Picnic - die deutsche Markteroberung des niederländischen Lebensmitteldienstes

Picnic, ein Lebensmittel-Lieferservice, erobert aktuell den Massenmarkt in den Niederlanden. Nun kommt das Startup, welches mittlerweile eine Marktbewertung von 100 Millionen Euro besitzt, auch auf den deutschen Markt an.
 

Ende dieser Woche wird ein neuer Lebensmittellieferdienst den deutschen Markt erobern. Hierbei handelt es sich um das niederländische Startup Picnic, welches nun den deutschen Markt ins Auge gefasst hat. Zu Beginn wird der Service in Nordrhein-Westfalen starten. Als konkrete Städte wurden Kaarst, Neuss, Meerbusch sowie Oberkassel, ein Stadtteil Düsseldorfs, festgelegt. Laut des Expansionsplans des Startups sollen im Laufe des Jahres zwei bis drei weitere Städte in das Liefergebiet aufgenommen werden.

Picnic setzt dabei auf ein vergleichsweise simples Prinzip, denn Kunden die bis 22 Uhr bestellen, werden die bestellten Waren am Folgetag innerhalb eines wählbaren Zeitfensters erhalten. Für Picnic bedeutet das, dass die Warenbestellungen bei den Großhändlern anhand der Vorbestellungen erfolgen. Somit muss das Startup nicht auf Prognosen setzen und kann Lebensmittelverschwendungen vermeiden. Zudem kommt ein Algorithmus zum Einsatz, der die perfekte Lieferroute berechnet. Kunden können zudem die aktuelle Position Ihrer Lieferung nachverfolgen und somit die Ankunft planen.

E-Food-Geschäft kann eine nachhaltige Veränderung des deutschen Markts bewirken

Grundsätzlich ist ein Lieferdienst in einigen Städten Nordrhein-Westfalens keine Besonderheit. Allerdings sehen Experten in der bisherigen Entwicklung des Startups disruptive Eigenschaften, sodass der Markteintritt zu einer nachhaltigen Veränderung des E-Food-Geschäfts in Deutschland führen könnte. Picnic ist seit 2015 auf dem niederländischen Markt aktiv und beliefert mittlerweile 37 Städte. Dabei kommt ein sogenanntes Milchmann-System zum Einsatz, welches eine Lieferung bis zur Tür vorsieht.

Des Weiteren kann der Lieferdient zum aktuellen Zeitpunkt mehr als 80.000 registrierte Kunden auf der Plattform verzeichnen. Für die Lieferung setzt das Unternehmen auf eigens entwickelte, elektronische Lieferwagen. Picnic begründete dieses Vorgehen mit dem mangelnden Angebot von E-Fahrzeugen auf dem Markt. Allein im vergangen Jahr konnte das Unternehmen 100 Millionen Euro von Investoren sammeln und soll mithilfe dieser Finanzmittel den gesamten niederländischen Markt erobern.

E-Food soll den Massenmarkt erobern

Zum Marktstart wird der Lieferdienst ausschließlich in Nordrhein-Westfalen verfügbar sein. Der Fokus wurde auf Städte gelegt, die besonders nah an der niederländischen Grenze liegen. Auffällig ist, dass das Startup nicht nur auf die deutschen Metropolen setzt. Dieser Ansatz differenziert das Geschäftsmodell von dem anderer Startups wie Bringmeister oder Amazon Fresh. Laut Frederic Knaudt, einem der Unternehmensgründer, ist das Ziel des Unternehmens die Eroberung des Massenmarktes.

Insbesondere günstige Preise und Gratislieferungen sollen die Kunden von dem Angebot des Unternehmens überzeugen. Aufgrund der fehlenden Filialen und des geringeren Mitarbeiterbedarfs soll das Unternehmen niedrigere Preise als die direkte Konkurrenz anbieten können.

An der Gründung von Picnic waren Muller, Joris Beckers, Gerard Scheij und Frederik Nieuwenhuy beteiligt. Die Leitung des deutschen Unternehmenszweigs erfolgt durch Frederic Knaudt, Arthur Oesterle und Manuel Stellmann. Die Gründer sehen ein hohes Marktpotenzial, da mittlerweile rund zwei Drittel der Deutschen ein Interesse an Lebensmittelbestellungen im Internet haben. Ein Indikator, der das hohe Interesse der Deutschen in Bezug auf Lebensmittellieferdiensten verdeutlicht, sind die hohen Bestelleingänge, die die Lieferdienste von Edeka und Rewe mittlerweile kaum mehr bedienen können.

Binnen eines halben Jahres soll Picnic profitabel agieren

Aus einem Interview mit Knaudt geht hervor, dass das Startup zu Beginn nur einige Städte in Nordrhein-Westfalen beliefern wird. Die Geschäftsentwicklung soll sich dabei ein Beispiel am holländischen Geschäft nehmen. In Holland dauerte es durchschnittlich ein halbes Jahr, bis ein Hub profitabel wirtschaftete. Als Hub bezeichnet das Unternehmen den Ort, der die Versorgung einer Region gewährleistet und als Warenumschlagsplatz dient.

Aufgrund der hohen Nachfrage erwarten die Gründer, dass Picnic in Deutschland schnell profitabel agieren kann. Die Gewinne sollen anschließend in das weitere Wachstum des Unternehmens investiert werden. Zusätzlich plant das Unternehmen weitere Kapitalaufnahmen, welche für ein schnelleres Wachstum genutzt werden sollen.