Nachhaltige Anleihen: Der grüne Geldregen

Nachhaltige Anleihen sind inzwischen fast ein Selbstgänger. Gut für Anleger und gut für Unternehmen, deren Kurs längst grün ist. Nur – was machen alle anderen?

Grün ist heute keine Askese, sondern Hochglanz. Autos, Häuser, Nahrungsmittel, alles soll bei der Produktion die  Umwelt berücksichtigen, eben fair hergestellt werden. Teure Bullerbü-Ethik? Von wegen, über diese Einstellung ist man längst hinaus, auch in der Finanzindustrie. Nachhaltige Geldanlage boomt. Kein Wunder: Studien zeigen, dass der Ansatz keinesfalls zulasten der Wertentwicklung geht. Gut für Anleger, aber auch für Unternehmen. Denn die erschließen sich mit einem nachhaltigen Kurs neue und spendable Geldgeber. Passende Zahlen gefällig? Entsprechend ausgerichtete Fonds etwa sammelten im ersten Quartal dieses Jahres laut funds europe über 23 Milliarden US-Dollar ein, fast 21 Milliarden Euro. Die Beliebtheit schlägt sich auch auf dem Anleihenmarkt nieder.

Von Anfang bis Mitte November vergangenen Jahres wurde nach Untersuchungen von Morningstar „green bonds“ im Wert von über 132 Mrd. US-Dollar auf den Markt geworfen. Ein wahrhaft nachhaltiger Geldregen. Voraussetzung: Die Unternehmen müssen damit ein  nachhaltiges Vorhaben finanzieren.

Bislang haben Firmen also zwei Möglichkeiten, ihr Wachstum zu finanzieren. Erstens: Sie begeben eine normale Anleihe, quasi wie immer. Sie profitieren so aber nicht von der Strahlkraft des Siegels „nachhaltig“. Sie wissen schon – grün, nachhaltig, ESG. Möglichkeit zwei: Sie legen eine jener „green bonds“ auf. Ein populärer Gedanke. Deutschlands Bundesfinanzagentur, hierzulande so etwas wie die Fabrik für Staatsanleihen, denkt laut einem Bericht vom Handelsblatt offenbar darüber nach, ein entsprechendes Papier aufzulegen. Die Deutsche Börse hat sogar ein eigenes Börsensegment für nachhaltige Bonds geschaffen. 

 

Problematischer Praxistest

Nur: In der unternehmerischen Praxis ist das Ganze offenbar nicht so einfach. Denn so manches Unternehmen würde sich nur zu gern in diese Richtung entwickeln, ist aber noch ganz den alten Produktionsmethoden verhaftet und weit weg vom grünen Hochglanz. Und in solchen Fällen heißt das: Rote Karte für grüne Bonds.

Bei Axa hat man für solche Fälle eine interessante Idee: Eine Art Zwischenfinanzierung per Anleihe. Eine Art „light-green-bonds“, mit deutlich niedrigeren Hürden. Deren einzige Voraussetzung soll sein, dass ein Unternehmen damit nachhaltiger wird. Keine schlechte Idee, wenn so der Einstieg ins „grüne“ leichter gemacht wird. Nur: Am Kernproblem ändert auch dieser Vorstoß nichts. Und das ist die Frage, ob grün wirklich grün ist. Antwort geben können klare Angaben der Emittenten, wie Südprojekt fordert. Und helfen kann auch ein regulatorischer Rahmen.

Mit zum Beispiel den GBP, den „green bonds principles“, besteht zwar ein entsprechendes Regelwerk. Doch bindend ist das nicht. Genau diese Fragen müssen aber geklärt werden, um das Segment zu einem Erfolg zu machen. Für Unternehmen wie für Anleger. Immerhin, die EU hat das Thema auf ihre Agenda gesetzt. Hoffentlich nachhaltig.