Munich Re kauft Relayr für 300 Millionen

Das Berliner Startup Relayr stattet alte Industrieanlagen mit modernen IoT-Sensoren aus. Nun wird das Unternehmen von seinem Partner übernommen. Relayr soll auch in Zukunft unabhängig bleiben.

Das Versicherungsunternehmen Munich Re (Münchner Rück) wird das Erfolgs-Startup Relayr übernehmen. Wie der Rückversicherer bekanntgab, soll der jetzige Partner für rund 300 Millionen US-Dollar eingespeist werden. Die Entscheidung geht von der Gruppengesellschaft Hartford Steam Boiler (HSB) aus, unter deren Dachgesellschaft Munich Re agiert.
Relayr und HSB kooperieren seit 2016. Das Startup nutzt die Finanz- und Versicherungsangebote von Munich Re und stellt im Gegenzug technische Expertise zur Verfügung. „Wir kombinieren eigenes Risikowissen, Fähigkeiten zur Datenanalyse und Finanzkraft mit der technischen Expertise von Relayr“, so Munich-Re-Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek.
Relayr baut beispielsweise Sensoren in Maschinen ein, die selbstständig erkennen, wann Bauteile abgenutzt sind. Bei einem deutschen Getränkehersteller wird diese Technologie genutzt, um anhand des Klangs der Messer zu erkennen, wann diese ausgetauscht werden müssen. Zu den Kunden von Relayr gehören auch General Electric, Cisco und die Deutsche Bahn.
 

Startup bleibt unabhängig

Relayr soll weiterhin unabhängig agieren und seine Startup-Kultur ausbauen. Die Firma wurde im Jahr 2013 von Paul Hopton, Harald Zapp, Michael Bommer und Jackson Bond ins Lebens gerufen und hat eine Lösung entwickelt, mit der sich Daten aus Maschinen und Geräten auslesen lassen. Dadurch ist es beispielsweise möglich, die Lebensdauer einer Maschine zu bewerten und Ausfälle vorherzusehen.
Daneben bieten Relayr verschiedene Vernetzungskonzepte an. Unternehmen können ihre technischen Anlagen gegen eine monatliche Servicegebühr über die intelligente Plattform vernetzen und überwachen lassen. Munich Re übernimmt dabei die Finanzierung.
 

Das Internet der Dinge

Bei dem Berliner Startup-Unternehmen sind rund 200 Beschäftigte an sieben Standorten in Deutschland, Polen, Großbritannien und den USA angestellt. Das Erfolgskonzept des Startups hat neben Munich Re auch die Telekom auf den Plan gerufen, die erst im Frühjahr 30 Millionen US-Dollar in das Unternehmen investiert hat.
Munich Re war bereits seit einiger Zeit Kooperationspartner und möchte mit der Übernahme weiter in das Internet der Dinge vorstoßen. „Das Internet der Dinge ermöglicht neue Geschäftsmodelle und Services und bringt neue Wettbewerber auf den Markt”, so Torsten Jeworrek, der gemeinsam mit Relayr „neue Ideen für die Zukunft von Gewerbe und Industrie“ erarbeiten möchte.
Ein anderer Investor ist Kleiner Perkins Caufield & Byers. Das US-Unternehmen hat Relayr bereits früh mit Startkapital versorgt und war auch bei Google, Amazon und Twitter in der Startphase beteiligt.