Payment-Dienstleister Stripe streicht Bitcoin-Unterstützung

Der Online-Zahlungsdienstleister Stripe akzeptiert keine Bitcoin-Zahlungen mehr. Das Unternehmen reagiert mit diesem Schritt auf die zunehmend langsame Transaktionsabwicklung und steigende Gebühren.

2014 war ein gutes Jahr für den Bitcoin. Große Unternehmen wie der Online-Versandhändler Overstock, der Computerhersteller Dell und das Online-Reisebüro Expedia verkündeten, die Kryptowährung als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Auch Stripe gehörte zu den Early Adopters. Doch nun hat der aufstrebende Anbieter von Online-Bezahllösungen für kleine und mittlere Unternehmen die Unterstützung für den Bitcoin eingestellt.


Zu langsam und zu teuer

Stripe hatte diesen Schritt bereits im Januar angekündigt. Produktmanager Tom Karlo schrieb auf dem Unternehmensblog, der Bitcoin eigne sich immer weniger als Zahlungsmittel. Die Wartezeit bis zur Bestätigung einer Transaktion habe massiv zugenommen. Zusammen mit den enormen Kursausschlägen führe dies dazu, dass zum Zeitpunkt der Transaktionsbestätigung der in Euro oder Dollar umgerechnete Zahlungsbetrag oft nicht mehr stimme. Die Zahl der Kunden, die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptierten, sinke deshalb.

Tatsächlich stiegen die Bestätigungszeiten ab der zweiten Hälfte des letzten Jahres massiv an und gipfelten am 27. Januar 2018 bei fast 42 Stunden. Heute liegen sie wieder bei rund 15 Minuten. Grund für die massiven Schwankungen ist die mangelnde Skalierbarkeit der Bitcoin-Blockchain. Da die maximale Blockgröße auf ein Megabyte beschränkt ist, kann das Bitcoin-System bloß sieben Transaktionen pro Sekunde bewältigen. Zum Vergleich: Das Visa-Netzwerk wickelt in Spitzenzeiten bis zu 17.000 Transaktionen pro Sekunde ab.

Dass das Bitcoin-System zur Jahreswende zunehmend an den Anschlag kam, hatte eine weitere Folge, die Stripe auf seinem Blog bemängelte: Die Transaktionsgebühren stiegen und erreichten kurz vor Weihnachten ein Allzeithoch von durchschnittlich 55 US-Dollar pro Überweisung. Damit war eine Bitcoin-Zahlung teurer als eine Banküberweisung oder eine Kartenzahlung.


Stripe ist nicht alleine

In seinem Blogbeitrag betonte Karlo jedoch, dass Stripe gegenüber Kryptowährungen grundsätzlich positiv eingestellt bleibe. Das Unternehmen könne sich vorstellen, künftig andere Kryptowährungen zu akzeptieren. Zudem sei eine erneute Unterstützung des Bitcoins denkbar, falls sich die Transaktionsgeschwindigkeit dank Lightning oder einer anderen Erweiterung des Bitcoin-Systems verbessere.

Stripe ist nicht das einzige Unternehmen, das den Bitcoin in seiner heutigen Form infrage stellt. Steam, die größte Verkaufsplattform für Computer-Games, nimmt seit letztem Dezember keine Bitcoin-Zahlungen mehr entgegen. Reddit folgte Ende März. Auch Dell stellte im vergangenen Jahr seinen Pilotversuch mit dem Bitcoin ein.

Doch nicht alle Unterstützer der ersten Stunde sind abgesprungen. So halten Overstock und Expedia an ihrem Bitcoin-Experiment fest. Overstock lancierte kürzlich gar eine eigene Kryptowährung. Etwas ambivalenter ist die Haltung von Microsoft. Der Softwaregigant akzeptiert den Bitcoin zwar nicht mehr als Zahlungsmittel für seine Produkte. Amerikanische Kunden können aber mit der Kryptowährung weiterhin ihr Kundenkonto aufladen.