Paystack – aussichtsreiches FinTech-Start-up aus Nigeria

Der nigerianische Online-Zahldienst Paystack mit Sitz in Lagos hat in der Serie-A-Finanzierungsrunde Kapital in Höhe von 8 Millionen Dollar von Visa, Tencent und dem amerikanischen Online-Zahldienst Stripe erhalten.

Die Gesamtinvestition von Paystack beläuft sich auf mehr als 10 Millionen US-Dollar. Zu den bestehenden Investoren gehören Y Combinator, Comcast Ventures Catalyst Fund, Blue Haven Ventures und Ventures Platform.

Paystack wurde 2015 gegründet und ermöglicht angeschlossenen nigerianischen Unternehmen, Zahlungen per Mastercard-, Visa und Verve von jedem beliebigen Ort auf der Welt binnen von 30 Minuten zu akzeptieren. Unternehmen können Zahlungen durch eine registrierte Kundenkarte, per QR-Code, USSD-Zahlung und seit Juli 2017 per Banküberweisung in kurzer Zeit prüfen und verbuchen.

Auch Zahldienste, bei denen die Telefonkarte eines Benutzers in ein Bankkonto verwandelt wird, von sodass eine Zahlung erfolgen kann, sind in das Angebot von Paystack integriert. Paystack arbeitet dazu nicht nur mit allen großen Banken Nigerias zusammen, sondern auch mit allen großen Mobilfunkanbietern. Laut der Weltbank ist das mobile Zahlen der vielversprechendste Weg zu einer finanziellen Inklusion ganz Afrikas. Während der Anteil der Erwachsenen mit Bankkonten in Subsahara-Afrika konstant niedrig bleibt, ist die Zahl derjenigen, die mobile Zahldienste verwenden um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Derzeit sind bereits mehr als 17.000 größere Unternehmen - darunter Dominos, das afrikanische Mobilfunkunternehmen MTN, das Transportnetzwerk Taxify und die Regierungsbehörde Lagos Internal Revenue Service bei Paystack registriert. Nur zwei Jahre im aktiven Geschäft wickelt Paystack schon jetzt 15 Prozent aller Online-Zahlungen in Nigeria ab.

Paystack will das Wachstum fortsetzen und auch über Nigeria hinaus, zunächst nach Ghana expandieren. Derzeit sei Paystack das einzige Unternehmen, das die Grundlagen für eine funktionierende Finanzinfrastruktur afrikanischer Unternehmen anbiete, erklärte der CEO und Mitbegründer von Paystack, Shola Akinlade. Er beziffert den Gesamtbetrag der monatlich über Paystack transferierten Beträge auf über 20 Millionen US-Dollar.

Shola Akinlade ist Informatiker und arbeitete vor der Gründung von Paystack bei Heineken und dann als Berater von Softwareprojekten nigerianischer Banken. Dabei entdeckte er die riesige Marktlücke, die ein Start-up rund um E-Commerce-Zahlungen füllen könnte.

„Noch im Jahr 2015 war es für einen Entwickler oder Geschäftsinhaber in Nigeria sehr schwierig, schnell Online-Zahlungen zu akzeptieren. Wir haben Paystack ins Leben gerufen, weil wir glauben, dass bessere Zahlungsinstrumente eines der wichtigsten Dinge sind, die afrikanische Unternehmen benötigen, um ihr explosives Potenzial zu erschließen. Wir denken an Paystack als einen Verstärker der unglaublichen Arbeit, die afrikanische Unternehmer bereits tun. Mit besseren Technologie-Tools können afrikanische Unternehmen besser gerüstet sein, um eine wachsende Rolle in der globalen Wirtschaft zu spielen. Da sich Paystack rasant auf dem gesamten Kontinent ausbreiten möchte, sind wir begeistert, von den umfangreichen Erfahrungen von Stripe, Visa und Tencent profitieren zu können. Unser Ziel ist es, afrikanischen Händlern die Werkzeuge und Dienstleistungen zu geben, die sie benötigen, um mit den besten Unternehmen der Welt Schritt zu halten und zu gewinnen.“

