RNA-Technologie: Diese Unternehmen könnten Krebs und Alzheimer heilen
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2021-06-29

RNA-Technologie: Diese Unternehmen könnten Krebs und Alzheimer heilen

Der Durchbruch beim COVID-Impfstoff war zugleich auch ein Meilenstein für die RNA-Technologie. Newcomer wie Moderna oder BioNTech könnten damit in Zukunft selbst Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer heilen. Die Technologie hat enormes Zukunftspotenzial für die Medizin und für Anleger.

„Erfolge über Nacht dauern 20 Jahre“, sagte der Komiker Eddie Cantor. Dass in weniger als zwei Jahren gleich mehrere COVID-Impfstoffe entwickelt wurden, ist jahrzehntelanger Forschung und den kumulativen Fortschritten in der Medizintechnik und Datenanalyse zu verdanken. Forscher verstehen das Betriebssystem des Körpers immer besser. Statt Einsen und Nullen geht es dabei um die Gs, Ts, As und Cs der DNA.

Bei den COVID-Impfstoffen spielen insbesondere Ribonukleinsäuren, kurz RNA, eine zentrale Rolle. RNA sind Botenmoleküle, die in der DNA gespeicherte Informationen transportieren und übersetzen. RNA-Impfstoffe enthalten sozusagen den „Bauplan“ eines Virusantigens und übermitteln ihn an unsere Zellmaschinerie. Mithilfe dieser Informationen kann der Körper bestimmte Antigene eines Virus erkennen und eine natürliche Immunantwort produzieren. Wenn der Körper dann mit dem Virus in Kontakt kommt, kann das Immunsystem die Infektion bekämpfen.

Firmen wie BioNTech aus Mainz und Moderna aus Cambridge, Massachusetts, haben ihre Impfstoffe basierend auf dieser Wirkungskette entwickelt. Die bahnbrechende Innovation ist also nicht der COVID-Impfstoff selbst, sondern die Fähigkeit, den Körper so zu programmieren, dass er eine natürliche Immunantwort auf Krankheiten entwickelt. RNA-Technologie könnte in Zukunft auch bei der Prävention und Behandlung vieler anderer Krankheiten zum Einsatz kommen, zum Beispiel bei Herz-, Erb- und Krebserkrankungen oder Hirnkrankheiten wie Alzheimer und Parkinson.


Optimale Ausgangslage

Die Kosten für die RNA-Forschung sind in den letzten zehn Jahren massiv gesunken. Die DNA eines menschlichen Genoms zu lesen, kostete im Jahr 2007 noch 10 Millionen US-Dollar. Heute liegen die Kosten bei unter 1.000 US-Dollar und es dauert einen Bruchteil der Zeit. Biotech-Unternehmen tragen jetzt die Früchte jahrelanger Forschung und Investitionen.

Zusätzlich gibt die Pandemie vor allem BioNTech und Moderna Rückenwind. Sie haben durch ihre Impfstoffe eine Einnahmequelle geschaffen, ohne dafür teure Vertriebskanäle und Lieferketten aufbauen zu müssen. Stattdessen liefern sie ihre Impfdosen direkt an Regierungen, die sich dann auch gleich um die Distribution kümmern. BioNTech erwartet 2021 Einnahmen in Höhe von elf Milliarden US-Dollar allein durch den COVID-Impfstoff, mehr als doppelt so viel wie der Umsatz des meistverkauften Pfizer-Medikaments. Die Einnahmen können direkt in die weitere Forschung fließen.

Und die Pipeline ist gut gefüllt: Moderna erforscht einen Impfstoff gegen das Cytomegalovirus, ein Herpesvirus, das neurologische Schäden bei Neugeborenen verursacht. Das Unternehmen entwickelt auch Impfungen gegen drei verschiedene Lungenviren oder gegen das Zikavirus, das von tropischen Stechmücken übertragen wird. Zusammen mit AstraZeneca forscht Moderna außerdem an einem RNA-basierten Medikament für die Rekonstruktion von Blutgefäßen nach Schlaganfällen. Investoren sprechen Moderna hohes Zukunftspotenzial zu: Das IPO im Jahr 2018 stellte mit einer Bewertung von 7,5 Milliarden US-Dollar einen Rekord in der Biotech-Industrie auf.

BioNTech fokussiert sich auf die Prävention und Behandlung von Krebserkrankungen. Laut Mitgründerin Özlem Türeci führt das Unternehmen derzeit klinische Studien für Krebsmedikamente mit mehr als 500 Patienten durch. Erst letzte Woche wurde der erste Hautkrebs-Patient mit dem RNA-Wirkstoff BNT111 behandelt. Für 2021 hat das Mainzer Unternehmen weitere Phase-2-Studien für zusätzliche Krebsimpfstoffkandidaten angekündigt. CureVac aus Tübingen hat ebenfalls eine Impfung gegen Lungenkrebs im Teststadium. Endlich mal wieder eine Technologie, bei der deutsche Unternehmen vorne mitspielen.


Forschung birgt Risiken

Trotz der Zukunftschancen sind Aktien wie Moderna und BioNTech riskant: Impfstoffe und Medikamente benötigen Investitionen in Milliardenhöhe und der Erfolg ist nicht garantiert. Wie lange die Umsätze durch die COVID-Impfungen Geld in die Kassen spülen, ist ebenfalls ungewiss – auch, weil über die Aufhebung des Patentschutzes diskutiert wird. Vor allem BioNTech ist zudem in vielerlei Hinsicht noch ein Startup. Außer des COVID-Impfstoffes hat keines der anderen Medikamente bislang die Phase-2 Studien abgeschlossen. Trotzdem, Moderna und BioNTech entwickeln nicht „nur“ neue Medikamente, sondern die RNA-Technologie ermöglicht komplett neue Wege der Krankheitsbekämpfung. Das allein macht sie zu einem spannenden Investment.

Für risikoaverse Anleger, die dennoch in RNA-Technologie investieren wollen, sind breiter diversifizierte Pharmakonzerne eine Überlegung wert. Novartis stieg 2020 in den RNA-Markt ein, durch die Akquisition der Medicines Company für 9,7 Milliarden Dollar, die für 14 RNA-Medikamente klinischen Studien durchführt. Roche übernahm im Jahr 2014 das dänische Biotech Santaris und damit das RNA-Medikament Miravirsen, das bei der Behandlung von Hepatitis C zum Einsatz kommen soll. Bei diesen Aktien ist das Risiko sicherlich geringer als bei weniger etablierten Biotech-Firmen, das Renditepotenzial allerdings auch.



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