„Private Equity-Gesellschaften kommen im Mittelstand zum Zug“

Der deutsche Mittelstand steht im Fokus von internationalen Private Equity-Gesellschaften, die bei kleinen und mittleren Unternehmen weiterhin eine gute Rendite vorfinden. Daher lohnt sich für Unternehmen die Zusammenarbeit mit einer Beteiligungsgesellschaft aus zwei Gründen: zur Sicherung der Nachfolge und als Alternative in der Finanzierung.

Private Equity leidet in Deutschland noch immer unter einem schlechten Ruf. Als „Heuschrecken“ vom ehemaligen SPD-Bundesminister Franz Müntefering unschmeichelhaft bezeichnet, gelten die Gesellschaften als recht emotionslos bei Kauf und Zerschlagung von Unternehmen, um die größtmögliche Rendite bei ihren Investments zu erwirtschaften.

Dabei boomt das Geschäft, der deutsche Beteiligungskapitalmarkt hat ein Rekordjahr hinter sich. Insgesamt 11,3 Milliarden Euro wurden von Beteiligungsgesellschaften im letzten Jahr in rund 1100 Unternehmen investiert, so die aktuelle Statistik des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) für den deutschen Private Equity-Markt 2017. Das Investitionsvolumen des Vorjahres von 6,77 Milliarden Euro wurde damit um zwei Drittel übertroffen. Dabei habe die Private Equity-Branche laut BVK in Deutschland mehr als 5000 Unternehmen mit Beteiligungskapital finanziert; davon beschäftigen neun von zehn weniger als 500 Mitarbeiter.

Mittlerweile verwalten Private Equity-Fonds weltweit 3,92 Billionen Dollar, wie das Analysehaus Preqin errechnet hat. Das nicht investierte Kapital („dry powder“) liegt aktuell bei 1,14 Billionen Dollar. Diese enormen Zahlen haben nicht zuletzt damit zu tun, dass der Anlagenotstand vor allem semi-institutionelle Kunden verunsichert. Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und Co. werfen den Beteiligungsgesellschaften ihr Geld nur so hinterher, um die mageren Erträge aus ihren traditionellen Rentendepots zu erhöhen. Daher brauchen die Investmentgesellschaften laufend neue Möglichkeiten zur Beteiligung.

„Dies ist gerade in einer Zeit spannend, in der der Mittelstand in Deutschland mit einer enormen Nachfolgeproblematik zu kämpfen hat. Viele Eigentümer auch sehr substanzstarker Unternehmen finden keinen Nachfolger in der Familie und suchen daher am Markt einen Käufer. Dabei beobachten wir eine Veränderung: War es in der Vergangenheit im Mittelstand normal, dass ein Wettbewerber, Partner oder Lieferant als strategischer Käufer den Betrieb erworben hat, kommen heute immer öfter Private Equity-Gesellschaften zum Zug“, beobachtet Prof. Dr. Holger Wassermann, Geschäftsführer der Berliner M&A-Beratung Intagus - Transaktion Nachfolge Beratung. Er und seine Kollegen treten vorrangig auf Verkäuferseite auf, beraten aber auch Investoren und erhalten mehr und mehr Anfragen von Private Equity-Gesellschaften, die gezielt im (kleineren) Mittelstand nach lukrativen Targets Ausschau halten.

„Die erzielbaren Renditen im Mittelstand sind sehr gut, zehn, 15 oder sogar 20 Prozent sind keine Seltenheit. Das ist natürlich hochattraktiv für laufende Ausschüttungen und die Risikominimierung eines Investments. Und da die Beteiligungsgesellschaften in der Regel über viel Kapital verfügen, können sie auch bei gehobenen Kaufpreisen mithalten, bei denen vor allem Privatinvestoren, die sich über den Firmenkauf selbstständig machen wollen, regelmäßig nicht mitgehen können“, sagt der M&A-Experte und Professor für Betriebswirtschaftslehre. Daher rückten gut geführte Mittelständler immer stärker in den Blick internationaler Gesellschaften.

