Nachhaltigkeit: Portfoliomanager bauen auf das Wissen des gesamten Marktes

ESG, SDG, SRI, CSR, GCX, CDP, UN PRI, ISS-Ethix, DJSI, FNG-Siegel, Grüne Taxonomie, Impact Investing: Wer sich mit Nachhaltigkeit in der Geldanlage befasst, kommt zwangsläufig mit einer Vielzahl von Abkürzungen, Konzepten und Vorstellungen in Kontakt – und ist dann mehr oder minder auf sich allein gestellt. Interessierte Anleger und Berater sind daher gefragt, diese unterschiedlichen Perspektiven zu durchdringen und aus dem Gewirr der nationalen und internationalen Nachhaltigkeitsgedanken für sich die Idee auszuwählen, die am ehesten den eigenen Vorstellungen des nachhaltigen Investierens entspricht.

„Eine einheitliche Definition der Nachhaltigkeit bei Investments existiert nicht. Vielmehr ist es ein Wirrwarr von Einzelansätzen, die allesamt subjektiv sind. Eine eigene Definition zu entwickeln, ist aus unserer Sicht auch nicht der richtige Weg, denn dann bewegte man sich im normativen Bereich und gibt vor wie etwas sein soll, also wie etwas zu bewerten ist - aber eben nicht, wie es wirklich ist“, erläutert Dr. Christian Funke, Gründer und Vorstand der Frankfurter Vermögensverwaltung Source For Alpha. 

Hinzu kommt: Die verschiedenen Ratinganbieter und Research-Institute agieren alle sehr unterschiedlich und bewerten daher Unternehmen unterschiedlich. Will heißen: Für die einen könne ein Unternehmen nachhaltig sein, für die anderen aus verschiedensten Gründen wiederum nicht. „Daher haben wir uns entschlossen, für unseren eigenen nachhaltigen Fonds Better Future Aktien Global kein Expertengremium einzusetzen, um eine weitere Meinung zu entwickeln, sondern schlicht und ergreifend auf das Wissen aller Fondsmanager zu bauen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Die Kernfrage für uns war: Was ist der gemeinsame Nenner aller Nachhaltigkeits-Manager?“


Erfolgreicher systematischer Investmentprozess

Und der Ansatz funktioniert vergleichsweise einfach: Fondsmanager nutzen sehr unterschiedliche Ansätze zur Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Und so zeigt eine kontinuierliche Analyse der Portfolios von 65 Nachhaltigkeitsfonds mehr als 1200 verschiedene globale Aktien, die bei Source For Alpha in die engere Auswahl des Better Future Aktien Global kommen. Der Fonds feierte kürzlich den ersten Geburtstag und besteht aus einem Portfolio von 50 nachhaltigen Titeln. Aus dem Universum von mehr als 1200 Aktien qualifizieren sich in Stufe 2 aktuell zunächst ca. 110 Titel, die auch von sehr vielen anderen nachhaltigen Aktienfonds gewählt werden (Auswahlhäufigkeit in Relation zur Marktkapitalisierung). Über den erfolgreichen systematischen Source For Alpha-Investmentprozess werden aus diesem Aktienuniversum durch die Selektion nach Risiko-Rendite-Kriterien die optimalen Aktien herausgefiltert.

Das folgt folgendem Ansatz: „Einige Fondsmanager verlassen sich auf Expertenmeinungen, andere auf den objektiv messbaren CO2-Abdruck und wieder andere auf quantitative Kriterien wie die ESG-Kriterien. Somit decken wir eine marktbreite Meinung über die verschiedenen Nachhaltigkeitsideen und -erkenntnisse ab und schaffen einen wirklich objektiven Ansatz, um den allgemein herrschenden Wirrwarr aufzulösen und unseren bekannten und anerkannten regelbasierten Investment. Damit bedienen wir uns der Schwarmintelligenz“, sagt Vorstandsmitglied und Fondsmanager Dr. Timo Gebken.


Durch Wettbewerbsanalyse Nachhaltigkeit systematisch bewerten

Der Hintergrund: Die Schwarmintelligenz geht davon aus, dass sehr viele Entscheider gemeinsam zu sehr guten Ergebnissen kommen. Ein Beispiel: Der Erfolg passiver Indexfonds (ETFs) beruht auf diesem Konzept. Es sei laut Fondsmanager Dr. Funke für einzelne Anleger sehr schwer, den Markt zu schlagen, da die durchschnittliche Meinung aller Marktteilnehmer (des Schwarms) ein sehr guter Schätzer für den fairen Wert einer Firma sei. Daher mache es häufig Sinn, einfach den gesamten Markt in Form eines passiven Indexfonds zu kaufen. 

„Gleiches gilt eben auch für nachhaltiges Investieren: Unsere kontinuierliche Wettbewerbsanalyse erlaubt, Nachhaltigkeit systematisch zu bewerten. Wir durchleuchten die Vermögenswerte in den Portfolios der Nachhaltigkeits-Fonds auf Ebene der Einzeltitel anhand der Jahresberichte. Dabei zeigt sich, dass bestimmte Aktien von vielen Fondsmanagern mit unterschiedlichen diskretionären Ansätzen als nachhaltig eingestuft werden. Die Aktien, welche am häufigsten gewählt wurden, werden Teil unseres nachhaltigen Aktienportfolios innerhalb des Better Future Aktien Global Fonds.“

Das Konzept ist erfolgreich. Der Fonds hat in den zwölf Monaten seit der Auflage Anfang September 2019 annähernd zehn Prozent zugelegt, weist ein positives Rendite-Risiko-Verhältnis auf (Sharpe Ratio: 0,36) und hat ein Volumen von aktuell mehr als zehn Millionen Euro.


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