Pandemie-Auswirkungen auf Branchen: Wenig Überraschendes

Fluggesellschaften sind die am härtesten betroffene Branche, aber auch Banken, Hersteller von Konsumgütern und personalintensive Dienstleister müssen Einbußen hinnehmen. Ein Überblick.

Die Auswirkungen der COVID19-Pandemie auf die Unternehmens-Bilanzen werden noch viele Monate sichtbar sein. In diesem Artikel fassen wir die wesentlichen Erkenntnisse der Analyse von den vier Branchen zusammen, die am stärksten betroffen waren:

  • Banken
  • Personalintensive Dienstleister
  • Fluggesellschaften
  • Konsumgüterhersteller

Hierfür nutzen wir das proprietäre Kredit-Frühwarnsystem der HMT RiskControl GmbH. Dieses ermittelt aus veröffentlichten Quartalszahlen einen Kreditscore auf einer Skala von -3 (schlecht, hohe Insolvenzgefahr) bis +3 (sichere Kreditqualität). Der Kreditscore basiert auf über 120 branchenspezifischen Kennzahlen und Sub-Scores. In dieser Analyse sind alle Kreditscores indiziert auf Mitte April 2020, um unterschiedliche Ausgangswerte zu nivellieren. Gewählt sind branchenweise Emittenten aus dem EuroStoxx600-Universum.


Allgemeine Kreditqualität: Fluggesellschaften trauriges Schlusslicht


Wenig überraschend ist, dass sich der stärkste Einbruch bei den Airlines zeigt. Nach jedem Quartal ging es mit den gemeldeten Bilanzdaten weiter nach unten, bisher ist keine Besserung in Sicht. Im weiteren Verlauf konzentrieren wir uns auf die anderen drei Branchen, um deren Unterschiede besser herausstellen zu können.


Profitabilität und Verschuldungsgrad: Banken stechen heraus


Bei den drei verbleibenden Branchen (die Inklusion der Fluggesellschaften hätte die Grafik unlesbar gemacht) zeigt sich, dass sich Banken im Bereich Verschuldungsgrad nach einem kurzzeitigen Rückgang auf das Ursprungsniveau verbessern konnten. Die Entwicklung dieses Scores spricht dafür, dass sie trotz deutlich gesunkener Profitabilität nicht im gleichen Maße auf Notkredite und die von der Zentralbank unterstützten Anleiheemissionen angewiesen waren. Schlechter sieht es hingegen bei Konsumgütern und Dienstleistern aus. Eine deutlich gestiegene Verschuldung dieser Branchen führt dazu, dass die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie signifikant über dem langfristigen Mittel liegen muss, um die Emittenten nicht in Zahlungsnöte zu bringen. Bemerkenswert ist ebenfalls die leichte Erholung der Profitabilität ab dem dritten Quartal, deren weiterer Verlauf mit den demnächst zu erwartenden Q4-Meldungen zu beobachten ist.


Bilanzqualität und -Fristigkeit: Hohe Neuverschuldung verbessert kurzfristig die Lage


Der Sub-Score Bilanzqualität bewertet neben der Kassenquote u.a. Rückstellungen im Kreditbereich und andere Vorsorgepositionen. Hier mussten die Banken Einbußen hinnehmen, die sich im Score schlechter auswirken als in den anderen Branchen. Eine weitere Verschlechterung kann im aktuellen Jahr erwartet werden, wenn die Jahresbilanzen der Kleinen und Mittelständischen Unternehmen (KMU) zu Neubewertungen der KMU-Kredite führen und weitere Vorsorge erforderlich machen.

Beim Sub-Score Fristigkeit der Bilanzstruktur konnten die meisten Unternehmen die überaus günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten, getragen durch Notkredite und Zentralbank-Ankaufprogramme, nutzen, um ihre Passivseite langfristiger und damit resilienter zu machen. Wie allerdings anfangs am Sub-Score Verschuldungsgrad gezeigt wurde, ist diese Entwicklung nicht nur positiv.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lage für Fluggesellschaften dramatisch aussieht und für andere Branchen zumindest durchwachsen. Der Vollständigkeit halber muss auch erwähnt werden, dass es im HMT Frühwarnsystem keine Branche gibt, die sich in der Krise nennenswert verbessern konnte. Diese Analyse war auf Branchen gefiltert, deren Kreditscore-Veränderung seit April 2020 mindestens 0,3 Scorepunkte auf der Skala von -3 bis +3 betrug. Keine Branche konnte eine Verbesserung in dieser Höhe verzeichnen.