Sanierungspläne des HSVs - Finanzielle Gefahr durch den Abstieg?

Wenn es nach Wettstein geht, dann sollte der HSV sich ein Beispiel an Mainz 05, Borussia Dortmund oder dem FC Augsburg nehmen. Der Plan: keine teuren Spieler auf dem Transfermarkt kaufen und stattdessen auf den eigenen Nachwuchs setzen.

Der HSV-Manager Frank Wettstein plant bereits für die kommende Saison und sieht den Fußballverein aus Hamburg finanziell gut vorbereitet für einen Abstieg in die zweite Liga.

Zweite Liga birgt keine finanzielle Gefahr

Wettsteins Aussage trifft auf heftige Kritik, doch der HSV sei auch bei einem Abstieg finanziell ungefährdet. Vielmehr könne der HSV die Ausgaben anpassen, da sowohl Spieler als auch Manager im Falle eines Abstiegs finanzielle Abschläge hinnehmen müssen. Dieses Vorgehen sorgt dafür, dass der Traditionsklub kurzfristig ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen würde und keinerlei Einschnitte im Rahmen der Nachwuchsausbildung zu erwarten seien.

Sollte der HSV jedoch langfristig in der Zweiten Liga verweilen, so geraten die ambitionierten Sanierungspläne Wettsteins in Gefahr. Zudem könne auch die Zuschauerzahl sinken, wenn der HSV in der Zweiten Liga sportlich nicht zu gefallen wisse. Konkret würde das bedeuten, dass sinkende Zuschauerzahlen auch in sinkenden Einnahmen resultieren.

Verzicht auf teure Einkäufe

Wenn es nach Wettstein geht, dann sollte der HSV sich ein Beispiel an Mainz 05, Borussia Dortmund oder dem FC Augsburg nehmen. Der Plan: keine teuren Spieler auf dem Transfermarkt kaufen und stattdessen auf den eigenen Nachwuchs setzen. Insbesondere der Kreislauf aus teuren Transfers und zu hoch gesteckten Zielen müsse durchbrochen werden. Der Grund für die aktuelle Misere liegt laut Wettstein ebenfalls auf der Hand, denn die falsche Kaderplanung reißt massive Löcher in die Finanzen des Unternehmens. Wird zum Beginn einer Saison mit einem Platz im Tabellenmittelfeld geplant und anschließend nur ein Relegationsplatz erreicht, so bedeutet dies ein Delta von rund 20 Millionen Euro. Der sportliche Misserfolg sorgt für konstante Kosten und sinkende oder gar ausbleibende Einnahmen.

Allerdings positionierte sich Wettstein gegen die populäre Meinung, dass ein Abstieg den Umbau des Bundesliga-Dinos beschleunigen würde. Grundlegend sei ein struktureller Neuanfang zwingend nötig, allerdings würde dies auch ohne den drohenden Abstieg funktionieren.

Spieler müssen die Tradition schätzen

Wettstein, der erst durch die Freistellung von Heribert Bruchhagen, dem vorherigen Vorstandschef der HSV Fußball AG, die Rolle des alleinigen Vorstands übernehmen konnte, sieht eine wichtige Voraussetzung in dem Traditionsbewusstsein der Spieler. Mitarbeiter des Vereins seien grundsätzlich auch Fans, doch bei den Spielern zeichnet sich ein anderes Bild ab. Spieler wie Thomas Müller, der niemals für einen anderen Klub spielen würde, sind zwingend erforderlich, um das aktuelle Formtief zu überwinden.

Um den Neuanfang einzuleiten, setzt Wettstein nun auf ein neues Leistungszentrum für die Ausbildung des Nachwuchses. Zusätzlich wurde Christian Titz, der ehemalige Cheftrainer der HSV-Jugend, zum neuen Cheftrainer berufen. Titz, der nicht extern eingekauft wurde, kann die Entwicklung des Vereins mitbestimmen und hat zudem bereits Kontakte zu den Nachwuchsspielern. Besonders positiv sei etwa die Entwicklung von Jann-Fiete Arp zu betrachten. Doch auch Douglas Santos, der für einen Millionenbetrag gekauft wurde, konnte von einem Leistungssprung profitieren.

Als Beispiel für den erfolgreichen Wandel betrachtet Wettstein den BVB, denn der Verein stand nach einer Phase teurer Zukäufe kurz vor der Insolvenz, konnte diese aber durch eine Fokussierung auf die Jugend und einer Zusammenarbeit mit Puma als Sponsor abschütteln. Zudem wurde zu diesem Zeitpunkt der Slogan „Wahre Liebe“ kommuniziert.

Angespannte finanzielle Situation

Bereits im Jahr 2014 erfolgte die Ausgliederung der HSV Fußball AG aus dem Verein. Gerade hier sieht Wettstein ein Problem, denn der Klub konnte noch immer nicht professionalisiert werden. So muss nun mit einer Begrenzung des Budgets auf 27 Millionen Euro stattfinden, sodass der Verein Ende 2019 eine auslaufende Fananleihe zurückzahlen kann. Positiv sei das hohe Eigenkapital von 50 Millionen Euro zu bewerten. Des Weiteren soll wohl möglich eine Trennung von Michael Kühne im Raum stehen. Ihm wird eine entscheidende Rolle für die Misere zugesprochen, denn durch hohe Investitionen erlaubte er die teuren Transfers.

Auch die vielen ehemaligen Profis, die eine Rate als Berater oder Funktionär im Verein möchten, seien keine Bereicherung für den Verein, der in den letzten Jahren geradezu fremdgesteuert war. Wichtig sei für den HSV lediglich die Tradition, welche sich auch im neuen Volksparkstadium wiederfindet.