlechterung seiner Lebensqualität und wegen der verminderten Lebenserwartung zusteht. Beide Firmen sind der Ansicht, dass Glyphosat nicht zu Krebs führt und wollen daher einen neuen Prozess. Sie berufen sich dabei auf die Erfahrungen, die sie in den vier Jahrzehnten seit der Entwicklung gemacht haben und auf von Wissenschaftlern erstelle Daten, die ebenfalls eingereicht wurden.