Quantitive-Easing als Treiber? „Value-Aktien reagieren sensitiv auf das makroökonomische Umfeld“
3 Minuten
22.06.2021

Quantitive-Easing als Treiber? „Value-Aktien reagieren sensitiv auf das makroökonomische Umfeld“

Value-Titel wurden stark von den Unsicherheiten der Corona-Krise beeinflusst. Durch die expansive US-Geldpolitik sollten diese Aktien nun überdurchschnittlich profitieren und Growth-Werte hinter sich lassen, erwarten Experten.

Was ist ein Unternehmen wirklich wert? Das ist die Kernfrage, um die sich beim Value Investing vieles, wenn nicht alles dreht. Dabei werden also Aktien nicht ausgehend von Stories oder vermuteten Zukunftspotenzialen erworben, sondern vorwiegend unter Bezugnahme auf den realwirtschaftlichen Gegenwert der Anlagen – also ihrem inneren Wert. Im Fokus steht das Verhältnis des aktuellen Preises zum Wert, also der Relation von Preis zu Wert: Value-Investoren wollen die Aktien finden, die im Verhältnis zu ihren fundamentalen Daten besonders günstig bewertet sind. Der legendäre US-Investor Warren Buffett hat dieses Prinzip perfektioniert. Der Texaner ist einer der reichsten Menschen der Welt und hat den Kurs seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway seit den 60er Jahren im Schnitt um rund 20 Prozent pro Jahr gesteigert.


Wert von Value-Aktien bezieht sich auf die Cashflows der näheren Zukunft

„Auf lange Sicht weisen Value Aktien an den wesentlichen Kapitalmärkten eine Outperformance auf“, erklärt Dr. Christian Funke, Vorstand der Frankfurter Vermögensverwaltungsgesellschaft Source For Alpha. Deren entsprechender Fonds S4A US Long (WKN A1H6HH) wurde im Mai 2011 aufgelegt und konzentriert sich genau auf diesen Value-Anlagestil. In den zehn Jahren hat das Fondsmanagement mit dem speziellen Konzept fast 300 Prozent Wertsteigerung hingelegt. Das beförderte den S4A US Long in den Kalenderjahren 2019 und 2020 jeweils unter die besten ein Prozent seiner Peergroup „Aktien US Value“ bei der Fondsrating-Agentur Morningstar. Auch langfristig auf drei und fünf Jahre gehört der S4A US Long jeweils zu den besten ein Prozent der US-Value-Fonds.

„Ein Value-Investor versteht die Aktie als verbrieften Anteil an einem Unternehmen, an dessen Kapital und Wachstum man langfristig teilhaben kann, nicht als kurzfristiges Spekulationsobjekt. Daher sind wir der Meinung, dass Value-Investoren keine Angst vor kurzfristigen Verwerfungen haben dürfen“, erklärt Funke weiter. Nicolas Rabener, Managing Director des Analysehauses FactorResearch, verweist auf die Natürlichkeit kurzfristiger Schwankungen bei günstigeren Value-Titeln: „Billige Unternehmen sind in der Regel bewegte Unternehmen. Sonst würden sie nicht zu niedrigen Bewertungen gehandelt.“ Der Experte verweist in einem Beitrag für das CFA Institute auf Ursachen, die zeitlich oder strukturell die Aktien bewegen können. Wenn diese Gründe eingehend analysiert werden, böten sich für Investoren auch wieder Upside-Potenziale.

Entsprechende Verwerfungen können auch bei den auf den ersten Blick langweilig erscheinenden Value-Titeln immer wieder aufkommen. Gerade bei diesen Aktien gibt es einen Grund für die Schwankungsanfälligkeit. „Der Wert von Value-Aktien bezieht sich insbesondere auf die Cashflows der näheren Zukunft, sodass Value-Aktien sehr sensitiv auf das makroökonomische Umfeld reagieren“, erläutert Funke. Aufgrund dieser Struktur haben Value-Titel vielfach besonders stark auf die Unsicherheit im Zuge der Corona-Krise reagiert – eine nach Rabeners Erklärung zeitliche Ursache.


Quantitative Easing ist positiv für Value-Aktien

Diese Sensitivität auf die wirtschaftliche Entwicklung erweist sich derzeit jedoch als Segen: Aufgrund der Auswirkungen der Krise haben Notenbanken weltweit umfangreiche Quantitative Easing-Programme (QE) gestartet und die Märkte mit einer beinahe unendlichen Liquidität versorgt. Diese Programme haben eine sehr positive Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, was die Kurse von Value-Aktien derzeit nach oben katapultiert.

Die ultra-expansive Geldpolitik hat noch einen weiteren positiven Effekt auf die Value-Aktien: Sie treibt die Inflationserwartungen nach oben, was letztendlich zu einem Anstieg der langfristigen Zinsen führen könnte. Diese Zinssteigerungen sollten ebenfalls für eine relative Outperformance von Value-Titeln sorgen. Der wesentliche Wirkungsmechanismus ist hierbei, dass steigende Zinsen insbesondere einen negativen Einfluss auf die Bewertung von Growth-Titeln haben: Der Wert von Wachstumsaktien bezieht sich vor allem auf weit in der Zukunft liegende Cashflows. Die Diskontierung dieser Cashflows nimmt mit steigenden Zinsen zu, was einer Abnahme des Unternehmenswerts von Wachstumsaktien entspricht.

Funke und seine Kollegen wiesen etwa nach, dass Value historisch immer von einer expansiven Geldpolitik profitieren konnte. Seit 2008 habe es vier Phasen (inklusive der derzeitigen) von Quantitative Easing gegeben, in denen Value jeweils wesentlich stärker performt hat als der Gesamtmarkt. Und das zeigen auch die Wertentwicklungen der jeweiligen Aktien und Indizes. In der ersten Phase zwischen Ende 2008 und April 2010 lag der Index S&P 500 Pure Value bei knapp 79 Prozent gegenüber 34 Prozent im S&P 500, von November 2010 bis Juli 2011 stand der Value-Index bei 16,6 Prozent Wertzuwachs gegenüber acht Prozent und in der dritten Phase von September 2012 bis Dezember 2013 wuchs der S&P 500 Pure Value um fast 44 Prozent – gegenüber etwa 20 Prozent bei seinem Vergleichsindex.

Um diese Funktion nutzen zu können, müssen Sie sich einen kostenlosen Account anlegen.