Putin, Trump, Draghi und ein vorsichtiger Optimismus

Achterbahnfahrt am Aktienmarkt, ein vergifteter russischer Verräter, steigende Spannungen zwischen Ost und West, Strafzölle, vielleicht sogar bald ein globaler Handelskrieg: Emotionen überall. Umso hilfreicher ist es, sich nüchtern den Tatsachen zu nähern. Und sachlich festzustellen: Steigende Spannungen zwischen Staaten haben nicht notwendigerweise gleich militärische Auseinandersetzungen zur Folge. Zölle sind allgegenwärtig, sie münden eher selten in Handelskriegen und steigende Volatilität allein führt noch nicht zum Ende des Bullenmarktes. Doch woher kommt dann die sich breitmachende Beklemmung der Marktteilnehmer? 

Sie rührt daher, dass nicht alles so ist, wie immer, sondern nur fast alles. Die Abweichung der aktuellen Lage zur „historischen Normalität“ liegt darin, dass wir uns dem Ende eines beispiellosen Niedrigzinsexperiments der Zentralbanken nähern. Das macht Viele mit Recht nervös. Niemand weiß, wie die EZB eine möglicherweise stärker als erwartet steigende Inflation bekämpfen kann, ohne manchem Eurostaat den finanziellen Todesstoß zu versetzen.

Doch das alles ist kein Grund zur Panik. Denn der politische Wille, den Status Quo der Eurozone zu erhalten ist groß. EZB und Eurostaaten haben bereits bewiesen, dass sie, um dieses Ziel zu erreichen, auch vor schwerwiegenden staatlichen Markteingriffen nicht zurückschrecken. Ob dies gut, schlecht, legal oder illegal ist, steht hier nicht zur Debatte. Es dürfte sich aber zumindest in naher Zukunft als Stütze für steigende Börsenkurse erweisen.

Überdies wird ja bekanntlich nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ein gutes Beispiel ist die Ankündigung seitens des US-Präsidenten, EU Importe mit höheren Zöllen zu belegen. Was passierte daraufhin? Am Ende nichts. Zunächst war ein halbherziges Gerede der EU-Kommission von Strafzöllen auf Bourbon Whiskey zu vernehmen. Danach einigte man sich dann darauf, die US Zollerhöhungen vorläufig auf Eis zu legen um, laut Bundeswirtschaftsminister Altmeier, die amerikanisch-europäischen Handelsbeziehungen auf eine neue Grundlage zu stellen, von der beide Seiten profitieren.

Also im Klartext - Stand Ende März: Vorerst keine neuen Zölle auf EU Importe seitens der USA, während über einen Abbau bestehender EU Zölle auf US Importe verhandelt wird. Klingt doch schon viel besser. Wenn das kein Grund für vorsichtigen Optimismus ist...


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