Saudi Arabien unter Druck: US-Investoren ziehen sich bereits zurück

Folgt man einem Bericht des Senders CNN, so wurde Reporter Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat (Istanbul) umgebracht. Jetzt ist der Kronprinz Mohammed bin Salman an der Reihe - er muss nun beweisen können, dass das Könighaus nichts mit dem Mord zu tun hat. In der Zwischenzeit haben sich schon namhafte US-Investoren aus Saudi Arabien zurückgezogen. Zudem gibt es wieder laute Töne des Präsidenten - macht Donald Trump seine Drohungen wirklich wahr, wird es garantiert zu einer Eskalation kommen.

Vor einer Woche wollte Mohammed bin Salman noch ein Zeichen setzen und präsentierte im Rahmen des Wirtschaftsgipfels, der in Riad abgehalten wurde, neue Pläne für das Königreich. Schlussendlich soll - so der Plan - das Königreich zum weltweiten Zentrum für Innovation und Technologie werden. Die Umsetzung des Plans kostet jedoch ein Vermögen - vorwiegend ist man auf amerikanische Dollar angewiesen. Doch diese wird es wohl jetzt nicht mehr geben. Schon alleine der Verdacht, dass der Journalist Khashoggi durch Auftrag des Thronfolgers im eigenen Konsulat sterben musste, schreckte zahlreiche Investoren wie Unternehmen ab. So zogen die Chefs von Blackstone, Bain Capital, Blackrock oder JP Morgen bereits ihre Angebote zurück. Auch Dara Khosrowshahi, der Chef von Uber, kündigte bereits an, nicht mehr zur Verfügung zu stehen - und das, obwohl Saudi Arabien Milliarden in Uber investierte.

 

Zeitungen rufen zum Boykott internationaler Firmen

Natürlich ist die Stimmung in Saudi Arabien aufgeheizt. „Ihr solltet nicht unsere Geduld testen“, titelte etwa eine Zeitung. Auch die „Arab News“ veröffentlichte einen Artikel über Khalaf al-Habtoor, einen in Dubai ansässigen Immobilien-Tycoon, der die Golfstaaten aufforderte, nun die internationalen Firmen zu meiden. „Wir müssen all jene boykottieren, die nicht mehr Teil der Investorenkonferenz sind, weil wir dann an der Reihe sind, wenn sie mit dem Königreich fertig sind.“ Nun könnte Saudi Arabien wieder eine Karte hervorzaubern, die schon seit 45 Jahren nicht mehr zur Hand genommen wurde - die Rede ist natürlich vom Erdöl. Öl war schon immer eine politische Waffe, das jedoch seit dem arabischen Embargo und der nachfolgenden Öl-Krise 1973/194 nicht mehr angegriffen wurde.

 

Nun steigt der Ölpreis

Vergangenes Wochenende spitzte sich der Streit neuerlich zu. Donald Trump, der 45. Präsident der USA, der natürlich im Kongress unter Druck steht, sprach davon, Saudi Arabien sei wohl für den Tod des Journalisten verantwortlich - könnte man das beweisen, müssten das Königreich eine „schwere Bestrafung“ ertragen. Aus Riad gab es bereits die Meldung, Saudi Arabien sei nicht für den Tod des Journalisten verantwortlich und sprach ebenfalls eine Drohung aus - man würde „auf jede Bestrafung mit einer noch stärkeren Vergeltung“ antworten. Diese Drohungen reichten bereits aus, um den Preis des Erdöls in die Höhe zu treiben - so kletterte der Preis um 2 Prozent nach oben. Auch wenn Analysten der Meinung sind, Saudi Arabien könnte die Ölversorgung gar nicht drosseln, so sei jedoch schon der Umstand, wie man miteinander umgehe, bereits als Tabubruch zu verstehen. Aber auch Turki Al Dakhil sorgte mit seinen Aussagen für Aufruhr - so sprach der Chef von Al Arabiya, einem Nachrichtensender, der Ölpreis könnte gut und gerne auf über 100 US-Dollar oder sogar auf mehr als 200 US-Dollar klettern. „Al Dakhil vertritt nicht die offizielle Position des Königreichs“, meldete die in Washington D.C. ansässige Botschaft. Auch Khalid al-Falih, der Energieminister Saudi Arabiens, versprach, dass das Land ein verantwortungsvoller Akteur sei und somit der Ölmarkt stabil bleibe. Nun sind zwei Interpretationen möglich: Saudi Arabiens Drohungen wurden nicht mit der Botschaft abgestimmt oder man hat ausprobiert, wie viel Spielraum tatsächlich besteht. Denn schlussendlich ist Al Dakhil ein enger Vertrauter des Könighauses.

 

US-Außenminister Pompeo reiste bereits nach Saudi Arabien

Fakt ist: Das Vertrauen ist extrem angeschlagen und die Angst, dass es zur Eskalation kommt, so groß wie schon lange nicht mehr. Auch Riads Börse musste ordentliche Verluste hinnehmen. Zudem meint es Donald Trump durchaus ernst - so trat Mike Pompeo, der Außenminister der USA, bereits am Montag seine Reise nach Saudi Arabien an. Offiziell gehe es um „Aufklärungsarbeit“, weil Trump weiß, dass sich die USA in Wahrheit keinen Bruch mit Saudi Arabien leisten kann. Schlussendlich ist das Königreich der größte Käufer amerikanischer Rüstungsgüter - die letzten Deals, die ein Gewicht von ungefähr 110 Milliarden US-Dollar haben, könnten sogar noch kippen, wenn die Sache tatsächlich eskaliert.

 

Der Hintergrund

Jamal Khashoggi, ein Journalist und Regierungskritiker des Königreichs, der auch immer wieder für die „Washington Post“ schrieb, suchte am 2. Oktober das in Istanbul befindliche Konsulat Saudi Arabiens auf, weil er die Papiere für die eigene Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abholen wollte. Jamal Khashoggi ist seit diesem Tag aber nicht mehr gesehen worden - es sei möglich, so die türkischen Zeitungen, dass es Ton- wie auch Videoaufnahmen gibt, die beweisen können, dass der Journalist zuerst verhört, dann gefoltert und schlussendlich im Konsulat ermordet wurde. Montagabend kam es zur Verhärtung des Verdachts: So berichtete der Fernsehsender CNN, Saudi Arabien werde in Kürze ein Geständnis ablegen und von einem „schiefgelaufenen“ Verhör sprechen.