"Nach BIER die Gin-Flut"

Mit dem Beginn des Oktoberfests richtet sich der Fokus auch ganz automatisch auf die Bierpreise: Die Kosten für die Maß Bier sind ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung und gleichzeitig ein Negativ-Beispiel für steigende Inflation. Im Vergleich mit 1991 ist der Preis für Bier auf dem Oktoberfest drei mal so hoch - was die Besucher natürlich trotzdem nicht abhält, sich in den Bierzelten eines der berühmten Biere zu gönnen. Schon aufgrund dieser Situation bietet sich ein neugieriger Blick auf den Markt für Bier und Spirituosen an.

Wer einen Blick in die Regale der Supermärkte wirft, wird von der puren Vielfalt an unterschiedlichen Marken und Möglichkeiten durchaus überrascht. Zig Brauereien stellen ihre begehrten Gerstenwasser zur Verfügung - jedenfalls wirkt das auf den ersten Blick so. Tatsächlich finden sich viele der bekanntesten Marken unter einem einzelnen Dach wieder. Die Branche für Bier hat sich in den letzten Jahren eher verkleinert als vergrößert. Kleinere Mitspieler wurden von den Brauereien eingekauft und sind nun nur noch eine Marke im Portfolio. Das zeigt sich auch an den Zahlen: 50 Prozent des weltweiten Konsums und 65 Prozent der weltweiten Gewinne werden nur von fünf Brauereien erwirtschaftet.

Darüber hinaus haben die Brauereien mit der demographischen und gesellschaftlichen Entwicklung zu kämpfen. Besonders in den westlichen Nationen stagniert der Konsum. Ohne Preiserhöhungen, die in diesem Segment als kaum durchsetzbar gelten, ist es nicht möglich, das eigene Wachstum auszuweiten. Die jüngere Generation greift nicht nur seltener zu Bier, sie konsumiert auch deutlich weniger davon, als es bei den Eltern und Großeltern der Fall war. Alternativen und einfach generell reduzierter Alkoholkonsum sind also eine Herausforderung für die Brauereien. Das führt dazu, dass es eine immer stärkere Diversifizierung der eigenen Marken gibt. Hochwertige Craft Biere und spezielle Marken sind die Segmente, in denen die Hersteller jetzt noch Gewinne und steigende Anteile verzeichnen können. Auch die Schwellenländer sind ein neuer Absatzmarkt, der für die Brauereien wichtig ist.


Schnaps ist derzeit beliebter als das klassische Bier

Tatsächlich ist der steigende Markt für Spirituosen eine der Möglichkeiten für Investments der Branche. Der Markt ist noch immer relativ fragmentiert und findet Wachstum in den verschiedensten Absatzmärkten. Dazu kommt, dass gerade in ärmeren und Schwellenländern weiterhin der Schnaps dem Bier bevorzugt wird - was nicht selten daran liegt, dass die hochprozentigen Getränke zu einem deutlich günstigeren Preis zu erhalten sind, als das Bier aus Europa oder Amerika. Hier investieren die Hersteller noch immer in neue Marken und neue Möglichkeiten für den Absatz. Diese Bemühungen richten sich inzwischen auch an afrikanische Märkte, die bisher beinahe ignoriert worden sind.

Alles in allem mag das Bier also weiterhin der Klassiker sein und gerade auf dem Oktoberfest, in Deutschland oder generell in Westeuropa dominieren. Auf dem internationalen Markt ist das Wachstum aber eher beim Schnaps zu sehen - ebenso wie die Möglichkeiten für weiteres Wachstum der Hersteller.