ETFs boomen, wie können klassische Vermögensverwalter mithalten?

Passive ETFs erfreuen sich am Finanzmarkt einer großen Beliebtheit. Auch aktive Vermögensverwalter haben das Potenzial der passiven Investmentvehikel entdeckt und nutzen die Flexibilität und die Effizienz der ETFs. Im Fokus steht dabei eine Renditemaximierung, welche es den Vermögensverwaltern erlaubt, einen Mehrwert für die Kunden zu generieren.

Ein Blick auf die Kapitalmärkte zeigt, dass ETFs kontinuierlich die Gelder der Investoren anziehen. Auch die hohen Investitionsvolumen zeigen, dass die Marktteilnehmer vom Investmentvehikel ETF überzeugt sind. Doch vor allem Dr. Ulrich von Auer, der Leiter des Bereichs Portfoliomanagement bei der J.P. Morgan Privat Bank in Deutschland, und der Portfoliospezialist Stewart Edginton sehen diese Entwicklung etwas differenzierter. Die zunehmende Beliebtheit der passiven ETFs sorgt eher dafür, dass sich eine neue Art des aktiven Managements ergibt.

Insgesamt zeigt der Markt, dass die Nachfrage nach günstigen ETFs ungebrochen groß ist. Für klassische Vermögensverwalter bedeutet dies, dass ein tatenloses Zusehen schlichtweg nicht möglich ist. Dabei stellt sich jedoch die grundlegende Frage, wie ein Markt mit einem solch einfachen Konzept durchdrungen werden kann. Die Antwort ist simpel und zeitgleich komplex, denn es muss ein einfacheres und günstigeres Produkt angeboten werden. Mit ETFs gibt es dieses Produkt, dass weniger Kosten verursacht und weniger komplex als klassische aktive Investmentfonds ist. Auch die Granularität von ETFs nahm in den vergangenen Jahren stets zu, sodass es immer speziellere Fonds für verschiedene Investmentstrategien gibt. Zudem befinden sich mittlerweile mehr als 5.000 US-basierte ETFs auf den Markt. Dahingegen fiel die Zahl der verfügbaren US-Aktien am Markt von 7.500 im Jahr 1995 auf nunmehr 4.000 Stück.


Jeder Index wird durch einen ETF abgebildet

Grundsätzlich kann jeder Investor einen ETF finden, insofern es auch einen passenden Index gibt. Das bedeutet, dass ETFs auch das Investieren in verschiedene Anlageklassen und Regionen ermöglichen. Außerdem ist es möglich, dass ETF-Aufleger Faktoren durch die Definition eigener Regeln generieren. In Expertenkreisen wird dies als Smart-Beta-Strategie bezeichnet. Vor allem solche Ansätze galten bisher als Strategie für aktive Investoren, die Stockpicking zur Erzielung von Überrenditen genutzt haben. Doch dieser Vorteil besteht nicht länger, sodass auch ETFs die Möglichkeit auf höhere Renditen bieten.

Nun stellt sich jedoch die grundlegende Frage, weshalb ein weiterer Anstieg der ETF-Beliebtheit den Weg für eine neue Art des aktiven Managements ebnen könnte. Auf einer empirischen Basis zeigt sich, dass die Nutzung gewisser Stilfaktoren dazu beitragen kann, die Performance eines Portfolios im Vergleich zum breit diversifizierten MSCI-World zu steigern. Dabei bezieht sich die zugrundeliegende Analyse auf einen langen Zeitraum, in welchem die Faktoren jedoch einer gewissen Schwankung unterlagen. Insgesamt zeigt sich, dass faktorbasierte ETFs eine bessere Performance liefern und gegenüber dem MSCI World outperformen. Für Investoren ergibt sich somit der Schluss, dass eine Anpassung des individuellen Risikos in Anbetracht der Zyklusphase angemessen ist. Eine Erhöhung oder Senkung des Risikos führt zu einer Steigerung des Renditepotenzials. Das perfekte Investmentvehikel sind die Faktor-ETFs. Eine Änderung des entsprechenden ETFs ist vergleichbar mit dem Zu- und Verkauf einer Aktie. Für einen Fondsmanager würde dies bedeuten, dass mehrere Aktien verkauft werden müssen, sodass eine Auswirkung auf den Stil erkennbar ist. Daraus resultieren hohe Kosten und ein klarer Nachteil gegenüber einem ETF.

Des Weiteren müssen Investoren auf die Möglichkeit einer Outperformance achten. Vor allem die Auswahl eines Branchen-ETFs bietet die Möglichkeit die klassischen Indizes zu überragen. Auch die Auswahl des passenden Landes bietet hierbei zusätzliches Renditepotenzial. Es zeigt sich, dass die verschiedenen Branchen eine unterschiedliche Performance bieten. Die durchschnittliche Renditedifferenz zwischen verschiedenen Branchen liegt bei 20 Prozent und trifft in 90 Prozent der Fälle ein. In 67 Prozent der betrachteten Testfälle ergibt sich sogar eine Performancedifferenz von mehr als 30 Prozent. Eine Auswahl der richten Branchen sorgt demnach für eine höhere Performance. Mit Smart-Beta-ETFs existiert auch dafür ein passendes Investmentvehikel. Neben diesen wichtigen Punkten nimmt auch der Kostenfaktor eine tragende Rolle bei der Rendite ein. Vor allem aktive gemanagte Fonds weisen eine hohe Kostenquote auf. Das bedeutet, dass die jährlichen Kosten rund fünfmal höher sind und somit ein Großteil der Rendite aufgezehrt wird.


Richtige Umsetzung sorgt für passende Rendite

Um erfolgreich zu investieren, muss auch auf die richtige Umsetzung geachtet werden. Wer zum Beispiel auf physische ETFs setzt, der setzt auf die Liquidität der dahinterliegenden Wertpapiere und erzielt damit eine bessere Streuung.

Werden sämtliche Faktoren berücksichtigt, dann zeigt sich, dass eine steigende Granularität wieder Spielraum für aktives Management zulässt. Die Auswahl der richtigen ETFs durch einen aktiven Fonds bietet Potenzial für Überrendite bei einer entsprechend hohen Diversifikation. Auch die geringen Kosten beim Transferieren gelten als Vorteil dieses Managementansatzes. Doch auch die Auswahl von ausgewählten Einzelaktien hat das Potenzial eine Überrendite zu erwirtschaften. Dies gilt vor allem dann, wenn die Beimischung einen Mehrwert bietet.