Negativzinsen bescheren Rentenversicherung Verluste

Für die Rentenversicherungen ist die aktuelle Niedrigzinspolitik der EZB ein harter Einschnitt. Wo es damals für angelegte Gelder eine Verzinsung gab, da müssen heute Strafzinsen gezahlt werden. Für die Versicherungen ergeben sich somit Verluste in Millionenhöhe.

Die europäische Zentralbank verfolgt seit der Finanzkrise aus 2008 eine Nullzinspolitik. Während dieses Vorgehen die Wirtschaft beflügelte, mussten vor allem Sozialversicherungen und staatliche Fonds tiefe Einschnitte hinnehmen. Die Sozialversicherungen und die staatlichen Fonds realisieren lediglich Minirenditen. Zudem werden die gehorteten Milliarden mit Negativzinsen belegt. Die Negativentwicklung geht nun soweit, dass auch die gesetzliche Rentenversicherung im vergangenen Jahr erstmals negative Vermögenserträge von 49 Millionen Euro ausweisen musste. Laut Wilfried Husmann, dem Finanzchef der Deutschen Rentenversicherung, soll auch für das aktuelle Jahr soll ein vergleichbarer negativer Wert realisiert werden.

Das billige Geld der EZB soll die Konjunktur und die Inflation ankurbeln. Um der Finanzkrise entsprechend zu begegnen, senkte die EZB die Leitzinsen sukzessive. Seit Jahren liegt dieser Leitzins bei einem Niveau von null Prozent und soll mindestens bis Sommer 2019 auf diesem Niveau verweilen. Um die Kreditvergabe und somit den Konsum zu stimulieren, werden Nationalbanken wie die Bundesbank zu Zahlung von Strafzinsen verpflichtet, wenn diese Geld bei der EZB parken. Schlussendlich werden die Strafzinsen auch an die Rentenversicherungen weitergegeben, denn diese horten einen Teil des Geldes bei den Nationalbanken und müssen die Negativzinsen bezahlen.

 

Auch andere Sozialkassen haben finanzielle Probleme

Laut dem vorliegenden Bericht des Handelsblatts haben auch weitere Sozialkassen Probleme mit den Niedrigzinsen. Insbesondere die gesetzlichen Krankenkassen sind davon betroffen. So musste die AOK-Gemeinschaft im ersten Halbjahr rund sechs Millionen Euro Negativzinsen leisten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 25 Prozent. In Zukunft sieht Andreas Grein, der Chef des Finanzmanagements beim Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen, eine schlimmere Entwicklung, denn die guten Konditionen bei einigen Banken laufen schlichtweg aus.

Bestätigt wird diese Entwicklung auch durch Thomas Thierhoff, dem Geschäftsbereichsleiter Finanzen und Controlling bei der Techniker Krankenkasse. Insbesondere die vergangenen Monate sorgten für eine weitere Zuspitzung der Lage. Die Techniker Krankenkasse musste bereits drei Millionen Euro Negativzinsen im vergangenen Jahr zahlen. Neben den zahlreichen Krankenkassen muss auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine rückläufige Entwicklung verzeichnen. Sämtliche Beitragseinnahmen werden durch die Behörde in Tagesgelder oder kurzfristige und kündbare Termineinlagen investiert. Durch das schwache Zinsumfeld sank die erzielte Rendite stark ab. Konnte die Behörde 2012 noch eine Rendite von 0,174 Prozent realisieren, so sank diese im vergangenen Jahr auf einen Tiefstwert von 0,01 Prozent.