Neue Steuer-Gesetze in Luxemburg: Bei welchen Fonds Sprengstoff lauert

Seit Januar hat auch Luxemburg die europäische Richtlinie gegen Steuervermeidung umgesetzt. Vor allem in den Vertragswerken älterer Fonds könnten Fallstricke lauern. Welche Fonds betroffen sein könnten und wie die Branche mit den neuen Gesetzen umgeht.

Als Ende 2014 die Lux Leaks einen Steuer-Skandal auslösten und Steuervermeidungspraktiken internationaler Konzerne wie Apple, Amazon, Ikea oder eBay in Luxemburg aufdeckten, wurde schnell der Ruf nach strengeren Gesetzen und EU-weiten Regeln laut. 2016 verabschiedete die EU als Reaktion darauf die erste Anti Tax Avoidance Directive (ATAD). Seit Januar ist diese Richtlinie nun auch in Luxemburg mit neuen Anti-Missbrauchsregelungen umgesetzt worden. 

Viele Finanzdienstleister und auch einige Anleger wurden im Zuge der Umsetzung nervös und fürchteten höhere Kosten – schließlich setzt die ATAD genau da an, wo Gesellschaften über mehrere internationale Rechtsräume verteilt agieren. Dies betrifft auch Anlagefonds aus Luxemburg. Doch wie wirken sich die neuen Steuergesetze denn nun wirklich auf Fonds aus und müssen Investoren in Deutschland höhere Kosten und damit eine geringere Rendite fürchten? 

Bei Shareholder Loans greift künftig die Zinsschranke

 „Die ATAD und deren Umsetzung in Luxemburg ist nur ein Gesetz von vielen. Bereits in der Vergangenheit gab es mit der AIFM-Richtlinie oder MiFID II Entwicklungen hin zu mehr Transparenz. Auch im steuerlichen Bereich ist seit Jahren klar, dass aggressive Strukturen keine Dauer haben. Unternehmen aus der Finanzindustrie, die ihre Hausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht haben, können auch die Herausforderungen der ATAD 1 (und bald ATAD 2) meistern oder sind bereits darauf vorbereitet“, erklärt Sabine Leuschner, Expertin für internationales Steuerrecht bei der Beratungsgesellschaft Mazars. 

Noch am ehesten von den Folgen der Richtlinie betroffen sieht Leuschner Immobilien- und Private-Equity-Fonds mit Struktur in Luxemburg. Das liegt daran, dass das ATAD 1 Umsetzungsgesetz unter anderem Zinszahlungen an Portfoliounternehmen (Shareholder Loans) mit Hilfe einer sogenannten Zinsschranke begrenzt. Der Einsatz von Fremdkapital, der sich dank anfallender Zinsen bis Januar 2019 in Luxemburg noch zum Teil steuermindernd ausgewirkt hat, ist nun deutlich eingeschränkt. 

Betroffen könnten vor allem diejenigen Fonds sein, die bestehende Spielräume in der Vergangenheit stark ausgenutzt und ihre Vertragswerke nicht bereits angepasst haben. „Die überwiegende Mehrheit der Fondsgesellschaften muss die Folgen der ATAD nicht fürchten, da die Neuregelung nicht für AIF, OGAW, Pensionsfonds und andere Unternehmen im Sinne der ATAD gilt. Jedoch sollten generell die Strukturen der Fonds überprüft werden. Gerade bei Beteiligungen, die mehrere Jahre zurückliegen, kann das im Zuge der neuen Rahmenbedingungen für Investoren negative Folgen haben“, erklärt die Steuerberaterin und rät Unternehmen aus der Finanzbranche dazu, seit langem bestehende Vertragswerke prüfen zu lassen. 

Großteil der Fondsindustrie war auf die ATAD vorbereitet 

Kaum Auswirkungen der ATAD sieht Leuschner bei Aktienfonds. Diese seien meist anders konzipiert und verzichten anders als Immobilien- und Private-Equity-Fonds auf Zweckgesellschaften (Special Purpose Vehicles). „Aktienfonds agieren in der Regel innerhalb einer Dachfonds-Zielfonds-Struktur. Shareholder-Loans kommen dabei regelmäßig nicht zum Einsatz, folglich greift auch die Zinsschranke nicht“, so Leuschner. Eigner von Aktienfonds müssen also nicht mit einer sinkenden Rendite im Zuge der ATAD rechnen. 

Innerhalb der Branche wird das seit Januar in Luxemburg geltende Gesetz als Teil eines Trends gesehen, der bereits 2012/2013 mit dem BEPS (Base Erosion Profit Shifting) begonnen hat und Steuerschlupflöcher vermeiden will. Auch für die meisten Anleger wird die Umsetzung der ATAD keine Folgen haben. In Einzelfällen kann es vor allem bei älteren Fondskonstrukten aus den Bereichen Private-Equity und Immobilien aber zu unliebsamen Überraschungen kommen. 

Die heute geltende Zinsschranke sieht vor, dass abziehbare Fremdkapitalkosten auf den Betrag steuerbarer Zinserträge zuzüglich maximal dreißig Prozent des für diese Zwecke modifizierten EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände) beschränkt sind. Im Kontrast zu ehemals in Luxemburg und anderen so genannten „Steueroasen“ möglichen Gestaltungen, ist der Spielraum damit deutlich kleiner geworden. 

„Investments in Steuerschlupflöcher grundsätzlich überdenken“ 

Je nach Strategie und Anlagegeschick betroffener Fonds kann die unterschiedliche Besteuerung über Gewinn und Verlust entscheiden. Anleger, die ältere Immobilien- oder Private-Equity-Fonds mit Struktur in Luxemburg im Depot haben, sollten unbedingt einen Blick in das Wertpapierprospekt werfen oder direkt bei ihrer Fondsgesellschaft nachfragen. Jeder Fonds, der auf Shareholder Loans und hybride Gestaltungen sowie Strukturen in Niedrigsteuerländern setzt, sollte noch einmal überprüft werden. 

In der Praxis gestaltet sich das jedoch insbesondere für Privatanleger mitunter schwierig. Bleibt die Nachfrage bei der Fondsgesellschaft. Auch mit Blick auf künftige Steuergesetze rät Mazars-Steuerberaterin Leuschner dazu, Investments nicht ausschließlich aus steuerlichen Gesichtspunkten einzugehen. „Anlagen, die nur deswegen rentabel sind, sind keine tragfähigen Investments und sollten überdacht werden“, so die Steuer-Expertin.