Ölkonzern Saudi Aramco - das größte, mächtigste, wertvollste Unternehmen der Welt?

Seit 1976 ist der Ölkonzern Saudi Aramco, ein Akronym für Arabian-American Oil Company, der einst mit US-Kapital gegründet wurde, Staatseigentum und das größte Unternehmen Saudi-Arabiens. Bald soll Saudi Aramco das mächtigste Unternehmen der Welt sein.

Weg an die Börse

Kronprinz Mohammed bin Salman hat den Saudi Aramco-Chef Amin Nasser beauftragt, das Unternehmen mit weltweit 256.000 Mitarbeitern schnellstmöglich an die Börse zu bringen. Spätestens 2019 soll es soweit sein. Salman will 5 Prozent an ausländische Kapitalgeber veräußern und kalkuliert dafür mit einem Erlös von 100 Milliarden Dollar. Damit würde Saudi Aramco den Spitzenreiter Apple mit einem Börsenwert von zwei Billionen Dollar als wertvollstes Unternehmen der Welt ablösen können.

Jeden Tag wird eine Million Barrel Öl von Saudi Aramco an die USA geliefert, etwa gleich viel kaufen Japan und Indien, Chinas Abnahme ist sogar höher als die der USA: 1,4 Millionen Barrel pro Tag.
Nach eigenen Angaben produziert Saudi Aramco etwa 12 Prozent des weltweit angebotenen Öls. Jedes achte Barrel Öl kommt somit von Saudi Aramco. Der Konzern verfüge über Reserven von 261 Milliarden Barrel. Belastbare Zahlen gab es aber bislang nicht.

Bloomberg wertet Bilanz aus

Nun konnte Bloomberg den ersten Halbjahresabschluss für 2017 auswerten, der nach dem internationalen Bilanzstandard IFRS erstellt wurde. Saudi Aramco ist laut der vorliegenden Bilanz der größte Energielieferant der Welt und erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2017 einen Gewinn von 33,8 Milliarden Dollar netto, damit fast 5 Milliarden mehr als Apple.

Die Produktionskosten sind dank der heimischen Ölquellen nicht zu unterbieten, sodass trotz der sinkenden Ölpreise immer noch profitabel profitiert werden kann. Die Kosten der Ölförderung in Saudi-Arabien werden auf 9,90 Dollar je Barrel geschätzt. Nur Kuwait kann mit 8,50 Dollar pro Barrel noch billiger produzieren.
Saudi Aramco hatte zum Bilanzstichtag 1,3 Milliarden Dollar Schulden, was angesichts der Unternehmensgröße eine fast verschwindende Zahl ist. Stattliche 13 Milliarden Dollar Dividende zahlte Saudi Aramco an die Königsfamilie, den Firmeneigner.

Reale Erfolgsaussichten oder Fata Morgana?

Die Analysten sind skeptisch. Selbst wenn der Gewinn des Unternehmens zweifellos hoch ist, so wird doch die Entwicklung der Ölbranche insgesamt durchweg pessimistisch gesehen. Angesichts der staatlichen Beteiligung von über 90 Prozent werden sich die Anleger ungern mit einem Anteil begnügen wollen, der sie der Willkür der politischen Verhältnisse im Nahen Osten aussetzt. Auch die Steuern in Saudi-Arabien sind zwischenzeitlich deutlich gestiegen. Die durch die Ölförderung erwirtschafteten Erträge werden dringend benötigt, um Sozial-und Bildungsprogramme für die heimische Bevölkerung aufzulegen.

Bloomberg bat Saudi Aramco um einen Kommentar zu den Zahlen. Das Unternehmen bezeichnete diese als unzutreffend. Man habe den Spekulationen über finanzielle Verhältnisse oder die Besteuerung des Unternehmens nichts hinzufügen.