Private-Equity-Investments für jeden?
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2021-08-31

Private-Equity-Investments für jeden?

Die Fonds, die auf Kapitalbeteiligungen spezialisiert sind, versprechen hohe Renditen. Für die meisten Anleger liegt das Einstiegsticket jedoch zu hoch. Oder doch nicht? CAPinside-Experte Christian Hiller von Gaertringen öffnet Hintertüren, die zu Private Equity führen.

Anleger konnten in den vergangenen Jahren gut mit Aktien verdienen. Noch höhere Renditen waren mit Private Equity drin. In den vergangenen 20 Jahren konnten Anleger mit Kapitalbeteiligungsfonds eine Rendite von durchschnittlich mehr als zehn Prozent im Jahr erzielen. Damit hat diese Anlageklasse deutlich besser abgeschnitten als Investments in die großen Aktienindizes. Allerdings liegen die Einstiegshürden ziemlich hoch. Die großen Private-Equity-Gesellschaften fordern Beteiligungen von mehrere Millionen Euro, um einen Investor in ihren Fonds hereinzulassen. Nicht für Privatanleger, auch für viele institutionelle Anleger, liegen die Hürden damit zu hoch.

Zudem binden sich Anleger, die den Einstieg finanziell stemmen, für eine relativ lange Zeit. Private-Equity-Fonds sind meist auf eine Laufzeit von zehn Jahren ausgelegt. Zunächst erwerben die Fondsmanager meist die Mehrheit in Unternehmen, die in der Regel nicht börsennotiert sind. Anschließend versuchen sie, den Wert dieser Unternehmen zu steigern, um sie nach einigen Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen. Sind alle Beteiligungen im Private-Equity-Fonds abgestoßen, wird der Fonds aufgelöst und der Kapitaleinsatz mit hoffentlich hohen Gewinnen an die Anleger ausgeschüttet. Erst dann kann der Anleger damit rechnen, dass er seinen Kapitaleinsatz tatsächlich gemehrt hat.

Sicher ist das allerdings nicht. Viele Unwägbarkeiten können den Weg dahin versperren, zum Beispiel wenn die Fondsmanager die Unternehmen nur mit Verlust wieder loswerden oder wenn sie für den Verkauf länger brauchen als gedacht. Geht die Rechnung der Fondsinitiatoren jedoch auf, können die Anleger mit hohen Renditen rechnen.


Wie (Privat-)Anleger in PE investieren können

Auch wenn der direkte Weg zu Private Equity den meisten Anlegern verschlossen ist, so gibt es doch Wege, durch die Hintertür in diese Anlageklasse zu investieren. Ein etablierter Weg sind Dachfonds, also mehrere Fonds, die in verschiedene Private-Equity-Fonds investieren. So hat beispielsweise die RWB Private Capital Emissionshaus AG in Oberhaching bei München zwei Dachfonds am Markt, den RWB Direct Return III, der auf schnellere Rückflüsse ausgerichtet ist, und den RWB International 8, der eine langfristige Anlageperspektive einnimmt. Auch das Berliner Fintech Moonfare hat im vergangenen Jahr einen Dachfonds auf Private Equity aufgelegt, das Moonfare Core Portfolio I. Hier ist ein Anleger schon ab einem Anlagebetrag von 50.000 Euro dabei.

Bei Private-Equity-Dachfonds investiert der Anleger in der Regel in einen geschlossenen Fonds, meistens als Kommanditgesellschaft konstruiert. Der geschlossene Fonds wiederum investiert in jene Private-Equity-Fonds, die der Fondsinitiator für vielversprechend hält – oder zu denen er Zugang hat. Wie gut ein Dachfonds tatsächlich ist, entscheidet sich auch daran, ob sie Zugang zu den wirklich interessanten Private-Equity-Fonds haben.

Auch die Anbieter börsengehandelter Indexfonds (ETFs) haben Kapitalbeteiligungen entdeckt. In der Regel investieren ETFs auf Private Equity weder in direkte Beteiligungen noch in Private-Equity-Fonds, sondern in einen Index auf die Aktien der börsennotierten Private-Equity-Anbieter. So hat die DWS den ETF Xtrackers LPX Private Equity Swap Ucits aufgelegt, der im laufenden Jahr ein Plus von rund 49 Prozent aufweist. Von der Konkurrenz gibt es den iShares Listed Private Equity Ucits ETF USD, der sich ähnlich gut entwickelte. Genau genommen investiert der Anleger mit solchen ETFs nicht in den Erfolg von Private Equity, sondern in den Erfolg der Private-Equity-Anbieter. Das kann, muss aber nicht dasselbe sein. Ein Fonds kann für den Anleger erfolgreich sein, den Anbieter aber mit zu hohen Kosten belasten. Da ETFs schon für recht kleine Anlagebeträge zugänglich sind, sind sie auch für Kleinanleger ideal, die flexibel und mit kleinen Beträgen an Private Equity teilhaben wollen.


Die regulatorischen Hürden von Private Equity überwinden

Eine regulatorische Hürde ist, dass Private-Equity-Fonds nur Anlegern angeboten werden dürfen, wenn sie mehr als 200.000 Euro investieren. Selbst für Anleger, die diesen Betrag in Kapitalbeteiligungsfonds investieren könnten, sind sie dann in der Auswahl sehr eingeschränkt. Viele Anbieter wollen sich nicht mit Investoren herumschlagen, die sie als Kleinsparer betrachten. Auch können die Anleger nur bei hohen Investmentbeträgen zwischen verschiedenen Anlagestilen oder Anbietern wählen. Manche Anbieter bündeln die Investments von Anlegern, um dann gemeinsam in einen oder mehrere Private-Equity-Fonds zu investieren. Ein Beispiel dafür ist die Plattform Liqid, die eng mit der Vermögensverwaltung HQT zusammenarbeitet.

Auch Circle Eleven in München arbeitet nach diesem Prinzip: Anleger müssen sich zunächst verpflichten, mindestens die 200.000 Euro aufzubringen, die gesetzlich gefordert sind. Diese fließen in eine Kommanditgesellschaft, die Circle Eleven verwaltet. Dort hat jeder Anleger sozusagen sein eigenes Konto. Circle Eleven bietet seinen Kunden regelmäßig neue Private-Equity-Fonds an. Der Kunde kann sich dann entscheiden, ob und mit welchem Betrag er in diesen Fonds investieren will. Auf diese Weise kann er flexibel entscheiden, an welche Private-Equity-Fonds und in welcher Höhe er sich beteiligen will. So kann er auch die geforderten 200.000 Euro auf verschiedene Vehikel verteilen. Von den Ausschüttungen, die von Fonds an die Anleger fließt, behält Circle Eleven dann eine Gebühr ein. Circle Eleven verwaltet auf diese Weise heute rund 300 Millionen Euro, die etwa 250 Einzelinvestoren eingezahlt haben.

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