Privatjets für alle

Seit Jahrzehnten gelten Privatjets als Manifestation des Luxus. Allerdings sorgen neue Anbieter auf dem Markt für erschwinglichere Angebote und setzen etablierte Anbieter unter Druck.

Wenn es um Privatflugzeuge geht, dann zeigen Superstars wie Jay-Z, dass diese ein integraler Bestandteil des Luxuskonsums darstellen. Jüngst landete der Rapper mitsamt seiner Frau Beyoncé und deren gemeinsamen Kindern in Berlin, um ein Konzert im Rahmen der Welttour zu geben. Wenige Stunden vor dem Beginn des Konzerts im ausverkauften Olympiastadion landete der Rapper auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld. Gelandet ist Jay-Z in seiner Challenger 850, die ein luxuriöses Wohn- und Schlafzimmer bietet sowie mit einer edlen Küche, zwei Bädern und ausreichend Platz für 15 Passagieren aufwartet. Der Preis der Maschine liegt bei rund 40 Millionen Dollar. Dabei erhielt Jay-Z die Maschine als Vatertags-Geschenk von seiner Frau – und das vor sechs Jahren.

Noch immer gelten diese Privatjets als Inbegriff des Luxuslebens und verdeutlichen das Image von Milliardären und Prominenten. Jedoch zeigt sich immer häufiger, dass die Zeiten, als solche Privatjets nur von Spitzensportlern, Popstars, Schauspielern und Vorständen finanziert werden konnten, längst vorbei sind. Immer mehr neue Anbieter finden den Weg auf den Markt für Privatjets. Dabei soll das Geschäftsmodell der aufstrebenden Unternehmen neben dem Vorzug des privaten Fliegens vor allem auch mit moderaten Preisen überzeugen.


Neue Unternehmen revolutionieren den Markt

Dass immer mehr Anbieter auf diesen Markt strömen verdeutlichen Unternehmen wie Everyair aus Deutschland. Auch der Schweizer Anbieter Lunajets bietet Privatjets zum schmalen Tarif an. Die beiden Unternehmen adressieren die Marktteilnehmer durch Slogans wie „Pay less, fly more“ oder „Privat fliegen, Economy bezahlen“. Mittlerweile gibt es sogar Unternehmen, die einen All-you-can-Fly-Tarif anbieten – Surf Air gilt als wohl renommiertestes Beispiel am Markt. Zudem gibt es mittlerweile Anbieter, die das Geschäftsmodell der „Empty-Leg-Flights“ für sich entdeckt haben. Hierbei handelt es sich um Leerflüge zum Heimatflughafen – manchmal auch zum Kunden. Hierbei werben die Unternehmen mit Rabatten von rund 75 Prozent.

Mit Richard Koe, der zugleich Geschäftsführer der auf Luftfahrt spezialisierten Unternehmensberatung Wingx Advance ist, findet sich zudem ein Branchenteilnehmer, der dieser Sparte ein enormes Potenzial zuspricht. Basierend auf den Aussagen Koes lässt sich festhalten, dass rund 36 Prozent aller Privatmaschinen ohne Passagiere abhebt. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass allein in Europa 100.000 Flüge ohne Passagiere stattfinden. Für die entsprechenden Unternehmen ist dies ein teures und defizitäres Unterfangen, auch die Umweltbilanz fällt unter diesem Gesichtspunkt desaströs aus. Allerdings erwartet der Experte, dass eine zunehmende Auslastung, welche dank der neuen Geschäftsmodelle erwartet wird, zu sinkenden Preisen beitragen wird. Insgesamt vollziehe die Branche eine Entwicklung hin zum Spotmarkt. Im Zentrum der neuen Entwicklung steht eine besondere Software, welche Echtzeitdaten zu tausenden Privatjets liefert und Auskunft über deren genauen Standort gibt. Allein in Europa befinden sich demnach 2.000 Flugzeuge, welche sich auf 800 Fluggesellschaften verteilen. Die Koordination dieser Flugzeuge ist für die Fluggesellschaften eine Herausforderung. Im Endeffekt flog ein gebuchtes Flugzeug den Zielflughafen an und startete die Rückreise ohne weitere Passagiere. Mithilfe der Digitalisierung sind die Flieger nun jedoch untereinander vernetzt, sodass Skaleneffekte genutzt werden können.


Netjets – der Branchenvorreiter

Die grundlegende Innovation ging vom Anbieter Netjets aus. Das Unternehmen wurde 1998 von Warren Buffet gekauft, der sich vom Geschäftsmodell begeistert zeigte. Der Anbieter garantiert den Anflug eines gewünschten Flughafens innerhalb von zehn Stunden und bietet den Kunden somit ein hohes Maß an Flexibilität. Zudem umfasst die Flotte 700 Flugzeuge, allein 100 sind in Egelsbach bei Frankfurt stationiert. Der Preis pro Flugstunde beträgt rund 5.000 Euro, sodass das Unternehmen zu den Luxusanbietern gehört. Günstiger sind dahingegen Anbieter wie Call a Jet, die eine Turbopropmaschine für 1.500 Euro die Stunde anbieten. Mithilfe einer App bietet das Unternehmen einen Vergleich für Privatjets an. Entwickelt wurde die App von Joe Kurta., der die Finanzkrise nutzte, um Managern eine Alternative zu teuren Privatjets zu bieten. Mittlerweile befinden sich 12.000 Flugzeuge im Portfolio des Unternehmens, welche auch von Fußballstars genutzt werden.

Laut Kurta hat sich der Markt extrem gewandelt und nur noch ein Drittel der Kundschaft sind Geschäftsleute – früher machten diese den Großteil aus. Allerdings warnt der Geschäftsmann vor zu hohen Ansprüchen, denn Privatjets werden weiterhin teuer bleiben. Leerflüge seien eine günstige Alternative für Interessenten. Dabei müsse jedoch beachtet werden, dass Vollzahler immer den Vorrang haben. Vor allem Absagen im Sommer seien eine attraktive Möglichkeit, um in den Genuss des Flugluxus zu kommen. Verdeutlicht wird der günstige Preis durch das Angebot einer Citation CJ2+, die Platz für sechs Passagiere bietet. Erwischen findige Reisende einen Leerflug, so liegt der Preis bei 3499 Euro. Bei einer Vollauslastung des Flugs bedeutet dies einen Preis von rund 585 Euro pro Person. Neben dem Luxus an Board kommen die Passagiere auch am Boden in den Genuss des ausgeprägten Service. Dabei müssen Passagiere keinen stressigen Check-in vollziehen, sondern können innerhalb von 15 Minuten den Check-in und die Sicherheitskontrolle durchqueren. Zudem befindet sich die Maschine nur 20 Meter vom Flughafen entfernt. Den meisten Zulauf erhält die Branche in Frankreich und Deutschland. Insgesamt verzeichnete die Branche in Deutschland ein Wachstum von 4,1 Prozent und befindet sich somit im Wachstum.