Rekordstrafe für PwC wegen Bankenkollaps weckt Ängste in der Beraterbranche

PricewaterhouseCoopers International (PwC) ist ein globales Netzwerk, das in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Unternehmens- beziehungsweise Managementberatung tätig ist. Das Unternehmen ist auch Marktführer in Deutschland. Ein US-Gericht verurteilte PwC zu einer Schadenersatzzahlung in Höhe von 625 Millionen Dollar an die staatliche Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC). Gegenstand des Verfahrens war der Konkurs der amerikanischen Colonial Bank. Dies ist die bisher höchste Strafe, die gegen ein Beratungsunternehmen verhängt wurde. 

 

Gerichtsvorwurf 

Die Muttergesellschaft von Colonial, Colonial BancGroup, war Mandant von PwC. Colonial übte den Betrug zusammen mit dem Hypothekenunternehmen Taylor, Bean & Whitaker (TBW) gemeinsam aus. Der Betrug blieb jedoch trotz mehrerer Bilanzprüfungen zwischen 2002 und 2009 unerkannt und führte schließlich zum Zusammenbruch der Bank. Die Colonial Bank stand an 25. Stelle in den USA. 

 

Urteilsbegründung 

Nach Ansicht des Gerichtes wäre der Betrug aufgedeckt worden, wenn die Revisionsprüfer von PwC ein Standardprüfungsverfahren angewandt hätten. Ferner wurden Unterlagen zu den Hypotheken keine Aufmerksamkeit geschenkt, so dass der Betrug intransparent blieb. Bereits zu Beginn des neuen Jahrtausends geriet TBW in Liquiditätsschwierigkeiten und überschritt regelmäßig die vereinbarten Kreditlinien bei Colonial. Um diese zu verschleiern, veräußerte TBW schon anderweitig verkaufte Hypotheken erneut an Colonial.
Der Betrugsfall hatte im Jahre 2009 die Liquidation von Colonial BancGroup zur Folge. Die FDIC musste Sparguthaben von etwa 2,8 Milliarden Dollar an Kunden auszahlen. Die FDIC verklagte 2012 PwC. Gegen das noch nicht rechtsfähige Urteil will PwC nun die Berufungsinstanz anrufen.
Der Konkursverwalter von TBW schloss schon 2017 einen Vergleich mit PwC. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte & Touche, das für den Hypothekengenerierer TBM die Bilanzen prüfte, konnte durch Zahlung von 149,5 Millionen Dollar eine Klage des Justizministerium verhindern. 

 

Unternehmen müssen mit höheren Gebühren rechnen 

Die hohe Strafe für PwC hat in der Branche für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Dabei sehen viele Prüfungsgesellschaften ihren guten Ruf gefährdet. Die Prüfungskosten könnten in Zukunft deutlich erhöht werden, sofern das Strafmaß in der gegenwärtigen Höhe bestehen bleiben sollte. Denn das Risiko derart hoher Strafen darf bei der Bemessungsgrundlage der Gebühren nicht unberücksichtigt bleiben. 

 

Beraten und prüfen 

Die EU-Kömmission will den Konkurrenten von Deloitte, PwC, EY und KPMG Auftrieb geben. Durch eine obligatorische Rotation der Revisionsstelle per Ausschreibung soll eine zu starke Machtkonzentration vermieden werden. Vertragsklauseln, die Banken eine Revisionsstelle bei den vier größten Unternehmen vorschreiben, sollen verboten werden. Ursprünglich wollte die EU den Revisionsunternehmen sämtliche Beratungstätigkeiten verbieten. Firmen dürfen demnach keine Beratungsleistungen in den Bereichen Strategie, Steuern und Finanzierung von den Wirtschaftsprüfungsunternehmen beziehen. Die zusätzlich erzielten Gebühren dürfen maximal 70 Prozent des Prüfungshonorars betragen.