Private Equity-Gesellschaften als Partner für Expansion und Nachfolge

Die Bereitschaft inhabergeführter Unternehmen, Private Equity-Investoren aufzunehmen, hat sich über die Jahre immer weiter erhöht. Finanzinvestoren suchen sehr substanzstarke Unternehmen zur Übernahme.

Der Zweck von Private Equity-Gesellschaften ist es, mit eigenem und/oder fremdem Geld in Unternehmen zu investieren. Üblicherweise erwerben die Häuser Anteile an Kapitalgesellschaften und partizipieren an den Gewinnen, den diese Zielunternehmen über die Jahre hinweg erzielen. Neben dem frischen Kapital bringen die Private Equity-Gesellschaften in der Regel auch viel Management-Know-how mit. Damit unterstützen sie die Beteiligungen im laufenden operativen Geschäft und entwickeln sie in den wichtigen Geschäftsbereichen gezielt weiter. Dadurch erhöhen sich Umsätze und Gewinne und damit die Renditen für die Anleger.

 

Unternehmenswachstum dank Private Equity-Gesellschaften

Daher kann der Einstieg einer Private Equity-Gesellschaft eine gute Möglichkeit für ein Unternehmen darstellen zu wachsen. Unternehmen brauchen in der Regel Kapital, um sich weiterzuentwickeln und neue Geschäfte anzustoßen. Dieses Kapital könnten sie natürlich über die Bank erhalten, aber viele Unternehmer scheuen sich davor, ein Bankdarlehen anzustreben. Dieser Prozess wird aufwändig wahrgenommen, und die Antrags- und Reportingpflichten sind in Zeiten verschärfter Kreditrichtlinien (Basel III!) umfassend und entsprechend komplex.

„Die Bereitschaft inhabergeführter Unternehmen, Private Equity-Investoren aufzunehmen, hat sich über die Jahre immer weiter erhöht. Dazu beigetragen haben auch viele positive Unternehmenstransaktionen der Beteiligungsbranche in der Vergangenheit, die den Mehrwert eines solchen Finanzierungspartners verdeutlicht haben“, heißt es dazu bei der Beratungsgesellschaft Rödl & Partner.

 

Engagement im Mittelstand

Dabei weist Rödl & Partner darauf hin, dass Private Equity-Gesellschaften mitnichten nur auf Beteiligten an Großunternehmen aus seien. Die für die Studie „Deutsche Beteiligungsbranche 2018“ befragten Beteiligungsgesellschaften investieren überwiegend in mittelständische Unternehmen mit einem Transaktionsvolumen von bis zu 50 Millionen Euro, und der Wettbewerb um den deutschen Mittelstand ist ungebrochen intensiv. Sowohl in- und ausländische Finanzinvestoren als auch strategische Investoren aus dem In- und Ausland fänden hierzulande ein attraktives Investitionsumfeld.

Das bedeutet: „Mittelständische Unternehmen finden bei Private Equity-Gesellschaften möglicherweise den richtigen Partner für eine Expansion oder aber auch für den Verkauf im Rahmen der Unternehmensnachfolge. Dabei beobachten wir eine Veränderung: War es in der Vergangenheit im Mittelstand normal, dass ein Wettbewerber, Partner oder Lieferant als strategischer Käufer den Betrieb erworben hat, kommen heute immer öfter Private Equity-Gesellschaften zum Zug“, sagt Prof. Dr. Holger Wassermann, Geschäftsführer der Berliner M&A-Beratung Intagus – Transaktion Nachfolge Beratung.

Die Voraussetzungen dafür seien aber hoch, betont Wassermann. Private Equity-Gesellschaften erwarteten in der Regel eine Umsatzrendite von mindestens zehn Prozent zum Zeitpunkt des Einstiegs mit einem entsprechenden weiteren Entwicklungspotenzial und einen professionellen Transaktionsprozess, der keine Fragen hinsichtlich Zukunftsaussichten, Controlling-Instrumenten etc. offenlässt. „Der Fokus von Finanzinvestoren liegt häufig in der Cash Flow-Analyse, der Risiko- und Ertragsanalyse sowie in der Betrachtung der künftigen Planungsgrundlagen und -prämissen, aus denen sich die Ertragsmöglichkeiten ableiten lassen. Kurz gesagt: Sie suchen sehr substanzstarke Unternehmen zur Übernahme, sind aber auch bereit und in der Lage, höhere Preise zu bezahlen als strategische Erwerber und private Investoren. “Zudem gibt Wassermann zu bedenken: „Kein Mittelständler sollte vergessen, dass Finanzinvestoren ganz klare strategische und wirtschaftliche Ziele mit dem Erwerb verfolgen. Sie möchten sich nicht unternehmerisch verwirklichen.“

Ebenso wichtig: Aus der Perspektive des Unternehmers steht und fällt allerdings der Verkauf mit der Auswahl des richtigen Investors. Björn Stübiger, Leiter Bereich Corporate Finance bei Rödl & Partner, sagt dazu: „Wir empfehlen den Inhabern, über ein professionell organisiertes Bieterverfahren das geeignete PE-Haus auszuwählen. Wer an einen Investor verkauft, muss sich dessen bewusst sein, dass ihm das Unternehmen nicht mehr gehört. Man kann sich über einen Beratervertrag noch einbringen und den Übergang mitzugestalten. Aber auch dieses Engagement sollte zeitlich begrenzt sein.“