PRICELESS - eine Kryptowährung als Kunstwerk

Ai Weiwei ist für unkonventionelle Kunst und seine spezielle Herangehensweise bekannt. Er hat nun zusammen mit Kevin Abosch eine eigene Kryptowährung entwickelt, bei der es sich jedoch nicht um ein Zahlungsmittel handelt, sondern um eine Kunstaktion. Dabei sind große Teile so gelagert, dass niemand darauf Zugang hat. Den Rest will der Künstler in Umlauf bringen, damit jeder ein Stück dieses Kunstwerks besitzt.

Unter dem Namen PRICELESS hat er sich zusammen mit dem irischen Künstler Kevin Abosch an die Arbeit begeben und etwas geschaffen, das neue Denkanstöße gibt. Er möchte damit eine abermalige Diskussion entfachen und herausfinden, was auf der Welt wirklich „unbezahlbar“ ist. Auch will er in Erfahrung bringen, wie es zur Wertbildung einzelner Momente im Leben kommt und warum ausgerechnet dieser Preis dafür individuell angemessen ist. Hier hatte er die Flüchtlingsdebatten, die auf der ganzen Welt herrschen, im Auge. Die Skrupellosigkeit, mit denen die Flüchtlinge häufig konfrontiert sind, können beide Künstler weder verstehen noch tolerieren .

Kevin Abosch wollte in Zusammenarbeit mit Ai Weiwei neue Perspektiven aufzeigen und für Denkanstöße sorgen. Sie entschieden sich dabei für die Ethereum-Blockchain. Es handelt sich hier um eine Währung, die nur digital handelbar ist und bei der es keinen physischen Wert gibt. Trotzdem ist sie gefragt und wertvoll. Doch nur Einträge in einem Hauptbuch, das für die Transaktionen verantwortlich ist, halten für die Investoren und Interessierten fest, dass es dieses Zahlungsmittel überhaupt gibt.

Die geschaffene Kryptowährung, bestehend aus ERC-20 Token, hat digital einen Wert von Milliarden Euro, so dass theoretisch jeder Mensch die Möglichkeit habe, eine Einheit davon zu erhalten, so Ai Weiwei. Es wurden 2 identische Varianten geschaffen, eine davon für immer unzugänglich, die andere in 12 Wallets angelegt, deren Adressen ausgedruckt und zum größten Teil an Kunstsammler veräußert wurden. Die passenden Keys haben Abosch und Weiwei aber zerstört.

Ai Weiwei wollte nicht die digitale Währung in den Fokus rücken, sondern den Übergang von alten zu neuen Systemen. Disruptive Ideen können zu neuen Chancen im sozialen Kontext führen. Der Ansatz einer physisch nicht greifbaren Währung sollte an 'unbezahlbare Momente' seiner Freundschaft zu Abosch erinnern.

 

Ein unbequemer Mann, mit festen Prinzipien

Ai Weiwei ist für die chinesische Regierung ein Dorn im Auge, da er immer wieder Menschenrechtsverletzungen und Korruption in seinem Heimatland offen kritisiert. Die Behörden der Volksrepublik ließen erst vor zwei Wochen sein pekinger Atelier ohne Nennung von Gründen abreißen. Die dort seit 2006 eingelagerten Kunstwerke transportierten die Verantwortlichen ab. 2011 verurteilte man ihn zu einer zweijährigen Haft, danach zog man seinen Reisepass ein. Als er diesen nach vier Jahren zurückbekam, verließ Ai Weiwei China und fand seinen neuen Lebensmittelpunkt in Berlin. Hier kam er auch auf die Idee, ein Werk zu schaffen, das immateriell ist und daher sich auf einer ganz neuen Ebene befindet. Deshalb ist auch die Zensur durch den chinesischen Staat nicht möglich, was für ihn einen weiteren Sieg gegen die Obrigkeit bedeutet und für jede Menge Aufsehen auf der Welt sorgt. Hierfür fand er in Kevin Abosch einen Partner, der ihn bei seinem Projekt unterstützte.