Reisebüro vs. Internet - Der Kampf um den modernen Urlauber

Es ist kein Geheimnis, dass die Branche Tourismus zu jenen gehört, die unter dem digitalen Wandel die wohl größten Einschnitte erfahren haben.

Für viele Reiseveranstalter war die mehr oder weniger plötzliche Präsenz der Konkurrenz aus dem Internet ein Schlag ins Gesicht - viele von ihnen gerieten in den letzten Jahren in Schieflagen. Jetzt, da sich abzeichnet, dass der Trend zur Buchung im Internet eher noch stärker wird als abzuflauen, kämpfen die Reiseanbieter mit neuen Dienstleistungen um ihre Kunden.


Beliebte Buchungen im Internet gegen verstaubtes Image

Über 38 Prozent der Deutschen buchen ihren Sommerurlaub inzwischen über das Internet. Das ist im Vergleich mit 2007, wo diese Quote noch bei 17 Prozent lag, eine spürbare Steigerung. Dabei haben es die Anbieter in Deutschland noch recht leicht: Die eher konservativen Deutschen sind im europäischen Vergleich vorsichtig. In den nordischen Ländern werden mitunter 80 Prozent der Reise über das Netz bestellt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Große Auswahl, günstige Preisen, einfache Möglichkeiten für den Vergleich und Informationen - etwa Meinungen von Kunden - die die Buchung bequemer und komfortabler machen.

Ein Grund lässt sich mit Sicherheit auch darin finden, dass es den Reiseveranstaltern bisher nicht gelungen ist, das etwas angestaubte Image der letzten Jahrzehnte loszuwerden. Begriffe wie die "Pauschalreise", die inzwischen eher negativ behaftet sind, bestimmten noch immer das Marketing, wenn es um die Buchung im Reisebüro oder im klassischen Katalog der Dienstleister geht. Zudem setzt man darauf, dass immer noch viele Kunden lieber den Service im Reisebüro nutzen. Ob das eine Strategie mit Zukunft ist, darf angesichts der Entwicklungen aber wenigstens bezweifelt werden.



Neue Konkurrenten drängen auf den Markt

Das Problem der klassischen Anbieter für Reisen sind aber nicht alleine die steigenden Zahlen im Internet oder der verschlafene Wandel für eine neue Kundengruppe: Es drängen immer mehr Anbieter auf den beliebten Markt für Tourismus. Zwar sei die digitale Revolution nach Ansicht von Experten noch nicht wirklich vorangeschritten, dafür drängen nun Anbieter auf den Markt, die bisher in diesem Segment eher nicht vertreten waren. Google und Ryanair überlegen zum Beispiel eigene Angebote für Reisen in das Netz zu stellen. Besonders Google hat die Marktlücke erkannt und will nun die vorhandenen Möglichkeiten für Shopping auch noch mit Buchungen verbinden. Ryanair gedenkt sich von einer einfachen Fluggesellschaft weg zu bewegen und stattdessen Komplettpakete für seine Kunden zur Verfügung zu stellen.

Airbnb ist aber vielleicht der größte Konkurrent. Der Dienst, der es Privatpersonen ermöglicht ihre Wohnungen als Ferienunterkunft zur Verfügung zu stellen, ist inzwischen in den meisten Großstädten gut ausgebaut. Viele Reisende nutzen nicht mehr die klassischen Angebote für Hotels oder Ferienhäuser, sondern entscheiden sich dafür, eine Wohnung über Airbnb zu mieten. Zwar gibt es hier und dort noch rechtliche Probleme, die steigenden Marktanteile für diesen Dienst sind aber deutlich und sollten auch die Reisebranche weiter beschäftigen.

Das Internet stellt den Bereich Tourismus also auf den Kopf. Es bleibt abzuwarten ob große Dienstleister wie Thomas Cook oder TUI sich dieser Konkurrenz stellen oder ob sie noch weiter an ihren eigenen Angeboten arbeiten müssen, damit sie im Netz konkurrenzfähig bleiben.