Private Equity: Mehrwert fürs Portfolio

Zwar scheiden sich an Private Equity-Investments die Geister. Aber private und semi-institutionelle Investoren können damit die Chance auf spürbare Überrenditen wahren.

Wie bei jeder Anlageklasse existieren auch bei Private Equity-Investments Vor- und Nachteile. Für die Kritiker des außerbörslichen Beteiligungskapitals überwiegen natürlich die Nachteile: lange Kapitalbindung, hohe Gebühren, die Gefahr einer Insolvenz des finanzierten Unternehmens (die beispielsweise die Private Equity-Gesellschaft KKR mit dem US-Ölförderer Samson hingelegt hat) und, und, und. Auf der anderen Seite stehen die Fürsprecher. Sie werben beispielsweise mit Renditen im zweistelligen Bereich, einer professionellen Diversifizierung des Portfolios und Immunität vor fallenden Realrenditen bei gleichzeitiger Outperformance gegenüber Aktien.

Da stellt sich natürlich die Frage: Lohnen sich Private Equity-Investments oder lohnen sie sich nicht? Für Antti Ilmanen, Partner und Leiter der AQR Portfolio Solutions Group, einem Beratungsinstitut für institutionelle Investoren und Staatsfonds, beispielsweise lässt sich das nicht klar beantworten. Er sagt entsprechend der zwei Seiten der Private Equity-Medaille: „Jedes Urteil über Private Equity ist unausweichlich subjektiv.“ Eine Entscheidung pro oder contra Private Equity-Engagements könne der Experte daher niemandem abnehmen.

Markus Brochenberger, Vorstandsvorsitzender der compexx Finanz AG, betont aber, dass bei einer entsprechenden Strategie und ausreichend freiem Vermögen nichts gegen Private Equity-Investments spreche – weder bei privaten noch bei semi-institutionellen Investoren, die die Chance auf eine Überrendite wahren wollen und lang genug auf das Kapital verzichten können. „Aufgrund der regelmäßig überdurchschnittlichen Renditen sind vor allem Private Equity-Fonds eine bedenkenswerte Alternative, gerade auch im Vergleich zu direkten unternehmerischen Beteiligungen als Gesellschafter. Diese sind für Investoren wesentlich aufwendiger in der Verwaltung und natürlich auch viel schwerer zu bekommen als den Zugang zu einem Private Equity-Fonds etwa über einen Dachfonds-Anbieter.“

 

Warum nicht die Kosten entscheidend sind

Auch Brochenberger kennt vor allem die Debatten um (vermeintlich) hohe Kosten. Er hat dazu eine andere Sichtweise. „Wir vertreten die Meinung, dass nicht die Kosten, sondern die nachhaltige Rendite entscheidend bei einer Kapitalanlage ist und dass viel zu oft zu sehr auf Kosten und nicht auf die Zukunftsaussichten geschaut wird. Wenn ein Private Equity-Investments überzeugen kann und der Manager nachgewiesen hat, dass er eine deutliche Überperformance erbringen kann, sind die Kosten zweitrangig.“ Zugleich müsse man Private Equity aber immer als Beimischung betrachten.

Auch Dr. Barbara Weber, Gründerin und Partnerin von B Capital Partners, einer Schweizer Investment-Boutique, ist von Private Equity als Mehrwertbringer für vermögende Privatpersonen, Family Offices und Co. überzeugt. Private Equity biete die Chance auf höhere Renditen sowie eine geringere Volatilität als der Aktienmarkt und eine höhere Sharpe Ratio als Aktien – das bedeute, dass das Risiko-Rendite-Profil von Private Equity besser sei als das von Aktien. Die Korrelation zu anderen Anlageklassen, insbesondere Aktien, sei zwar nicht eindeutig, aber keinesfalls identisch. „Somit verbessert die Beimischung von Private Equity zu traditionellen Anlageklassen in jedem Fall nicht nur die Rendite, sondern in der Regel auch das Risiko-Rendite-Profil. Zusammenfassend ist das Risiko-Rendite-Profil von Private Equity allen traditionellen Anlageklassen eindeutig überlegen“, schreibt Barbara Weber in dem Aufsatz „Warum und für wen ist Private Equity interessant?“.

 

Private Equity hängt MSCI World klar ab

Apropos Rendite: Im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen schneidet Private Equity laut Barbara Weber selbst bei Verwendung der Durchschnittsrenditen hervorragend ab. Seit 1990 habe die Anlageklasse durchschnittlich 13,8 Prozent Rendite jährlich gemacht, der MSCI World als globaler Großindex hingegen knapp 7,9 Prozent.

Ihr Rat für Investoren: „Unabhängig davon, für welche Art von Private-Equity-Investment man sich entscheidet – Fonds oder Dachsfonds –, wichtig ist, einen wirklich guten Fonds zu kaufen, der idealerweise nicht durch zusätzliche Bankgebühren an Rendite einbüßt. Die Bewertung und Auswahl von guten (Dach-)Fonds ist nicht einfach. Sie sollte daher mit jemandem vorgenommen werden, der die Branche wirklich versteht und den Überblick über die verschiedenen Fonds im Markt hat.“