 

Investoren sehen hohe Erwartungen erfüllt

Otto Williams, bei VISA verantwortlich für strategische Partnerschaften, FinTechs und Ventures für Visa in Mittel- und Osteuropa, Naher Osten und Afrika (CEMEA) erklärte zu den Gründen für das Investment von VISA in den afrikanischen Zahldienst:

„Afrika spielt eine zentrale Rolle bei der langfristigen Wachstumsstrategie von Visa, insbesondere wenn man bedenkt, dass Bargeld immer noch die primäre Zahlungsoption für Millionen Menschen auf dem Kontinent ist. Unsere Investition in Paystack passt zu den Investitionen, nach denen wir suchen. Sie werden dazu beitragen, unsere Reichweite in das globale Commerce-Ökosystem zu erweitern, wenn es sich ändert, wächst und allen Beteiligten wechselseitig vorteilhafte Geschäftschancen bietet.“

Patrick Collison, CEO von Stripe begründete sein Investment damit, dass er das Team von Paystack als „sehr technikaffin, fanatisch kundenorientiert und unerbittlich geduldig“ wahrnehme.

„Wir freuen uns, solche Menschen in einer der am schnellsten wachsenden Regionen der Welt zu unterstützen.“

Das 2009 von den Brüdern Patrick und John Collision in San Fransisco gegründete Unternehmen Stripe bietet Online-Zahldienste bereits in 25 Ländern an und ist seit Juni 2017 auch in Deutschland aktiv.

Wie der E-Commerce-Zahldienst des Investors bietet Paystack leistungsstarke APIs über die mit nur wenigen Codezeilen Zahlungen automatisiert transferiert, Massenüberweisungen getätigt und wiederholt ausgeführte Zahlungen wiedererkannt werden können. An fünf unterschiedlichen API-Prüfstellen wird dabei die Identität der Paystack-Kunden zu Sicherheitszwecken überprüft, um Händler vor Ausgleichsbuchungen zu schützen.

 

Mobiles Zahlen – afrikanischen Zahldiensten werden enorme Wachstumschancen zugetraut

In ganz Afrika leben derzeit rund 1,3 Milliarden Menschen. Etwa 200 Millionen davon in Nigeria, der größten Volkswirtschaft des Kontinents. Nur etwa jeder fünfte Afrikaner hat ein eigenes Konto, rund 75 Prozent besitzen schon jetzt ein Mobiltelefon. Dabei ist die Zahl der Durchdringung mit Mobilfunkgeräten unterschiedlich hoch. Mit über 70 Prozent ist sie in Gabun am dichtesten, gefolgt von Ghana, Gambia und Mali, wo über 60 Prozent aller Einwohner ein Mobiltelefon besitzen. Mit einem weiteren Anstieg der Zahlen von Mobilfunkteilnehmern in Milliardenhöhe wird gerechnet.

Zahlungsdienste, die mobiles Zahlen ermöglichen, finden hier viele Kunden, die dem Banksektor nicht zugänglich sind. Experten prognostizieren daher der afrikanischen FinTech-Branche ein Wachstum um das Fünfzehnfache auf bis zu 3 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2020.

Mit dem Investment in Paystack setzt sich der Erfolg der afrikanischen FinTech-Start-ups fort, der 2014 mit dem kenianischen M-Pesa in Nairobi, auch „Silicon Savannah“genannt, begonnen hatte. 24,2 Millionen Euro wurden 2015 von Investec in den südafrikanischen Zahldienstleister wiGroup investiert. Weitere vielversprechende FinTech Start-ups aus Afrika sind der kenianische Zahldienst BambaPOS und Shield Finance, Zeepay Mobile Financial Services aus Ghana und Entersekt, ein Start-up mit Niederlassung in Kapstadt.