Savedroid schadet der Krypto-Szene

Ein neues Start-up hat die Kryptowährungs-Szene aufgemischt und ihr gleichzeitig geschadet. Savedroid lancierte per ICO (Initial Coin Offering) eine neue Kryptowährung, nahm dabei unerwartet viel Geld ein - und war plötzlich für rund 24 Stunden nicht mehr erreichbar. Alles nur ein Scherz und eine Warnung vor möglichem Betrug, so äußerte sich kurz darauf der wieder auffindbare Gründer Yassin Hankir.

Was steckt hinter dem Post-ICO-Verschwinden?

Hankir behauptete gegenüber Journalisten, sein kurzzeitiges Verschwinden nach dem ICO inklusive des Abschaltens seiner Webseite sei eine Warn- und Werbeaktion gleichermaßen gewesen. Sein Unternehmen habe auf Betrugsprobleme aufmerksam machen wollen. Diese gibt es in der ICO-Szene tatsächlich, dennoch wirkte der Auftritt oder vielmehr Abtritt von Hankir mehr als befremdlich und rief den Staatsanwalt auf den Plan. Hankir setzte folgerichtig hinzu, dass das Ganze auch ein Werbe-Gag gewesen sei, denn nun ist die Szene natürlich aufmerksam geworden. Der Hauptzweck sei aber die Warnung gewesen: Man hätte, so Hankir, als streng reguliertes Start-up einfach mitsamt den ICO-Einnahmen verschwinden können. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt findet das nicht lustig und prüft aktuell (19.04.2018) ein Ermittlungsverfahren gegen das Start-up Savedroid.



Um wie viel Geld ging es?

Savedroid ist eine Sparschwein-App, die diverse Kryptowährungen aufnimmt. Beim ICO boten die Gründer den Investoren sechs Milliarden Token an, fast vier Milliarden konnten sie tatsächlich verkaufen. Sie wurden in Euro, Bitcoin und Ether bezahlt, der Gesamtwert könnte bei bis zu 40 Millionen Euro liegen. Angestrebt hatte Yassin Hankir höchstens 15 Millionen Euro, mehr konnte er sich nicht vorstellen. Doch schon 30 Minuten nach dem ICO-Start hatten knapp 17 % der Token den Besitzer gewechselt, nach fünf Tagen war die Hälfte verkauft. Die Erwartungen wurden um über 100 Prozent übertroffen. Mit dem Geld soll nun die Savedroid Krypto-Handelsplattform entstehen, die zu Sparmodellen für Token führen wird. Da mehr Geld als erwartet vorhanden ist, soll es schnell gehen. Möglicherweise hat es sich Hankir aber mit der Krypto-Szene verscherzt, denn viele Investoren dürften das kurzzeitige Abtauchen nach dem ICO mindestens als sehr üblen Scherz aufgefasst haben. Hinzu kommt: Es ist nicht der einzige bittere Nachgeschmack des Savedroid-ICOs.

 

Verbotene Werbung durch fragwürdigen Kolumnisten?

Zum Advisory Board von Savedroid gehört Roland Klaus. Der Kolumnist ist normalerweise auf Wallstreet-online.de unterwegs, was nicht anstößig ist. Er war aber 2013 auch Bundesvorstand und sogar Bundestagskandidat der AfD, was nicht jedermann gefallen dürfte. Auch das ist jedoch immer noch nicht verboten, hingegen gilt aber als höchst problematisch, dass Klaus vor dem Savedroid-ICO oft euphorisch darüber publiziert hatte, ohne seine finanziellen Interessen zu kennzeichnen. Das aber ist vorgeschrieben. Die Artikel wurden nicht einmal als Werbung gekennzeichnet. Sie verstoßen gegen die Ziffern 6 und 7 des Pressekodex' und - als verschleierte Werbung - gegen § 4 Nr. 3 UWG. Das dürfte über kurz oder lang zu Schadenersatzforderungen von Wettbewerbern führen. Sogar Affiliate-Links hat Roland Klaus in seinen Artikeln platziert. In diesem Kontext, für den sich ebenfalls ein Staatsanwalt interessieren könnte, erscheint die “Werbeaktion durch Verschwinden” nach dem Savedroid-ICO noch viel fragwürdiger. Es ist die Frage erlaubt, ob die Start-up Gründer nicht vielleicht wirklich kurz ans Verschwinden dachten - und dann zurückruderten. Der Imageschaden für die Kryptoszene ist jedenfalls beträchtlich.