Private Equity: Mit „Secondaries“ die Haltedauer verkürzen

Der Sekundärmarkt für Private Equity wächst derzeit schneller als der Primärmarkt für die Assetklasse. Für Investoren ist das trotzdem attraktiv.

Bei allen Renditechancen und aller Unabhängigkeit von der Entwicklung der Aktienmärkte stehen Investoren bei ihren Private Equity-Engagements regelmäßig vor der gleichen Herausforderung. Sie müssen willens und in der Lage sein, für zehn bis 15 Jahre auf ihr Kapital zu verzichten. Denn so lange laufen Private Equity-Investments über Fonds und Dachfonds üblicherweise, damit sich die Beteiligungen durch die Finanzspritze und die Zugabe von Know-how bestmöglich entwickeln können.

Aber nicht alle Anleger (sogenannte Limited Partners oder „LPs“) können oder wollen diese Zeitspanne durchhalten und suchen daher nach einer Möglichkeit, ihre Beteiligungen vor Ende des Investmentzeitraums zu verkaufen. Dafür bietet sich der sogenannte Zweitmarkt (Sekundärmarkt) an. In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Sekundärmarkt für Private Equity-Investments sehr stark entwickelt, heißt es bei der Investmentgesellschaft DWS. „Dieser Markt ist auf den Kauf von bestehenden Fondsanteilen und Beteiligungen spezialisiert – wenn also beispielsweise ein ganzes Portfolio an Firmenbeteiligungen zusammen mit den dazugehörigen vertraglichen Rechten und Pflichten der ursprünglichen LPs verkauft wird.“ Private Equity-Investments, die am Zweitmarkt gehandelt werden, werden auch „Secondaries“ genannt, während Beteiligungen an einem Private Equity-Fonds ab Tag eins als „Primärmarkt“ bezeichnet werden.


Nur sechs Prozent der Kapitalzusagen in Secondaries 

Das Interessante: Der Sekundärmarkt für Private Equity wächst derzeit schneller als der Primärmarkt für die Assetklasse, wie die französische Investmentgesellschaft Idinvest Partners, ein Anbieter von Private Equity-Zweitmarktfonds, meldet. In den vergangenen zehn Jahren sei Private Equity jährlich durchschnittlich um 24 Prozent gewachsen, das Wachstum im Zweitmarkt aber in dem Zeitraum jährlich um 31 Prozent. Diese Entwicklung sei laut Idinvest Partners zu einem großen Teil dem starken Aufschwung des Private Equity-Marktes geschuldet, der sich Ende 2018 auf weltweit rund vier Billionen Dollar an Kapitalzusagen belief. Da trotz des starken Zuwachses aber nur sechs Prozent davon in Secondaries geflossen seien, sind die Wachstumsaussichten weiterhin gut.


„Einstiegszeit“ in die Assetklasse verkürzen

Aber was bedeutet das genau für Anleger: „Mit der zunehmenden Bedeutung des Sekundärmarkts erhalten LPs die Möglichkeit, ihre Anteile an Private-Equity-Fonds bereits vor dem eigentlichen Ende der Fondslaufzeit zu verkaufen. Traditionell waren das vor allem Limited Partner Transaktionen. Dabei verkauft ein LP seinen Anteil oder ein Portfolio von Anteilen an einen anderen Anleger auf Grundlage eines zuvor vereinbarten Preises, in der Regel ein Prozentteil des Nettovermögenswerts (NAV). Der neue, erwerbende Investor übernimmt dabei die rechtlichen und finanziellen Verpflichtungen des Verkäufers“, beschreibt die DWS den Ansatz. Und Idinvest Partners führt aus, dass Zweitmarkttransaktionen angesichts steigender Bewertungen am Private Equity-Markt eine Möglichkeit seien, Unternehmen mit bereits teilweise realisierter Wertsteigerung, steigendem EBITDA (also Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände) und sinkender Verschuldung zu den Referenzpreisen von vor drei bis vier Jahren zu kaufen. Damit können allen voran institutionelle Investoren über Private Equity-Secondaries die „Einstiegszeit“ in die Assetklasse verkürzen und eine flachere sogenannte „J-Kurve“ zwischen Investitions-, Entwicklungs- und Liquidationsphase realisieren.


Das Beste aus beiden Welten herausholen

Idinvest Partners weist unter anderem zusätzlich darauf hin, dass Zweitmarkt-Investments zu einer schnelleren und diversifizierten Kapitalallokation führen könnte, bei der das Geld ab dem ersten Tag wirklich arbeite – bei vielen Erstmarkt-Engagements dauere es seine Zeit, bis das Kapital überhaupt in den Unternehmen eingesetzt werde. Ebenso überzeugten die kürzere Haltedauer der Assets und das reduzierte Investmentrisiko dank niedrigerer Ausfallraten. Für die DWS bieten Secondaries die Möglichkeit, in Kombination mit Erstmarkt-Investments das Beste aus beiden Welten herauszuholen. Für neue Investoren sei vor allem die Möglichkeit einer gezielten Auswahl von Beteiligungen in der späteren Phase innerhalb eines bereits bestehenden Private Equity-Fondsportfolios interessant. „Gleichzeitig werden die vielversprechendsten Unternehmen aus einem Portfolio des Fondsmanagers (GPs) mit weiterem Kapital unterstützt. Dabei nutzt die Strategie einen dynamischen, kollaborativen Ansatz, um alle Interessensgruppen zufrieden zu stellen: Etablierte Investoren, GPs sowie die zugrunde liegenden Portfoliounternehmen.“