Nachhaltigkeit in Fondspolicen: Report über Auswahlmöglichkeiten für ESG-Fonds
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2022-09-08

Nachhaltigkeit in Fondspolicen: Report über Auswahlmöglichkeiten für ESG-Fonds

Nachhaltigkeit ist kein Privileg nur von direkten Aktienanlegern. Auch in den weiterhin wichtigen Fondspolicen müssen ESG-Kriterien abgebildet werden. Aber ist das immer der Fall?

Die Versicherungswirtschaft ist ein fester Bestandteil der Alterssicherung in Deutschland. Zuletzt bestanden 86,9 Millionen Verträge bei Lebensversicherungsunternehmen, Pensionskassen und Pensionsfonds, von denen fast 52 Prozent auf Rentenversicherungen entfielen. Das meldete der GDV – Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. für das Jahr 2021. Besonders das Fondspolicen-Geschäft geht durch die Decke. 2021 wurden deutschlandweit mehr als 544.000 fondsgebundene Rentenversicherungen abgeschlossen, die versicherte Summe dieser Verträge legte um 71,9 Prozent auf gut 24 Milliarden Euro zu. Der GDV-Statistik zufolge gibt es mittlerweile fast 4,9 Millionen fondsgebundene Rentenversicherungen. Hinzu kommen mehr als 14 Millionen fondsgebundene Versicherungen als Mischform mit Garantien.

„Zugleich nimmt das Interesse von Sparern zu, auch in ihren Fondspolicen konsequent Nachhaltigkeit auf Investmentebene umzusetzen. Die Anlageform kann sich dem allgemeinen Trend nicht entziehen. Mit einem Gesamtvolumen von 501,4 Milliarden Euro erreichten nachhaltige Geldanlagen zuletzt einen neuen Rekordwert. Das muss sich dementsprechend auch in dem starken Markt der Fondspolicen widerspiegeln“, sagt Dr. Dirk Rathjen, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) aus München, das sich auf Portfolioanalysen, Risikomanagement und Nachhaltigkeitsanalysen konzentriert.

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Report über die Auswahlmöglichkeit von Nachhaltigkeits- und ESG-Fonds

Aber wie es tatsächlich um die Nachhaltigkeitsqualität von Fondspolicen bestellt? Diese lässt noch zu wünschen übrig, zeigt der zweite „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ von Smart Asset Management Service. Die Hamburger Beratungsboutique für die Analyse fondsgebundener Versicherungspolicen und Investmentdepots legt solche Reports in Zusammenarbeit mit dem IVA regelmäßig auf. Untersucht wurden Tarife von 24 Versicherungen, die für den Maklermarkt relevant sind und eine sehr breite Abdeckung der angebotenen Fondspolicen mit der Möglichkeit der Auswahl von Nachhaltigkeits- und ESG-Fonds darstellen. Dabei stand unter anderem die wissenschaftliche Analyse der ESG-Ratings der angebotenen Fonds, die Breite der Abdeckung und die Qualität von Portfolios, die sich aus den angebotenen Fonds bauen lassen, im Fokus.


Nachholbedarf bei der ESG-Qualität in Fondspolicen

Die Analyse der ESG- beziehungsweise Nachhaltigkeitsqualität wird mittels des ESG-Konsens-Ratings des Instituts für Vermögensaufbau durchgeführt, das auf individuellen Bewertungen der in den Fonds tatsächlich enthaltenen Titeln beruht. „Zwar hat sich das Angebot an Einzelfonds im Vergleich zum Vorjahr mit aktuell rund 600 anwählbaren Einzelfonds innerhalb der von uns untersuchten Tarife und Fondspaletten mehr als verdoppelt. Es hat sich aber beispielsweise auch gezeigt, dass die in den Modellrechnungen der Angebote ausgewiesenen Wertentwicklungen von beispielsweise drei, sechs beziehungsweise neun Prozent deutlich zu optimistisch sind, auch wenn dies nichts mit Nachhaltigkeit im Sinne der Europäischen Union zu tun hat. Die Quantität wächst, bei der Qualität besteht aber noch Nachholbedarf“, betont Thorsten Dorn, Geschäftsführer von Smart Asset Management.


Webbasiertes Tool für ESG-konforme Fondspolicen

Vor allem müssten Anlageberater und Vermittler qualifiziert und unterstützt werden, aus dem jeweiligen Fondsuniversum der Gesellschaft die besten Nachhaltigkeitsfonds so zusammenzustellen, dass sie unter individuellen Rendite-Risikogesichtspunkten für die Kunden die besten Ergebnisse erzielten. Dafür hat Smart Asset Management die Anwendung „samperform“ zur einfachen und schnellen Kundenberatung lanciert. In diesem webbasierten Tool werden zuerst die Risikobereitschaft des Kunden in Verbindung mit einer erwarteten Rendite für die Zukunft und seine Nachhaltigkeitspräferenzen erfragt. Aus diesen Angaben wird ein individuelles Portfolio für Fondspolicen optimiert. „So können Anlageberater und Vermittler ihre Entscheidungen der Fondsauswahl begründen und müssen gerade bei ESG-Kriterien nicht auf das Prinzip Zufall setzen. Es geht um die ESG-Konformität der Fondspolice, auch vor dem Hintergrund der neuen Verpflichtung, Nachhaltigkeit in die Kundenberatung einzubeziehen“, sagt Thorsten Dorn.


Ganzheitliches ESG-Konsens-Rating besser als Selbsteinstufung

Laut Dr. Dirk Rathjen ist ein ganzheitliches ESG-Konsens-Rating, das ein Investment über alle ESG-Kriterien hinweg betrachtet, ein wichtiges Instrument bei der Gestaltung von ESG-Fondspolicen, weil die Selbsteinstufungen der Fondsgesellschaften nach Artikel 6, 8 und 9 der EU-Offenlegungsverordnung oft nicht ideal sind. Wenn Fonds nach Artikel 8 (systematisch und explizit Förderung der ESG-Merkmale in der Kapitalanlage) oder 9 (Investmentprozess erfüllt ein ausweisbares außerfinanzielles Nachhaltigkeitsziel) kategorisiert sind, sollen Anleger sicher sein können, nachhaltig zu investieren. Im Rahmen der Auswertungen der Fondspaletten deutscher Lebensversicherer für den „Fondspolicenreport Nachhaltigkeit“ stieß das Institut für Vermögensaufbau dabei aber auf einen wichtigen Punkt: Im Durchschnitt schnitten Artikel 9-Fonds bei ganzheitlichen ESG-Bewertungen nicht besser ab als die Artikel 8-Fonds. Bei näherer Analyse zeigte sich, so Dirk Rathjen, dass bei der Definition von „strenger Nachhaltigkeit“ für Artikel 9-Fonds das zuständige Gremium am Ziel der EU vorbeigeschossen ist. „Daher ist es für echte Nachhaltigkeits-Fondspolicen entscheidend, dass die Berater sich auf die ESG-Bewertung verlassen können“, betont Dirk Rathjen.

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