Nissan-Renault-Chef Carlos Ghosn festgenommen: Korruptionsvorwürfe

Carlos Ghosn sorgt für Unsicherheit an den Finanzmärkten - die Aktienkurse der Automarken Nissan und Renault mussten deutliche Verluste einstecken. Hintergrund ist die Verhaftung des Chief Executive Officers - Carlos Ghosn - der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz. Er soll sich vielfacher Verstöße gegen Börsenauflagen und der Steuerhinterziehung schuldig gemacht haben. Der Topmanager wurde am Montag nach einer Hausdurchsuchung bei Nissan in Yokohama und polizeilicher Befragung in Untersuchungshaft festgehalten.

Der mit dem britischen "Knight Commander"-Orden ausgezeichnete 64-Jährige soll seit 2011 sein Einkommen falsch deklariert haben. 5 Milliarden Yen, was etwa 40 Mio. EUR entspricht, sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren nicht angegeben worden sein, was interne Ermittlungen ergaben. Die gleiche Summe wurde ihm als offizielles Gehalt zugestanden. Zudem wird Ghosn zur Last gelegt, dass er Unternehmensgeld für private Zwecke umleitete. Einige Vorwürfe der seit Monaten laufenden Untersuchung treffen auch auf den Nissan-Direktor Greg Kelly zu.


Von Frankreich aus Japan erobert

Ghosn, der die brasilianische, französische und libanesische Staatsbürgerschaft besitzt, ist als harter Sanierer in der Branche bestens bekannt. Insbesondere in Japan hat er sich damit keine Freunde gemacht. 1996 stellte ihn Renault als Executive Vice President ein - durch einen strikten Sanierungskurs brachte er das Unternehmen innerhalb eines Jahres aus den roten Zahlen. Nachdem Renault 44,4 Prozent der Nissan-Aktien erwarb, wurde Ghosn 1999 auch dort als Retter in der Not des damals schwer angeschlagenen Konzerns engagiert.

Die Angestellten des japanischen Autobauers mussten damals einen schweren Kulturschock verdauen, denn über 20.000 Werktätige wurden entlassen, ganze Werke geschlossen und Arbeitsabläufe radikal verändert. Facharbeiter zu entlassen, sieht die japanische Arbeitsethik jedoch nicht vor, wenngleich der für japanische Verhältnisse zugleich überbezahlte Manager auch viel Lob für die Sanierung erhalten hat. Aus diesem Grund greifen nun auch viele Medien einen chinesischen Zeitungskommentar auf, der die durch einen Whistleblower angeregten Ermittlungen als späte Rache an dem Manager interpretiert.


Allianz steht in Frage

Durch die Beteiligung von Nissan an Mitsubishi ist auch diese Marke vom Skandal betroffen. Diese Allianz der Autobauer bekommt nun jedoch Risse. Es ist nun die Rede von der Ersetzung von Carlos Ghosn und auch einem Ende der Allianz zwischen den Konzernen. Mit dem französischen Staat, der 15 Prozent der Renault-Aktien hält, ist ein weiterer großer Player involviert, der nun die französichen Finanzbehörden zur genauen Prüfung einbezieht.