Neuer Goldriese: Barrick und Randgold gehen zusammen

Die Randgold-Aktionäre werden (reichlich) sechs Barrick-Aktien für eine Randgold-Aktie erhalten. Es entsteht ein Goldminenriese, der am Ende zu zwei Dritteln den Barrick-Eignern gehört: Barrick schluckt also eigentlich Randgold. Der neu entstandene Konzern wird einen Marktwert von über 18 Milliarden Dollar haben und damit zur Nummer eins werden, weil der gegenwärtige Champion Newmont Mining Corporation derzeit mit nur 17 Milliarden Dollar bewertet wird. Dennoch wurde die Barrick-Randgold-Fusion im Grunde aus einer echten Not geboren. Der Goldpreis fällt nämlich nunmehr seit 2011. Damals hatte er in einer Jahrtausendrallye ein Allzeithoch jenseits der 1.900 Dollar pro Feinunze erreicht, dann ging es bergab. Die Rallye hatte sich ab 2002 nach dem Platzen der Dotcom-Blase entwickelt, doch irgendwann erschien allen Anlegern der Goldpreis überhitzt. Sein Sinken brachte die Minenunternehmen stark unter Druck. Sie fuhren ihre Produktion zurück und bauten Stellen ab. Bei Barrick Gold sank der Output im Jahr 2017 auf 5,3 Millionen Unzen, 2007 hatte das Unternehmen noch über acht Millionen Unzen produziert. Die Randgold-Produktion beträgt derzeit jährlich rund 1,3 Millionen Unzen. Der Kostendruck auf die Produzenten war zwar in den letzten Jahren durch niedrige Energiepreise gesunken, das glich die kleineren Margen etwas aus. Doch inzwischen steigt der Ölpreis wieder. Die Gewinnaussichten für Goldproduzenten sind derzeit düster.


Sinkende Aktienkurse der Goldproduzenten

Barrick-Aktien hatten 2011 auf dem Höhepunkt der Goldpreisrallye um 50 kanadische Dollar gekostet. Derzeit notieren sie bei 13,50 Kanada-Dollar. Einen ähnlichen Effekt gab es bei Randgold und allen anderen Produzenten. Dennoch steht die vorrangig in Afrika schürfende Firma Randgold Ressources nach der Meinung von Experten vergleichsweise gut da. Das liegt am ausgezeichneten Randgold-Management, von dem das größere Unternehmen Barrick lernen kann. Die Kanadier tätigten zuletzt mehrfach Fehlinvestitionen und mussten daher Milliardenabschreibungen vornehmen. Barrick dürfte einen Blick auf die Fachleute bei Randgold geworfen haben und auch deshalb die Fusion vollziehen. Dafür spricht auch die Aufstellung der Führungsetage im neuen Konzern: Ihr gehören John L. Thornton als Barrick Executive Chairman sowie Marc Bristow als Randgold-CEO an. Bristow erhält zusätzlich den Titel als "President". Barrick könnte sich nun erholen, denn der Konzern musste bei der Vorlage seiner Geschäftsergebnisse Anfang 2018 Abschreibungen über knapp drei Milliarden Dollar und Schulden von 13 Milliarden eingestehen, die vorrangig aus der fehlgeschlagenen Übernahme des Kupferunternehmens Equinox herrühren.


Neuer Champion unter den Goldminen?

Die Fusion folgt einer wirtschaftlichen Logik, die durch Synergien einen neuen Champion unter den Minenbetreibern schaffen soll. Im Grunde passen die beiden Unternehmen auch recht gut zusammen, sie verfolgen ähnliche Strategien. Zu diesen gehört die strikte Kostensenkung, die darauf ausgerichtet ist, auch bei einem Goldpreis um 1.000 Dollar pro Feinunze noch Gewinne erzielen zu können. Diesen Preis vermuten Marktbeobachter schon seit einigen Jahren. Mit seinem jüngsten Tief Anfang 2016 bei rund 1.050 Dollar war das Gold diesem Preis schon gefährlich nahe gekommen, aktuell (25.09.2018) notiert es bei 1.200 $/oz. Goldproduzenten müssen daher zwingend günstiger fördern, sonst überstehen sie den nächsten Preisrutsch nicht. Die Fusion ist deshalb eine im Grunde vernünftige Idee, wenn sie wirklich die erhofften Synergien bringt. Doch es gibt gegen sie auch Vorbehalte vor allem vonseiten der Barrick-Aktionäre. Diese befürchten, sich mit Randgold zusätzliche geopolitische Risiken aufzuladen, denn die Produktion in Afrika muss per se als unsicher gelten. Nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen können jederzeit ausbrechen, es gibt auch Schwierigkeiten mit den dortigen Arbeitern (so in der Elfenbeinküste) und Regierungen (Steuerstreit in Mali, schärfere Regulierungen im Kongo). Möglicherweise verschafft den beiden Unternehmen ihre Fusion auch nur ein kurzfristiges Aufatmen, denn andere Branchenriesen ziehen nach. So könnte Newmont Mining inzwischen einen Blick auf Barrick-Randgold geworfen haben und das neue Großunternehmen schlucken wollen. Aus der Geschäftsführung von Newmont gibt es dazu allerdings noch keine Statements.