Holger Wassermann sieht Private Equity-Unternehmen vermehrt auch in der Rolle als Finanzierer im Hintergrund. „Sie erwerben Beteiligungen, um Unternehmen frisches Kapital zu verschaffen, zum Beispiel für eine Expansion oder eine eigene M&A-Transaktion. Eine Beteiligung stellt mittlerweile eine interessante Alternative zu einer klassischen Bankfinanzierung dar beziehungsweise kann diese ergänzen.“
Dies gelte übrigens auch bei der Unternehmensübernahme im Rahmen eines Management-Buy-Out, also dem Erwerb durch das angestellte Management. „Dies kann die Übernahme ermöglichen, die aus finanziellen Gründen sonst undenkbar gewesen wäre“, weiß Wassermann. Das Transaktionsvolumen solcher Unternehmensübernahmen hat 2017 ein neues Rekordniveau im Mittelstand erreicht, stellt die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) in einer Auswertung dar. Demnach belief sich der Wert der von Private-Equity-Gesellschaften finanzierten MBO im deutschen Mittelstand auf rund 4,4 Milliarden Euro. Grund für jedes dritte Buy-Out war dabei eine Nachfolgelösung. Nach erfolgreicher Geschäftsübernahme steigerte sich der Unternehmenswert anschließend um durchschnittlich 20 Prozent - ein lukratives Geschäft für Beteiligungsunternehmen auf Renditejagd.

Was bedeutet dies aber für Mittelständler? Einfach Geld einsammeln und sich dann über Unsummen freuen? So einfach ist es nicht. Denn Private Equity-Gesellschaften erwarten nicht nur einen professionellen Transaktionsprozess, der keine Fragen hinsichtlich Zukunftsaussichten, Controlling-Instrumenten etc. offen lässt, wie Intagus-Geschäftsführer Wassermann aus dem Beratungsalltag weiß. Es entstehen auch komplexe steuerliche Implikationen bei dem Verkauf von Anteilen.

„Erwirbt ein Investor Anteile einer Kapital- oder Personengesellschaft, sind die Gewinne aus dem Verkauf für den Unternehmer nach § 17 EStG bei Kapitalgesellschaften beziehungsweise § 16 EStG bei Personengesellschaften steuerpflichtig. Das kann natürlich zu einer hohen Steuerlast führen, je nach Wert der Anteile. Dies müssen Unternehmer, die Anteile an einen Finanzinvestor übertragen, natürlich einkalkulieren, damit sie keine böse Überraschung erleben“, betont Helmut König, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei der international tätigen Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt und Leiter der Praxisgruppe Steuern. Er und seine Kollegen sind regelmäßig in Private Equity-Transaktionen eingebunden.

Was heißt das konkret? 60 Prozent des Veräußerungsgewinns abzüglich eines kleinen Freibetrags aus dem Verkauf von GmbH-Anteilen unterliegen der Steuerpflicht. Dieser Anteil wird mit 45 Prozent besteuert. Bei einem Gewinn von acht Millionen Euro resultieren daraus also knapp 2,2 Millionen Euro Steuern, rechnet Helmut König vor und betont: „Unternehmern ist daher dringend geraten, vor einer Transaktion die Steuern professionell berechnen zu lassen und im Übrigen auch die Transaktionsnebenkosten einzuplanen. Diese müssen vom Gewinn abgezogen werden.“

Viel Spielraum für eine Optimierung der Steuerlast sieht der Beiten Burkhardt-Steuerexperte zwar nicht. Dennoch sollten Unternehmer eine professionelle steuerrechtliche Begleitung einer Transaktion mit Private Equity-Bezug nicht geringschätzen. „Durch die Beratung können im Vorfeld bereits gewisse kritische Punkte entdeckt und behoben werden, die den Verkaufserfolg später sonst gefährden könnten. In der Vorbereitung, ob hinsichtlich Finanzierung oder Nachfolge, spielt die Absicherung aller unternehmenssteuerlicher Themen eine wichtige Rolle.“ Viele mittelständische Unternehmer bestätigen laut Helmut König, dass es gerade bei einer Unternehmenstransaktion die richtige Entscheidung war, auf einen spezialisierten externen Berater zu setzen, der sich mit den speziellen Gepflogenheiten und Erfordernissen von komplexen Übertragungen auskennt. Das gelte laut Helmut König im Übrigen auch für alle rechtlichen Fragestellungen – für ihn ist ein Unternehmensverkauf ohne anwaltliche Begleitung, vor allem mit gesellschaftsrechtlichem Bezug, nicht denkbar.