Neue "Zombiebanken" in Europa?

Während die Gesetzgeber der EU daran arbeiten, wie sie ihren Banken mehr Spielraum verleihen können, sehen die Aufsichtsgremien in Europa diese Maßnahmen überaus kritisch. Es werden deutliche Warnungen an die Legislative weitergegeben, die darauf hindeuten, dass die neuen Gesetze zu neuen Problemen mit den Banken führen können. Wie steht es um die Banken und inwiefern können sich die neuen Gesetze auswirken?

Noch immer belasten die Banken in Europa verschiedene Rückstände rund um die Finanzkrise. Geht es nach dem Willen der Gesetzgeber in der Europäischen Union, soll es für die Banken in der Zukunft deutlich einfacher werden, eben diese toxischen Papiere aus den Büchern zu bekommen. Allerdings sorgen bereits die angekündigten Maßnahmen für deutliche Kritik von Seite der Europäischen Zentralbank EZB. "Die Banken, die immer konservativ gearbeitet haben, werden bestraft. Die Banken, die faule Kredite in der Bilanz vor sich hergeschoben haben, werden belohnt", wird der Generaldirektor in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Unrecht hat er damit nicht, denn in der Tat scheint das neue Gesetz eben jene Banken zu vergünstigen, die sich bisher erfolgreich geweigert haben, die nötigen Schritte einzuleiten, um sich von den Papieren zu trennen.

Effektiv sieht das neue Gesetz vor, dass der Verkauf von toxischen Papieren in den nächsten Jahren vollkommen ohne negative Abschreibungen passieren kann. Darüber hinaus ist keine neue Kapitaldecke für diesen Vorgang nötig. Nach der Ansicht der EZB ermuntert die EU damit die Banken, auch in der Zukunft die fragwürdige Vergabe von Krediten beizubehalten, die einen deutlichen Einfluss auf die Wirtschaftskrise vor einigen Jahren hatte. Gerade der Mangel an Rücklagen und Kapital wird von den Ökonomen bemängelt, gab es doch in den Risiko-Modellen gerade in diesem Bereich massive Kritik an den Vorgängen innerhalb der Finanzinstitute. 


Problematische Kreditvergabe führt zu Krisen

Ein Grund für die neue Gesetzgebung findet sich vor allem in Italien. Hier haben die Banken unzählige faule Papiere in den eigenen Bilanzen. Die Modelle der EZB, die einen Stresstest vorsehen, zeigen recht deutlich, dass die Institute bei einer neuerlichen Krise wohl ernsthafte Probleme bekommen könnten, wenn die entsprechenden Anlagen in den eigenen Büchern fällig werden. Daher wäre es mit dem neuen Gesetz möglich, mit einem entsprechenden Puffer zu arbeiten, um die toxischen Anleihen möglichst schnell aus den Bilanzen zu tilgen. Bei dem Verkauf der entsprechenden Darlehen gibt es aber ein Risiko. Sofern ein Investor die Papiere übernimmt, kann er die daraus resultierenden Forderungen fällig stellen - der Kreditnehmer wäre damit sofort in einer Zwangslage.

Die EZB sieht keinen Grund für die schnelle Abschreibung. Das dürfte die Gesetzgeber der EU aber nicht daran hindern, das neue Gesetz in den nächsten Wochen zu verabschieden. Zu groß ist der Wunsch, dass der Bankensektor in Europa wieder arbeiten kann, ohne Rücksicht auf die Vergabe bei Darlehen an nicht bonitätsgetreue Kunden zu achten.