Hat Nike ein Sexismus-Problem ?

Eine "unbequeme" und "gefährliche" Kultur

Mehr als 50 Mitarbeiter, die zum Teil schon aus dem Unternehmen ausgeschieden sind, wurden von der "New York Times" zum Thema "sexuelle Belästigung" befragt. "Irgendwann musste ich realisieren, dass ich keine Karriere machen kann, weil ich eine Frau bin", so eine Befragte. Immer wieder endeten Mitarbeiterbesprechungen in einem Strip-Club; per E-Mail wurden klare Anspielungen auf die Figuren der Mitarbeiterinnen gemacht. "Wir haben eine Kultur erlebt, die gestört, bedrohlich, unbequem und auch unfair war", so eine nicht mehr im Unternehmen beschäftigte Frau. "Ich habe gehofft, dass sich irgendwann etwas ändern wird, sodass ich wieder in Nike glauben kann." Mehr als 74.000 Menschen arbeiten für Nike - rund 50 Prozent sind Frauen. Aber wer sich mit der Hierarchie befasst, der wird schnell feststellen, dass es in den oberen Führungsetagen kaum noch Damen gibt. 29 Prozent der Vizepräsidenten und 38 Prozent der Direktoren sind weiblich.

Auch Edwards und Martin mussten gehen

Es war eine Gruppe von Angestellten, die in der Zentrale in Beaverton (USA) saßen und zu dem Entschluss kamen, dass es nun endgültig reichen muss. So starteten sie eine interne Umfrage und kontaktieren ihre Kolleginnen, ob diese schon einmal diskriminiert oder sexuell belästigt wurden. Die Fragebögen wurden dann Anfang März dem Nike-Chef Mark Parker vorgelegt. In weiterer Folge kam es zur Entlassung von sechs Top-Managern - darunter befand sich auch der mögliche Parker-Nachfolger Trevor Edwards. Auch Jayme Martin, der bislang für das Nike-Auslandsgeschäft zuständig war, wurde entlassen.

Kein neues Problem

"Es ist eine singuläre Gruppe von Top-Managern, die immer weggeschaut und sich gegenseitig beschützt haben. Wir wollen das nicht mehr dulden", so eine Sprecherin. Auch Parker, der Nike-Chef, meldete sich zu Wort: "Es schmerzt, wenn es Bereiche gibt, in denen Verhaltensweisen geherrscht haben, die keinesfalls mit unseren Werten Hand in Hand gehen können." Doch sexuelle Belästigung ist kein neues Problem für den Sportartikel-Hersteller: 2017 gab es bereits Kritik am "VaporMax"-Werbespot - vom Damenschuh sah man reichlich wenig, vorwiegend war die Trägerin FKA Twigs, eine Sängerin, im Mittelpunkt, deren Bewegungen mehr an einen Striptease erinnerten.