Private Equity Studie - Finanzinvestoren kaufen jährlich mehr als 200 deutsche Firmen

Deutschland spielt im internationalen Geschäft eine wichtige Rolle, denn insbesondere internationale Finanzinvestoren zeigen großes Interesse, wenn es um deutsche Unternehmen geht. Auf Basis einer aktuellen Studie wurden allein im Jahr 2016 rund 212 deutsche Unternehmen aufgekauft. Seit der Finanzkrise wurde keine höhere Anzahl registriert.

Globale Finanzinvestoren suchen in Deutschland

Das Geschäftsmodell der großen Finanzinvestoren, die mit klangvollen Namen wie KRR, Blackstone, Permira oder Ardian aufwarten, besteht im Aufkauf sowie in der anschließenden, gewinnbringenden Veräußerung von Unternehmen. Wie die Hans-Böckler-Stiftung in ihrer neusten Studie hervorhebt, sind Investoren in Deutschland so aktiv wie seit Jahren nicht mehr. Allein im Untersuchungsjahr 2016 kauften diese Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland 212 Firmen auf. Einzig im Vorkrisenjahr 2007 wurde eine höhere Anzahl an aufgekauften Unternehmen registriert. Diese Entwicklung hat eine Auswirkung auf 106.000 deutsche Arbeitnehmer.

139 aktive Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland

Aus der Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung geht hervor, dass 139 Private-Equity-Gesellschaften im Jahr 2016 auf dem deutschen Markt aktiv waren. Die meisten Transaktionen realisierte dabei die Ardian, eine französische Private-Equity-Gesellschaft. Den zweiten Platz belegte Auctus, eine deutsche Private-Equity-Gesellschaft, mit sieben Transaktionen. Zudem waren auch bekannte Gesellschaften wie die US-Investoren Carlyle und KRR sehr aktiv und konnten mehrere Transaktionen realisieren.

Besonders wichtig scheint der industrielle Kernsektor Deutschlands zu sein, denn allein hier wurden rund 40 Prozent der Käufe realisiert. Per Definition besteht der deutsche, industrielle Kernsektor aus den Bereichen Chemie, Elektrotechnik, Fahrzeug- und Maschinenbau. Des Weiteren werden jedoch auch Unternehmen aus den Bereichen IT und Software, Logistik, Medien, Bau, Dienstleistungen, Energie und Gesundheit gekauft. Lediglich neun Unternehmen realisierten zudem einen jährlichen Umsatz von mindestens 500 Millionen Euro. 139 der übernommenen Unternehmen realisieren einen Umsatz von maximal 50 Millionen Euro.

Das benötigte Kapital erhalten die Private-Equity-Gesellschaften in den meisten Fällen aus Fonds. Diese Fonds verfügen über Gelder von institutionellen Anlegern oder vermögenden Einzelpersonen. Nachdem die Übernahme des Unternehmens erfolgt ist, übernimmt die Private-Equity-Gesellschaft oftmals die unternehmerische Leitung. Nach einigen erfolgreichen Jahren werden die Unternehmensanteile erneut veräußert, sodass ein Gewinn realisiert werden kann. Neben den 212 Unternehmenskäufen in 2016, wurden weitere 101 Unternehmen im gleichen Zeitraum abgestoßen. Im Durchschnitt findet die Veräußerung alle sechs Jahre statt.

Bei Übernahmen werden Steuern gespart

Eine besonders wichtige Erkenntnis der Studie, die von Christoph Scheuplin, einem Experten des Instituts für Arbeit und Technik analysiert wurde, betrifft die Finanzierung der Übernahmen. Rund 99 der in Deutschland aktiven Fonds wickeln die Übernahmen über Offshore-Standorte ab. Hierbei sind vor allem Steueroasen wie Guernsey, Jersey, der US-Bundesstaat Delaware oder die Cayman-Inseln gemeint. Lediglich 17 Prozent der Fonds haben ihren rechtlichen Sitz innerhalb Deutschlands. Somit kann die Schlussfolgerung getroffen werden, dass insbesondere Vorteile bei der Steueroptimierung und eine geringe Transparenz wichtig bei der Standortwahl eines Fonds sind.

Laut einer Aussage des SPD-Politikers Franz Müntefering aus dem Jahr 2005, sind Private-Equity-Gesellschaften mit Heuschrecken vergleichbar. Durch hohe Renditeversprechen erhalten die Unternehmen Gelder in Ihre Fonds und können somit den Aufkauf gesamter Unternehmen finanzieren. Nach der geglückten Übernahme werden im ersten Schritt rigorose Kostensenkungen veranlasst. Hierzu gehören beispielsweise Kündigungen, da diese einen direkten Einfluss auf das Unternehmensergebnis haben und binnen kürzester Zeit die Bilanz verbessern. Nachdem die Bilanz verbessert wurde, werden die Unternehmen wiederverkauft.

Gute Bilanz für Investoren

Für private Anleger bedeutet das Geschäftsmodell der Heuschrecken eine hohe Rendite. Allein 2016 schütteten 99 Private-Equity-Fonds eine durchschnittliche Verzinsung von 13,8 Prozent an die Investoren aus. Positiv kommt hinzu, dass die meisten Fonds die Möglichkeiten von Steueroasen ausreizen.

Das grundlegende Kaufen, Sparen, Abschöpfen und das gewinnbringende Verkaufen sind Erfolgsfaktoren. Mit dem Einsatz von Steueroasen können zudem zusätzliche Steuern gespart werden. Grundsätzlich muss zudem angemerkt werden, dass der Ansatz von Franz Müntefering aus dem Jahr 2005 auch heute noch eine gewisse Aktualität besitzt.