Quo vadis, Italia?

Aktuell befindet sich die Rendite der italienischen Staatsanleihen auf Rekordkurs - das letzte Mal wurde ein ähnlicher Wert im Jahr 2014 erzielt. Aufgrund der Tatsache, dass die Ratingagentur Moody’s jedoch vor einer neuen Krise warnt, mussten die Bankaktien hohe Verluste wegstecken. Auch Italiens Leitindex verlor mehr als 2 Prozent.

Es sieht fast so aus, als wäre es der italienischen Regierung nicht mehr möglich, die Kontrolle über die Rendite der italienischen Staatsanleihen zu halten. So kletterte die Rendite am Dienstag auf 3,40 Prozent - letztmals wurde so ein hoher Wert im Jahr 2014 dokumentiert. Am Devisenmarkt hat der Euro hingegen um 0,4 Prozent zugelegt und liegt nun bei 1,1531 US-Dollar.

 

Anleger haben Angst vor einer Rating-Herabstufung

Die Angst vor einer neuen Schuldenkrise ist so groß wie schon lange nicht mehr. Das ist auch der Grund, warum sich die Anleger am Dienstag von der italienischen Börse ferngehalten haben. „Italiens Fiskalpolitik könnte, sofern sie so expansiv bleibt, vom Markt als untragbar bewertet werden“, so Antje Praefcke, eine Analystin der Commerzbank. Besonders hohe Verluste mussten die italienischen Bankaktien verbuchen. Für die Bankhäuser hätte nämlich eine Rating-Herabstufung des Landes fatale Folgen - die Bilanzen der Banken sind nämlich gefüllt mit italienischen Staatsanleihen. So war es keine große Überraschung, dass Banco BPM, Ubi Banca und die UniCredit mehr als 3 Prozent verloren haben. Der italienische Leitindex gab zudem um 2 Prozent nach.

 

Borghi: Italiens Probleme können nicht mit dem Euro gelöst werden

Die Ängste der Anleger wurden auch durch Claudio Borghi bestärkt. Der Abgeordnete der Lega Nord und Ökonom sprach davon, dass der Euro „nicht ausreichend“ sei, wenn es um die Lösung italienischer Probleme gehe - plötzlich entbrannte wieder die Diskussion um eine neue Landeswährung. „Ich vertrete die Ansicht, Italien könnte zahlreiche Probleme mit einer eigenen Währung lösen“, so Borghi, der abermals bewies, einer der größten Euro-Skeptiker Italiens zu sein.

 

„Wir sind nicht verrückt“

Nachdem am Dienstag ein Anstieg der Rendite der italienischen Staatsanleihen beobachtet werden konnte, wollte Borghi neuerlich das entzündete Feuer jedoch wieder austreten. So sprach er gegenüber „Bloomberg Television“ davon, die „Regierung hätte keinesfalls die Absicht, den Euro-Raum zu verlassen“ und bemerkte, dass „es keine Rolle spielt, wie ich die Situation sehe.“ Zudem verwies Borghi auch darauf, dass die italienische Regierung nicht die Absicht verfolge, das Defizitziel zu überschreiten. „Wir sind ja nicht verrückt. Wir sind ja nicht Venezuela“, so der Lega Nord-Politiker. Zeitgleich beschuldigte Luigi di Maio, der Vize-Premierminister der „Fünf Sterne Bewegung“, Emmanuel Macron und Angela Merkel würden sich den „Sturz der italienischen Regierung“ wünschen. Zudem würden europäische Institutionen immer wieder negative Kommentare von sich geben, um so die Finanzmärkte in Unruhe zu versetzen. „Da kann man schon von einem Terrorismus an den Märkten sprechen“, so di Maio. Ruhiger war nur Matteo Salvini, der Lega-Politiker und Vize-Premierminister. „Die Teilnehmer an den Finanzmärkten erkennen, dass unser Plan für den Staatshaushalt nur ein Ziel kennt: Italiens Wirtschaftswachstum fördern.“

 

Wird Italiens Haushaltsplan noch überarbeitet werden?

Die letzten Eskalationen an den Finanzmärkten waren die Folge einer nicht erwarteten expansiven Finanzpolitik der italienischen Regierung, die nun plant, für das kommende Jahr eine Neuverschuldung in Höhe von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorzunehmen. Ein Plan, der vor allem die Europäische Kommission stört. Auch Moody’s hat bereits nachdrücklich vor den möglichen Konsequenzen gewarnt - eine neue Krise, die Europa erschüttern würde, könnte nicht ausgeschlossen werden. Das heißt auch, die Geldpolitik sei in einem derartigen Fall viel weniger wirksam als in der Vergangenheit - es gäbe zudem auch kaum einen Spielraum für eine finanzielle Entgegensteuerung. „Eine hohe private wie staatliche Verschuldung stehe einer raschen Erholung der Wirtschaft genauso entgegen wie etwa auch die Herausforderung der digitalen Revolution für Unternehmen“, so die Ratingagentur. Valdis Dombrovskis, der EU-Vize-Kommissionspräsident, drängt in der Zwischenzeit bereits zu einer Überarbeitung des von Italien ins Auge gefassten Haushaltsplanes. „Aktuell gibt es keine Übereinstimmung mit den Regeln des EU-Wachstums- wie Stabilitätspakts“, so Dombrovskis, „wir sind aber offen für neue Gespräche.“