Perfect Match: Familienunternehmen und Startups

Dass sich auf dem Markt für Startups immer wieder ungewöhnliche Synergien ergeben ist keine Neuigkeit. Ein Trend, der sich in den letzten Monaten beobachten lässt, verbindet aber gleich zwei interessante Arten von Unternehmen miteinander. Auf der Suche nach Investoren und Partnern sind die jungen Unternehmen immer häufiger in einer Kooperation mit typischen Familienbetrieben zu finden. Diese Standbeine des deutschen Mittelstands liefern die nötigen Prozesse und das typische Know-How ebenso wie die Finanzierung, die die Startups nach der ersten Finanzierung benötigen.

Auf den ersten Blick mögen diese beiden Formen der Unternehmen nur wenig miteinander zu tun haben. Startups sind bekannt für den jungen Pioniergeist, die Aufbruchstimmung in der deutschen Wirtschaft und vor allem eine starke Digitalisierung der eigenen Produkte und Prozesse. Familienunternehmen auf der anderen Seite sind ein Standbein im Mittelstand, gelten mit vielen Vorurteilen behaftet vor allem als behäbig und wenig innovativ eingestellt. Dabei ist es gerade dieses Bild, das längst der Vergangenheit angehört. Im Gegensatz zu vielen großen und mittelgroßen Konzernen in Deutschland, haben die meisten Familienunternehmen die Zeichen der Zeit erkannt und sind auf der Suche nach strategischen Partnern für das eigene Wachstum. 

Die Zusammenarbeit funktioniert vor allem deshalb, weil der Unternehmergeist in diesen Firmen gar nicht so verschieden ist, wie man es auf den ersten Blick annehmen würde. Viele heutige Familienunternehmen, die in der zweiten oder dritten Generation geführt werden, waren einst selbst Startups. Sie haben entweder als innovatives Unternehmen in einer bekannten Branche begonnen oder waren Abspaltungen von erfahrenen Mitarbeitern. Der Gründergeist ist hier also durchaus vorhanden und alles andere als neu. Aber wie kommt es überhaupt zu dieser seltenen Zusammenarbeit und welche Mittel helfen den Verantwortlichen in den Unternehmen? 

 

Matching-Plattformen als Treffpunkt für interessierte Entscheider

Die Matching-Plattformen, die heute von vielen Startups vor allem für die Suche nach Investoren eingesetzt werden, sind auch der erste Anlaufpunkt für die Zusammenarbeit zwischen Familienunternehmen und Startup. Nicht nur Investoren können sich hier registrieren, sondern auch die bekannten Player aus dem Bereich des Mittelstands. Anhand der beschriebenen Eckdaten können Gemeinsamkeiten erkannt werden. Einem Treffen und somit dem Ansatz einer langfristigen Partnerschaft steht nichts im Weg. Dabei ist es vor allem die Möglichkeit, sich einen Überblick über die neuen Spieler in der Branche zu verschaffen, die in den USA diesen Trend ausgelöst hat. Heute ist es vollkommen normal, dass Unternehmen dieser Art ihre neuen Kollegen auf den Plattformen suchen, auf denen auch die Investoren nach lohnenden Möglichkeiten suchen. 

 

Beide Seiten profitieren von der Zusammenarbeit

Natürlich ist nicht alleine der Faktor entscheidend, dass die Zusammenarbeit in der Theorie funktionieren kann. Vor allem geht es um handfeste Möglichkeiten, wie am Ende für beide Unternehmen ein Gewinn aus einer solchen Zusammenarbeit erwirtschaftet werden kann. Dabei sind die jungen Unternehmen natürlich in erster Linie an Fachwissen und Kapital interessiert. Zwar ist es für innovative Startups relativ einfach, die erste Finanzierungsrunde für den Aufbau zu stemmen, nicht aber die zweite oder dritte Runde. Investoren haben meist kurzfristige Interessen. Langfristige Zusammenarbeiten kommen nur selten zustande. An diesem Punkt sind es die regionalen Familienunternehmen, die eine Alternative bieten. 

Sie haben die Mittel und Möglichkeiten, in Projekte zu investieren und den Startups damit zur Marktreife zu verhelfen. Durch die Nähe in der Branche und das dahinter stehende Fachwissen unterstützen sie die Startups nicht nur durch Kapital, sondern auch durch den Austausch von Expertise. Man könnte sagen, dass ein junges Unternehmen vom älteren Player auf dem Markt angeleitet und für eine Weile unterstützt wird. 

Für die Familienunternehmen ist der Input aus den innovativen Startups hingegen eine Möglichkeit, die eigene Tür zu neuen Geschäftsfeldern zu öffnen. In vielen Fällen beginnt das vor allem mit einem Einstieg in die Digitalisierung. Das neue Wissen wird genutzt, um alte Prozesse auf den Prüfstand zu stellen. Gleichzeitig werden neue Kunden und Potentiale erkannt. Zudem ist es natürlich auch für diese Unternehmen eine Möglichkeit der langfristigen Investition, die im Zweifel irgendwann mit einem erfolgreichen Exit beendet werden kann. Alles in allem ist dieser Trend also eine interessante Neuerung auf dem deutschen Markt und schafft dort Synergien, wo sie am ehesten benötigt werden: im deutschen Mittelstand und in den Startups, die auf der Suche nach frischem Kapital sind.