SAP-Prognose durch Cloudgeschäfte angehoben

Dass die Entwicklung von SAP auch in Zeiten der Cloud sehr gut läuft ist angesichts der bereits dritten Steigerung eigener Erwartungen deutlich geworden. Der Konzern hat unter Chef Bill McDermott bekanntgegeben, dass die eigene Pipeline für das vierte Quartal so stark zu sein scheint wie noch nie zuvor. Antreiber scheint dabei die Cloud zu sein: Alleine in diesem Bereich gehen die Buchungen für das vierte Quartal um 37 Prozent nach oben. Damit sieht man sich selbst als das am schnellsten wachsende Unternehmen in der Cloud an.

Das Problem vom SAP Aktienkurs ist aber weniger die Tatsache, dass man bereits jetzt gut in der Cloud mithalten kann als das operative Ergebnis, das in den letzten Jahren selten über den Erwartungen lag. Im Dax sank das Unternehmen trotz der Ankündigung des Konzerns um 3,3 Prozent ab - damit war SAP der Verlierer im frühbörslichen Handel. Das Problem ist dabei, dass das Unternehmen für seine Position in der Cloud noch immer massive Investitionen tätigen muss und sich die Einnahmen aus der Cloud nur sehr langsam in den Ergebnissen abzeichnen. Auch der Umstand, dass SAP mit den Lösungen aus der Cloud viel weniger verdient und das traditionelle Geschäft mit den Lizenzen inzwischen einen geringeren Anteil ausmacht hat einen direkten Einfluss auf die Marge des Unternehmens.

Die Struktur der Einnahmen sind ebenfalls problematisch: Lizenzen müssen direkt zu Beginn der Nutzung gekauft werden, die Kosten für die Cloud erstrecken sich über einen längeren Zeitraum. Da der Verkauf von Lizenzen rückläufig ist, verändert sich die Art und Weise und vor allem die Geschwindigkeit, mit der SAP derzeit seine Einnahmen generiert. Derzeit scheint man trotz des Wachstums die Zahlen der Analysten zu verfehlen. Man generierte zwar ein Jahresergebnis von 1,742 Milliarden Euro, blieb damit aber unter den prognostizierten 1,8 Milliarden. Bei 28,9 Prozent liegt die derzeitige Marge - angekündigt waren aber mindestens 29,8 Prozent.

Trotzdem scheint SAP nach eigenen Angaben das beste Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte verzeichnen zu können. Anleger zeigen sich davon trotzdem wenig beeindruckt und das Unternehmen muss mit weiterhin sinkenden Kursen kämpfen. Zwischen 7,425 und 7,525 Milliarden Euro könnte man im Betriebsergebnis erreichen. Im dritten Quartal ist man bei diesen Zielen immerhin schon bei der Zahl von 6,03 Milliarden Euro angekommen.


Langfristige Investitionen für die Zukunft von SAP

Im Januar kaufte man das US-Unternehmen Callidus und startete somit im Segment des Kundenmanagement einen direkten Angriff auf den bisherigen Marktführer Salesforce. Auch hier ist das Cloud-Geschäft im letzten Jahr um 200 Prozent gewachsen und trotzdem muss sich SAP mit etwa 6,5 Prozent vom Marktanteil noch auf Platz drei hinter Salesforce und der amerikanischen Konkurrenz von Oracle einordnen. Zuversicht bringt das eigene neue Softwarepaket C/4HANA, das Produkt aus dem Bereich Kundenmanagement, Marketing und Vertrieb bündelt und somit auch die Lösungen von Callidus beinhaltet. Auch dieses Paket soll als Bündel in der Cloud vermarktet werden und somit einen wichtigen Bestandteil in der eigenen Strategie für Wachstum in der Cloud darstellen.

Zwar muss man sich hinter Oracle einordnen, Analysten sehen aber eine große Chance, dass man in den nächsten Jahren an der Konkurrenz vorbeiziehen kann. Grund dafür ist vor allem, dass die amerikanischen Unternehmen den Einstieg in die Cloud zu spät gestartet haben und nun noch mit den ersten Hürden der Investitionen zu kämpfen haben.

SAP ist allerdings nicht das einzige Unternehmen aus der Branche, das mit den neuen Einnahmen dafür sorgt, dass man von den Anlegern eher kritisch beobachtet wird.. IBM verzeichnet nur noch ein schwaches Wachstum, da man sich noch mitten in der Phase eines Umbruchs befindet. Oracle ist sogar dazu übergegangen, die Ergebnisse aus und mit der Cloud nicht mehr gesondert zu veröffentlichen und hat damit für eine deutliche Verunsicherung bei den eigenen Anlegern und an der Börse gesorgt.