Rentenmarkt im Fokus: Wieso Italien den nordIX-Experten Sorgen bereitet

Die umstrittenen Haushaltsziele Italiens und die möglichen Konsequenzen für die Fixed-Income-Märkte stehen derzeit beim Anleihe-Experten nordIX aus Hamburg besonders unter Beobachtung.

Es ist nicht zu übersehen: Die Nervosität an den Kapitalmärkten und die Risikowahrnehmung der Investoren wachsen. Gründe dafür sind nach Ansicht von Jens Franck, Portfoliomanager vom Fixed-Income-Experten nordIX vor allem die nach wie vor angespannte Lage zwischen Italien und der EU, die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die Folgen des Zinserhöhungszyklus in den USA. „Allerdings gab es zuletzt auch versöhnlichere Botschaften, insbesondere aus dem USA-China-Konflikt, aber auch dank des Ergebnisses der US Mid-Terms. Sie haben für eine abnehmende Risikoaversion gesorgt“, erläutert Franck.

Wachsam sollten Investoren jedoch vorerst beim Thema Italien sein. Hier bleibe die Lage vorerst weiter angespannt, nachdem der Haushaltsentwurf von der EU-Kommission erwartungsgemäß zurückgewiesen wurde. Sollte es kurzfristig keine Anpassung geben, kann die EU-Kommission am 21. November ein Defizitverfahren samt finanzieller Strafen gegen Italien einleiten. Für nordIX wäre das nicht überraschend. Denn insbesondere die Wachstumsprognose von 1,6 Prozent in 2019, mit der die italienische Regierung das angestrebte Haushaltsdefizit begründet, ist nach einem Wachstum von 0 Prozent in 2018 nicht realistisch. Folglich stieg die Risikoprämie 10-jähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber dem deutschen Pendant auf ein neues Jahreshoch von über 326 Basispunkten.

„Obwohl bislang nur ein zögerliches Entgegenkommen erkennbar ist, gehen wir am Ende eines schwierigen Prozesses von einer Einigung zwischen Italien und der EU aus“, sagt Franck. Die italienische Regierung gewinne innenpolitisch an Zustimmung und habe somit den Rückenwind, der EU nicht allzu weit entgegenzukommen.

„Doch im zweiten Schritt sollte Italien pragmatischere Schritte vornehmen, denn insbesondere geringe Refinanzierungskosten und somit eine möglichst geringe Risikoprämie gegenüber 10-jährigen Bundesanleihen bleibt im höchsten Interesse der beiden politischen Parteien“, betont der nordIX-Fachmann. Er erwartet, dass umgekehrt auch die EU eine Einigung anstreben wird, um zu vermeiden, dass ein offener und lang andauernder Konflikt das ohnehin zerstrittene Bündnis zusätzlich unter Spannung setzt.

 

Mit Licht und Schatten

Und wie geht nordIX mit der Entwicklung um? „Im Rahmen unserer Einzeltitelselektion betreiben wir ein laufendes Monitoring und bewerten unter anderem das Risiko-Ertrags-Verhältnis der italienischen Emittenten“, antwortet Franck. Derzeit beurteilen die Portfoliomanager der Hamburger Gesellschaft die Situation als kalkulierbar, sehen aber gleichzeitig keinen Grund, den Italien-Anteil im Portfolio weiter aufzubauen. „Zumal wir bei Signalen auch jederzeit in der Lage sind, das italienische Exposure über ein qualifiziertes Overlay-Management abzusichern“, erläutert Franck.

Im Blickpunkt stand zuletzt die Berichtssaison zum dritten Quartal, in der auch italienischen Emittenten ihre Zahlen vorgelegt haben. Unter anderem konnte Intesa Sanpaolo, eines der größten italienischen Kreditinstitute, sehr starke Ergebnisse präsentieren. Die Zahlen der Bank übertrafen die Analystenerwartungen deutlich, so stieg der Nettogewinn auf 833 Millionen Euro. Der Anteil notleidender Kredite, die sogenannte Netto-NPL-Quote, liegt bei nur noch 4,5 Prozent, dazu überzeugte die Bank auch beim Stresstestergebnis der EBA.

Dagegen belastete eine hohe Abschreibung in der Türkei das Quartalsergebnis von Unicredit. „Während die italienische Bank zwar leicht schwächer berichtete, zeigten die Ergebnisse dennoch, dass Unicredit weiterhin fundamental gut aufgestellt ist“, berichtet Franck. Die CET-1 Quote liegt bei 12,1 Prozent was dem Unternehmensziel von 12 bis 12,5 Prozent entspricht. Zudem konnte die Bank ihren Anteil an notleidenden Krediten weiter abbauen.

 

Weiter Rückenwind für US-Notenbank

Zu einer Verunsicherung an den Märkten sorgten zuletzt außerdem Aussagen von Fed-Chef Powell. Die US-Wirtschaftsdaten geben nach Ansicht von nordIX der amerikanischen Notenbank weiterhin den Rückenwind, den Zinserhöhungspfad fortzusetzen und sogar bis hin zum restriktiven Bereich („neutraler Zins“) anzuheben. Infolgedessen hat sich auch das Zinsdifferenzial zwischen 10-jährigen Treasuries und 10-jährigen Bundesanleihen deutlich ausgeweitet und notiert auf Rekordständen.

„Die Fed dürfte an ihrer restriktiven Geldpolitik festhalten, wobei wir beim Zinsanstieg insbesondere ab 2020 nur noch begrenztes Potenzial sehen, wenn sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den USA verlangsamen wird“, prognostiziert Portfoliomanager Franck. Ein Dezember-Zinsschritt wird derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 68 Prozent eingepreist.

 

Stabiler Bankensektor

Und was war sonst noch wichtig? Die Anfang November veröffentlichten Ergebnisse des Bankenstresstests. Sie bestätigen, dass der Bankensektor stabil aufgestellt ist. So konnten die europäischen Banken im Schnitt besser abschneiden als 2016, wobei in diesem Fall die strengeren Stressszenarien erwähnenswert sind. Grundsätzlich blieben die Folgen des Bankenstresstests für den nordIX Renten plus überschaubar, folglich gab es im Nachgang keine negativen Effekte für das Portfolio.

„Zusammenfassend sehen wir das Portfolio gut diversifiziert und aufgestellt. Wir bleiben daher unserer Strategie treu und nutzen die aktuelle Marktschwäche aktiv und investieren in Opportunitäten in den Kreditmärkten unter regulatorischen- und Kredit-Abwägungen“, fasst Co-Manager Sergej Oganesov abschließend zusammen und ergänzt: „Wir sehen Potenzial für eine weitere gute Verzinsung in den Zins- und Kreditmärkten.“